Cembalo und Harfe im Festsaal des Schlosses Friedrichsfelde

Schreiten und Hüpfen zu Barockmusik

25.05.2017, Sabine Flatau

Fotos: Sabine Flatau. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Friedrichsfelde. Im Schloss Friedrichsfelde unterrichtet Tanzlehrer Frank Ditzel historische Tänze. Die Paare üben im Festsaal vor einer einzigartigen Kulisse und werden dabei von Musik aus vergangenen Tagen begleitet. Artig verbeugen sich die Herren. Anmutig schreiten die Damen dahin. Cembalo und Harfe sind zu hören: Zweimal im Monat treffen sich auf Schloss Friedrichsfelde Tanzbegeisterte mit Lehrer Frank Ditzel. Im Festsaal, zwischen Spiegeln, Kronleuchtern und Säulen, gehen, hüpfen und drehen sie sich. Die Musik versetzt sie in eine längst vergangene Zeit. Zwar tragen die Tanzschüler Alltagskleidung im Kurs. Tanzlehrer Ditzel ruft die Musik an seinem Laptop auf und hat einen Verstärker mitgebracht. Doch das beeinträchtigt die Stimmung nicht.

Choreographie zur Musik

Der Lehrer fängt mit Übungen zum Aufwärmen an. In einem großen Oval bewegen sich seine Schüler im Takt der klassischen Musik durch den Saal. Sie drehen Kopf, Arme, Hände und Füße. „Seit, vor, seit, vor“, so lauten die Kommandos. „Rechts, links, rechts, links.“ Dass es Spaß macht, ist zu sehen.

Seit vier Jahren gibt es den Historischen Tanzkurs, in dem vor allem altenglische Countrydances geübt werden. Sie haben klangvolle Namen wie „Picking up Sticks“ (Stöcke aufheben) oder „The Siege of Limerick“ (Die Belagerung von Limerick). 15 Paare nehmen teil. Viele sind von Anfang an dabei. Das Erlernte können sie bei den Tanzveranstaltungen im Schloss zeigen. Etwa beim Schlossfest im August. Thomas Ziolko, Vorsitzender des Fördervereins von Tierpark und Zoo, kommt regelmäßig zum Tanzkurs. Standardtänze wie Walzer kann er seit seiner Jugend. „Das Besondere an den historischen Tänzen ist, dass es eine Choreographie zur Musik gibt“, sagt er. „Es gibt eine Reihenfolge von Schritten, die man lernen muss. Dadurch ist es deutlich schwieriger als Standardtänze.“

500 barocke Schrittkombinationen

Wie sich die Füße bewegen, welche Schritte zu machen und wie die Hände zu halten sind, all das ist in einem alten Buch detailliert beschrieben. Der Pas grave etwa, ein langsamer Schritt, der Pas de Bourrée, oder Plié, die Kniebeuge. „Es gibt etwa 500 verschiedene Schrittkombinationen, die aus der Zeit des Barock notiert sind“, sagt Lehrer Frank Ditzel. Er lehrt fast alle, bis auf die Capriole, „bei der man die Beine in der Luft zusammenschlagen muss“. Das Ballett, sagt er, sei der Nachfolger dieser Tänze. Zehn Jahre unterrichtet er schon. Ditzel, von Beruf IT-Spezialist, ist Vorsitzender des Potsdamer Rokoko e.V. Den Barock-Tanz vergleicht er mit einem Uhrwerk, das präzise abläuft. „Aber jedes Zahnrad muss mitspielen. Wenn eines quersteht, dann geht es nicht.“ Doch beim Tanzkurs im Festsaal klappt Vieles schon wie am Schnürchen. Kein Wunder, die meisten Paare sind lange dabei. Sie wissen, in welcher Reihenfolge sie sich zu bewegen haben. „Rum, zwei, drei, vier“, sagt Frank Ditzel. Und nach den nächsten Takten: „Rum, sechs, sieben, acht.“ Die Tänzer verstehen ihn.

Zu den langjährigen Schülern gehört Sylvia Hiege, die Vizechefin des Fördervereins. „Es ist etwas ganz Besonderes, dass wir das im Schloss machen können“, erzählt sie. „Viele andere historische Tanzkurse üben in einer Turnhalle oder in einem Mehrzweckraum.“ Der Kurs ist Sport für sie und hilft ihr, sich zu entspannen. „Weil man dabei den Alltag draußen lassen muss. Wenn man mit dem Kopf nicht dabei ist, hat’s keinen Sinn.“ Und hinterher, sagt sie, „geht es einem einfach gut.“ Was auch am Tanzlehrer liegt, der freundlich, gelassen und humorvoll unterrichtet. Er erklärt, wiederholt, und korrigiert. Bis zur Pause. Dann sagt er: „Der Kavalier führt die Dame zum Getränk.“ Auch Olaf Lange, Vorstandsmitglied des Fördervereins, macht seit vier Jahren mit. „Es macht mir viel Spaß“, sagt er. „Sonst würde ich nicht dabeibleiben.“ Seit zwei Jahren ist Sara Lehnert aus Erkner dabei. Auch sie ist von der Schloss-Atmosphäre verzaubert. Während der drei Stunden im Kurs vergisst sie alles andere ringsum.

Der Historische Tanzkurs im Schloss Friedrichsfelde ist derzeit nicht für Neueinsteiger offen. Interessenten können sich jedoch beim Förderverein melden. „Bei genügend Nachfrage bieten wir dann einen entsprechenden Kurs an“, sagt Olaf Lange.

 

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