Bundeskanzlerin besucht Don-Bosco-Zentrum

„Schön, dass Sie da sind“

22.03.2016, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Es ist ziemlich selten, dass schwarze Limousinen am Otto-Rosenberg-Platz vorfahren. Dorthin kommt man meist mit der S-Bahn oder zu Fuß. Denn im Don-Bosco-Zentrum, eine Einrichtung des katholischen Ordens der Salesianer, betreibt die Manege gGmbH eine Einrichtung, die 365 Tage im Jahr 24 Stunden am Tag sogenannten schwierigen Jugendlichen offen steht – jungen Obdachlosen beispielsweise, Ausreißern oder auch jungen Menschen zwischen 16 und 25 Jahren, die für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden sollen. Am heutigen Dienstagnachmittag, 22. März, aber erscheint hoher Besuch: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besichtigt die Einrichtung.

Begeisterter Empfang
Vor der Tür wird die erste Frau im Staat von Schwester Margareta Kühn, der Geschäftsführerin der Manege gGmbH, und Pater Franz-Ulrich Otto, zuständig für alle Don-Bosco-Einrichtungen in Deutschland und Leiter des Berliner Zentrums, sowie vielen Beschäftigten und Jugendlichen begeistert empfangen. Die resolute Ordensfrau von den Heiligenstädter Schulschwestern begrüßt die Bundeskanzlerin so, wie sie alle Gäste empfängt: „Schön, dass Sie da sind.“ Die Ordensschwester war schon im Jahr 2014 mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden – eine Ehrung, um die sie nie viel Aufhebens gemacht hat. Denn es geht ihr bei ihrem Wirken nicht um sich selbst, sondern um ihre Schützlinge. Die haben eine zweite, manchmal auch dritte oder vierte Chance verdient, sagt sie immer wieder.

Handyfotos von der Kanzlerin
Im Don-Bosco-Zentrum können sich die jungen Leute, die nicht religiös gebunden sein müssen, um Hilfe zu bekommen, geborgen und umsorgt fühlen, LiMa+ berichtete.Dass die Bundeskanzlerin sich selbst vor Ort davon informiert, dass sie es ihr wert sind, davon sind auch die Jugendlichen begeistert. Schon beim Empfang recken sich ihr Hände entgegen, werden Handyfotos gemacht. Die Kanzlerinnen-Visite dauert eineinhalb Stunden und wurde auch nach dem Bekanntwerden der schrecklichen Terroranschläge in Brüssel nicht aus dem Terminplan genommen. Dazu will Merkel allerdings nichts sagen – jetzt geht es um junge Leute, die als schwer erreichbare Jugendliche gelten. Oftmals fallen sie durch jedes soziale Raster und haben keinen Bezug mehr zu Bildung und Ausbildung. Im Don-Bosco-Zentrum, das 2005 vom beschaulichen Zehlendorf an den raueren Stadtrand nach Marzahn zog, wird ihnen geholfen. „Wir wollen keinen zurücklassen“, sagt Pater Franz-Ulrich. „Deshalb sind wird an jeder Stunde des Tages für die Jugendlichen erreichbar, nicht nur zu den üblichen Bürozeiten.“

Umschauen beim Friseur
In der Friseur-Lehrwerkstatt, im Holzbereich und in der Küche schaut sich Angela Merkel an, was und wie die jungen Leute, die zu einem großen Teil vom Jobcenter zugewiesen werden, lernen. Sie erfährt auch, dass es Notbetten gibt, in denen man die Nacht verbringen kann. Und dass die Manege ausbildungsbegleitend tätig auch bei weiterführender Qualifizierung ist. Dass die Jugendlichen nicht nur Fähigkeiten und Fertigkeiten für einen künftigen Beruf erlernen, sondern auch, den eigenen Alltag zu meistern. „Wir geben ihnen ihre Würde wieder und ihren Respekt, auch vor sich selbst“, sagt Pater Franz-Ulrich. Viele der Jugendlichen kommen aus zerrütteten oder gleichgültigen Familien, Hartz IV ist ihnen seit der Kindheit vertraut. „Wir wollen sie stärken“, sagt der Pater. Das findet den Zuspruch der Kanzlerin.

Eines von 18 Pilotprojekten
Gekommen ist sie auf Einladung ihres Parteikollegen Karl Schiewerling (CDU). Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion macht sich seit Jahren für die Belange schwer erreichbarer Jugendlicher stark. Die Manege gGmbH des Don-Bosco-Zentrums ist seit Oktober vergangenen Jahres eines von insgesamt 18 Pilotträgern, die der Bund mit dem neuen Arbeitsmarktprojekt „Respekt“ fördert. 90 Prozent der dafür notwendigen Finanzen kommen aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die restlichen zehn Prozent vom Jobcenter. Unter dem Dach des „Respekt“-Projektes arbeiten die Träger mit eigenen Konzepten, das der Manege heißt „ánimo – Hab Mut!“ Schwester Margareta setzt mit ihrem Team oft ganz unten an: „Viele Jugendliche, die zu uns kommen, haben keinen Schulabschluss, einige können nicht richtig lesen oder schreiben. Einen geregelten Tagesablauf kennen die meisten von ihnen nicht. Auch die Bindung zum Elternhaus fehlt.“ Während der Projektzeit bis Ende 2017 bekommen die jungen Männer und Frauen sozialpädagogische und Psychologische Begleitung, Coachings sowie berufliche Orientierung und Qualifizierung. „Vor allem aber geht es darum, für die Jugendlichen da zu sein, ihnen zuzuhören und ihnen das Gefühl zu geben, dass auch sie einen Platz in unserer Gesellschaft haben.“

Parteieinübergreifende Unterstützung
Die Arbeit des Don-Bosco-Zentrums wird parteiübergreifend unterstützt, auch das findet an diesem Dienstag den Beifall der Kanzlerin. Und es ist sogar augenscheinlich bei ihrem Besuch: Neben Karl Schiewerling sind auch die Staatsministerin Monika Grütters (CDU) sowie Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau (Linke) vor Ort. Beide haben ihren Wahlkreis in Marzahn-Hellersdorf, kennen das Don-Bosco-Zentrum gut und werden dort für ihre Unterstützung geschätzt. Auch Dagmar Pohle (Linke), Sozialstadträtin des Bezirks, ist unter den Gästen. Sie hebt die gute Zusammenarbeit des Don-Bosco-Zentrums mit anderen umliegenden Einrichtungen hervor: „Als wir Ende vergangenen Jahres die Wohnheime für geflüchtete Menschen in der Bitterfelder Straße eingerichtet haben, kam von hier schnelle und unkomplizierte Hilfe.“

Träger sollten wieder mehr ausbilden können
Die beiden Linken-Politikerinnen sind sich mit Pater Franz-Ulrich einig: Das neue Förderprogramm Respekt ist gut – es brauche aber noch mehr, um gerade den schwer erreichbaren Jugendlichen wirksam zu helfen. „Träger sollten generell wieder die Möglichkeit haben, solche jungen Leute selbst auszubilden“, sagt der Pater. Das sei vor vier Jahren beschnitten worden, ausbilden sollen nun vor allem Firmen oder Oberstufenzentren. „Es gibt aber Jugendliche, die deren Anforderungen nicht meistern“, sagt er. Junge Leute, die ganz besondere Fürsorge brauchen, wie sie das Don-Bosco-Zentrum gibt.

 

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