Nun könnte es bald losgehen mit dem Abriss des Sojus

Schriftzug am Neubau

14.02.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Noch sitzt eine Taube auf dem kaputten Fenster – ihr Ein- und Ausgang. Das Kino Sojus, im Jahr 2007 nach einer Zwangsversteigerung infolge der Insolvenz des früheren Betreibers Ufa geschlossen, hat lange keine anderen Besucher als die Vögel gesehen, die immer wieder Schlupflöcher finden, um in das Foyer zu gelangen. Damit dürfte es aber in absehbarer Zeit vorbei sein. Denn nun soll endlich ein städtebaulicher Vertrag mit Investor Jens Grünert von der Regie Bauträgergesellschaft mbH unterzeichnet werden. Noch bis Ende Februar soll dieser möglichst unter Dach und Fach sein, erklärte Bürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke), die auch für Stadtentwicklung zuständig ist. Anstelle des 1980/81 nach Entwürfen von Wolf R. Eisentraut und Dietrich Kabisch gebauten Filmtheaters am Helene-Weigel-Platz soll ein dreigeschossiges Gebäude mit seniorengerechten Wohnungen und einem Rewe-Supermarkt entstehen.

Abgewartet wegen Neuordnung des Marktes

Bereits im Jahr 2016 waren die Pläne vorgestellt worden, wir berichteten. Dagmar Pohle antwortete auf Nachfrage, dass sich im Wesentlichen nichts daran geändert habe. Das Projekt war vom Investor angehalten worden, um nach dem Verkauf der Kaiser’s Tengelmann-Supermärkte (für diese bekamen Rewe und Edeka den Zuschlag) erst einmal die Neuordnung der Verbrauchermärkte zu beobachten. Sprich: Es stellt sich die Frage, ob man am ehemaligen Kinostandort wirklich einen Rewe bauen sollte, wenn es nur wenige hundert Meter entfernt, nahe dem S-Bahnhof Springpfuhl, bereits einen Verbrauchermarkt des selben Unternehmens gibt (früher Kaiser’s). Laut Pohle habe Rewe trotzdem Interesse am Sojus-Standort gezeigt. Ob aber wirklich ein Rewe-Verbrauchermarkt gebaut wird oder aber ein anderer Interessent zum Zuge kommt, kann der Bezirk nicht entscheiden. Dieser bestimmt laut Baurecht nur über den Baukörper und die zulässige Art der Nutzung. War 2016 noch von einer Fertigstellung des Neubaus im Jahr 2018 die Rede, wird es jetzt wohl erst 2020/21 so weit sein.

In die “Zwischenablage”

Die Linke in Marzahn-Hellersdorf hatte lange gegen den Abriss des ersten Kinos von Marzahn gekämpft, eine kulturelle Nutzung des Gebäudes gefordert. Nun hat man sich anscheinend auch dort mit der Realität abgefunden, selbst wenn man sie bedauert. Wenigstens der markante Schriftzug „Sojus“ (aus dem Russischen, von Union bzw. Vereinigung) soll erhalten bleiben. „Er wird am Neubau angebracht“, sagte Dagmar Pohle. Eine weitere Schrifttafel kommt ins Museum – in die „Zwischenablage“ genannte Sammlung geretteter Kunstwerke aus DDR-Zeiten im Innenhof des Bürodienstgebäudes Riesaer Straße 94 in Hellersdorf.

 

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