Achard-Grundschule ab Donnerstag gesperrt

Schlimmer geht immer

02.09.2015, Linna Schererz

Fotos: Linna Schererz

Kaulsdorf. Wer dachte, die schlechten Nachrichten aus der Franz-Carl-Achard-Grundschule hätten nun ein Ende, hat sich leider geirrt: Am Mittwoch, 2. September, hat das Bezirksamt unerwartet die Schließung der gesamten Schule in der Adolfstraße 25 verfügt. Die etwa 350 Schülerinnen und Schüler könnten ab Donnerstag, 3. September, in einem gerade sanierten Schulteil der Marcana-Grundschule in der Marzahner Flämingstraße unterrichtet werden, hieß es in einer Mitteilung des Bezirksamtes. Der An- und Abtransport der Kinder sei sichergestellt, ebenso die Essenversorgung. Nach Rücksprache mit der Schulleitung, Lehreren und Eltern wurde laut Bezirksamtssprecher Frank Petersen am Mittwochnachmittag jedoch festgelegt, dass der Unterricht in Marzahn erst am Montag, 7. September,  beginnt. Am Donnerstag und Freitag sind die Kinder von der Schulpflicht befreit. Es gibt jedoch im nicht von der Schließung betroffenen Hortgebäude eine Notbetreuung, die genutzt werden kann. Die Lehrer und Erzieher würden am Donnerstag und Freitag Umzugskisten und Material packen, das sie im neuen Schulgebäude in Marzahn benötigen.

Ab Donnerstag dicht – für immer?
Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD), auch verantwortlich für Bildung: „Ich bedauere die kurzfristige Schließung sehr! Die Sicherheit und Gesundheit der Schülerinnen und Schüler sowie der in der Schule tätigen Menschen hat jedoch absoluten Vorrang.“ Wie bereits berichtet, waren zum Beginn des neuen Schuljahres aufgrund von Empfehlungen eines Gutachters Räume im Obergeschoss des Nordflügels der Schule wegen des Befalls mit Hausschwamm und daraus resultierender Einsturzgefahr gesperrt worden. Weil von der Sperrung auch zwei Treppenhäuser betroffen waren, hat das Bau- und Wohnungsaufsichtsamt aus Sicherheitsgründen am Dienstag, 1. September, eine Nutzungsuntersagung der Schule ausgesprochen. Stadtentwicklungsstadtrat Christian Gräff (CDU): „Der Brandschutz war aufgrund fehlender Fluchtwege nicht mehr gewährleistet.“ Das Schul- und Sportamt reagierte – ab Donnerstag, 3. September, ist das historische Schulgebäude nun offiziell gesperrt.

Umgang mit Schule „ein Skandal“
Doch bereits am Mittwoch war gegen 11 Uhr Schluss, viele Eltern holten ihre Kinder bereits in der großen Pause vom Schulhof ab. Überall bildeten sich diskutierende Grüppchen, denn zunächst hatten sowohl Schulleitung als auch Eltern nur aus einem Bericht der „Berliner Zeitung“ über die drohende Schulschließung erfahren. Martin Kleinfelder, dessen siebenjährige Tochter in die dritte Klasse der Achard-Grundschule geht, kritisiert das Umgehen mit der Schule als „Skandal“. Er sagt: „Es wird Zeit für die Suspendierung der Amtsleiter und den Rücktritt der Stadträte für Faciliy Management (Stephan Richter, SPD, d. Red.) und Bildung (Stefan Komoß, SPD, d. Red.) wegen der Unfähigkeit, ihre Ämter unter Kontrolle zu halten.“ Denn bereits seit langem wird über eine mögliche Sanierung, eine notwendige Schließung oder womöglich sogar den Abriss des mehr als 100-jährigen Schulgebäudes debattiert. Bisher hatten die Ämter immer eine Entscheidung verzögert und auf notwendige Gutachten verwiesen, deren Ergebnisse noch abgewartet müssten. Das Abschlussgutachten soll laut der Mitteilung des Bezirksamtes „frühestens Mitte Oktober 2015“ vorliegen. Informiert wurde in dem Schreiben gleichzeitig, dass das Schul- und Sportamt am 1. September zusätzlich einen international tätigen externen Sachverständigen „mit einer Auswertung der bisher vorliegenden Teilergebnisse“ beauftragt hatte. Dieser sei zum Ergebnis gekommen, „dass keine vollständige Entwarnung für die Sicherheit gegeben werden kann“, so dass die Schule vorsorglich gesperrt wurde.

Noch viele Fragen offen
Wenn auch eine kurzfristige Lösung für den Schulunterricht der Kaulsdorfer Kinder gefunden ist, bleiben noch viele Fragen offen. Nicht nur die wohl alle bewegende: Wie geht es am Standort weiter? Sondern auch: Warum wurden die Gutachten nicht in den Sommerferien oder bereits davor erstellt, um den Start ins neue Schuljahr nicht zu gefährden? Sowohl in den entsprechenden Ausschüssen der Bezirksverordnetenversammlung als auch im Bezirksparlament selbst wird das diskutiert werden müssen.

Falsche Prioritäten gesetzt?
Kritik kommt nicht nur von der Partei Die Linke, die sich schon am Dienstag öffentlich äußerte und am Mittwoch mit zwei Abgeordneten vor Ort in der Achard-Schule war. Sebastian Posselt, Vorsitzender der FDP Marzahn-Hellersdorf, bezeichnete es als „eine selbst herbeigeführte Schande“, dass die Grundschule wenige Tage nach den Sommerferien geschlossen werden musste. „Die baulichen Mängel am Schulgebäude waren lange bekannt. Das Bezirksamt hat gepennt und die falschen Prioritäten bei der Geldverteilung gesetzt.“ Die SPD-Abgeordneten Iris Spranger (für Mahlsdorf) und Sven Kohlmeier (für Kaulsdorf) erklären dagegen: „Wir begrüßen, dass das Bezirksamt mit Hochdruck an einer Lösung arbeitet, den Schulbetrieb sicherzustellen. Wir werden auf Landesebene die Haushaltsberatungen nutzen, um Möglichkeiten zu finden, dass der Standort der Achard-Grundschule kurzfristig wieder als Schulstandort genutzt werden kann. Wir gehen davon aus, dass alle Fraktionen im Abgeordnetenhaus dies mittragen. Durch eine abgestimmte Kommunikation zwischen Bezirksamt und Landesebene wollen wir erreichen, dass die jetzige Zwischenlösung kein Dauerzustand ist. Kaulsdorfer Kinder sollen auch weiterhin an diesem Standort in Kaulsdorf zu Schule gehen.“

 

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