Eine Direktorin aus dem Westen, Kunst aus dem Osten:

Schloss Biesdorf wird Zentrum für Kunst

24.06.2016, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding

Als Zentrum für Kunst und öffentlichem Raum soll Schloss Biesdorf am 9. September eröffnen. Die Sanierungsarbeiten sind so gut wie abgeschlossen, eine neue Direktorin ist gefunden: Katja Aßmann aus Nordrhein-Westfalen will Kunst aus der DDR ebenso präsentieren wie aktuelle Werke der Neuzeit.

Souveräner erster Auftritt
Ihren ersten öffentlichen Auftritt meistert Katja Aßmann souverän: Vor der versammelten Hauptstadtpresse lieferte die Architektin und Kunsthistorikerin am Donnerstag (23. Juni) einen ersten Einblick auf das, was die Besucher und die Kunstwelt ab dem 9. September auf Schloss Biesdorf erwartet. „Dieser Standort hat die Kraft, ein ganz besonderer neuer Berliner Kulturort zu werden“, kündigt Aßmann an – um gleichsam auf das erste Ausstellungsprojekt unter ihrer Ägide zu berichten. „AUFTRAG LANDSCHAFT“ soll die erste Schau heißen, die in den gerade frisch sanierten Räumen von Schloss Biesdorf zu sehen sein wird. Einerseits soll Auftragskunst aus der DDR präsentiert werden, andererseits Werke, die eng in Verbindung mit der Internationalen Gartenausstellung IGA Berlin 2017 entstehen, darunter von Jeppe Hein, Martin Kaltwasser, Seraphina Lenz und Anna Rispoli.

Dass Aßmann, gleichzeitig künstlerische Leiterin der Kunstorganisation „Urbane Künste Ruhr“ in Nordrhein-Westfalen, sich an den IGA-Auftragskünstlern orientiert, ist kein Zufall. Denn die Grün Berlin GmbH, Ausrichterin der Gartenausstellung, ist seit Anfang des Jahres auch Betreiberin des Schlosses in Biesdorf. Gut 400.000 Euro im Jahr bekommt das landeseigene Unternehmen vom Bezirk Marzahn-Hellersdorf, um Leben in die einstige Siemens-Villa zu bringen, Ausstellungen, Lesungen und Konzerte zu organisieren. „Landschaft und Kunst zusammenzubringen ist eine neue Herausforderung für uns“, sagt Christoph Schmidt, der Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH. Geplant sei, Schloss Biesdorf als lebendigen, offenen Ort zu entwickeln. Katja Aßmann bezeichnet er als „erfahrene Kunstexpertin, die wir nach langer, intensiver Suche gefunden haben“.

Zusammenarbeit mit dem Kunstarchiv Beeskow
Eng wird auch die Zusammenarbeit mit dem Kunstarchiv in Beeskow (Landkreis Oder-Spree) sein, das aus seinem immerhin 23.000 Werke umfassenden Fundus Exponate von bekannten und weniger bekannten DDR-Künstlern beisteuern wird. Geplant ist, sie in einen „Dialog mit nationaler und internationaler zeitgenössischer Kunst“ zu setzen. Gut 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche gilt es auf zwei Etagen zu bespielen. Hinzu kommen noch einmal gut 150 Quadratmeter für Veranstaltungen und der wunderbare, weitläufige Schlosspark.

Allerdings: Der Besuch von Schloss Biesdorf kostet künftig Geld – zumindest für die halbjährlich wechselnden Ausstellungen. Frei zugänglich hingegen soll eine Schau zur Geschichte des Hauses und des Cafés sein. Grün Berlin-Chef Christoph Schmidt rechnet im ersten Jahr mit rund 30.000 Besuchern, im kommenden Jahr soll sich ihre Zahl auf bis zu 60.000 einpendeln. Mit dem Eintritt für die Wechselausstellungen – im Gespräch sind zwischen vier und fünf Euro pro Person – will die Grün Berlin GmbH Einnahmen erzielen, um sich dann in den Folgejahren von der finanziellen Abhängigkeit des Bezirksamtes loszusagen.

Kunsthaus mit Strahlkraft über Berlin hinaus
Kulturstadträtin Juliane Witt (DIE LINKE) hofft, dass Schloss Biesdorf ein Ort werde, der über die Grenzen des Bezirks und Berlins hinaus an Strahlkraft gewinnt. Sie freue sich auf ein „Haus der Bildenden Kunst, der Klänge und der Vorträge“. Allerdings: Die im Herbst 2013 begonnene Sanierung von Schloss Biesdorf ist auch nach der Eröffnung am 9. September nicht abgeschlossen. Notwendige Reparaturarbeiten an der Terrasse, am Portikus und dem Turm müssen erst einmal hintenangestellt werden. Eine einst mündlich erteilte Zusage der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin zur Übernahme der Kosten wurde wieder zurückgezogen.

Gut 10,3 Millionen Euro kosten die Arbeiten, 8,65 Millionen Euro wurden bereits ausgegeben. Unter der Leitung der renommierten Architektin Prof. Maria Pinardi wurde das im Krieg stark zerstörte Gebäude entkernt und erhielt durch den Neubau der einst abhanden gekommenen zweiten Etage sein altes Antlitz von 1868 zurück. Die klassizistische Turmvilla war seinerzeit nach den Plänen des königlichen Baurats Heino Schmieden für den Unternehmer Werner von Siemens errichtet worden. 1927 ging sie in den Besitz der Stadt Berlin über.

 

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