Drinnen + draußen

Seid ignorant!

04.02.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

In der einen Gartenecke blühen Primeln, stecken Schneeglöckchen und Narzissen ihre grünen Triebe aus der Erde. Freunden habe ich schon Fotos mit einem weiß blühenden Baum geschickt. Ein wenig fühlt es sich draußen nach Vorfrühling an, meist aber nach Spätherbst. So selten schien seit Anfang Dezember die Sonne, so grau und dick sind die Wolken, so lang anhaltend der Hochnebel, so oft muss man zum Regenschirm greifen. Eigentlich aber ist es Winter, zumindest meteorologisch gesehen. Und es ist sogar der finsterste Winter seit Anfang der Wetteraufzeichnungen in Deutschland im Jahr 1951, wissen die Wetterfrösche: Dezember und Januar zusammen brachten es auf die geringste Sonnenscheindauer seit 67 Jahren. Das ruft die Fachleute auf den Plan, die nun vor dem Winterblues, vor depressiven Verstimmungen, Antriebslosigkeit und Schlappheit warnen.

Gute Gelegenheit für Ausreden

Die Meldung vom schlimmen Dunkelwinter verbreitete sich rasend schnell, nicht nur durch die traditionellen, sondern vor allem auch durch die sozialen Medien. Wer schlechte Laune oder auch nur keine Lust zu irgendwelchen Aktivitäten verspürt, hat damit jetzt eine gute Ausrede parat: Bei dieser Winterfinsternis kann man schließlich nicht all zu viel von einem erwarten…

Hätte ich die Erkenntnisse der Wetter-Statistiker nicht erfahren, wäre mir der diesjährige Winter allerdings gar nicht als besonders aufgefallen. Bemerkt habe ich nämlich bloß, dass noch immer der Schnee ausgeblieben ist. Unter der Woche kriege ich wie die meisten Arbeitenden nur wenig davon mit, was sich tagsüber draußen abspielt. Und abends ist es schon früh dunkel – eine gute Zeit, Kerzen anzuzünden, Tee zu trinken und es sich im Warmen nett zu machen. Und außerdem habe ich ja auch noch den Hund.

Hunde kennen kein schlechtes Wetter

Hunde kennen kein schlechtes Wetter – und ihren Besitzern hat einfach jedes recht zu sein. Schließlich müssen sie mit ihrem vierbeinigen Liebling bei Sonnenschein, Wind, Regen und Schnee durch die Gegend streifen, mindestens dreimal am Tag. Dafür haben sie sich extra wetterfeste Kleidung zugelegt, in der sich auch ein nasskalter Februartag gut ertragen lässt. Ich sage nicht, dass das immer riesigen Spaß macht, doch die Spaziergänge kurbeln auch bei grauem Himmel, Nebel und Niesel die Serotonin-Produktion an. Dieses Wach-Hormon wirkt bekanntlich gegen Schlappheit und Unlust.

Wirksames Mittel gegen winterliche Verstimmungen also: Legt Euch einen Hund zu! Weil das aber nicht jeder will oder kann, bleibt nur Eins: ignorant sein! Die Finsternis von heute ist schnell vergessen. Erinnert sich denn noch jemand an 2013? Damals gab es nämlich schon einmal die Meldungen vom trübsten Winter aller Zeiten. Und auch, dass sich in den letzten Tagen einige Male die Sonne länger herauswagte, lässt hoffen. Vielleicht gibt es ja sogar noch einmal Schnee. Dann ist die Stadt weiß – und damit auch ganz schön hell.

 

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