Bezirksmuseum nur noch unter der Woche geöffnet

Schließzeit für Geschichte(n)

02.03.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Noch bis zum 19. August wird im Museum Marzahn-Hellersdorf (Haus 1) die sehenswerte Ausstellung „Gott und die Welt“ zur Kirchengeschichte des Territoriums gezeigt. Doch Besucher haben es schwer, die Schau zu sehen – ebenso die Dauerausstellung zur Bezirksgeschichte im Haus 2 des Museums. Schließzeit für Geschichte(n): Ohne das groß anzukündigen, wurden die Öffnungszeiten für beide Häuser im alten Dorf Marzahn verkürzt. Nun ist dort nur noch werktags von 11 bis 17 Uhr geöffnet, die bisherige Sonntagsöffnung ist entfallen. Zum Vergleich: Das Bezirksmuseum Lichtenberg hat dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, sonntags ebenfalls von 11 bis 18 Uhr, es gibt immer wieder Abendveranstaltungen und auch gemeinsam konzipierte Stadtführungen mit verschiedenen Anbietern.

Heimatverein ist besorgt

„Die Türen müssen wieder aufgemacht werden“, fordert Wolfgang Brauer, der Vorsitzende des Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf. Die Auseinandersetzung mit Geschichte sei heute aktueller denn je, sagt er. „Doch wer kann zu diesen Öffnungszeiten überhaupt das Museum besuchen?“ Der Heimatverein wünsche sich sehr, dass es noch in diesem Jahr gelinge, den unhaltbaren Zustand zu beenden. Brauer legt den Finger auch in eine weitere Wunde. Die Perspektive für das Haus 2, die frühere Heinz-Lüdecke-Bibliothek, die mit beträchtlichen bezirklichen Mitteln zum Museum umgebaut wurde (Eröffnung 2012), sei nach wie vor unsicher. Denn zwar gehöre das Haus dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf, jedoch der Grund und Boden einem privaten Eigentümer. „Es gilt aber laut Gesetz der Grundsatz: Wem der Acker, dem auch das Haus“, sagt der Vereinschef. Der Bezirk habe es seinerzeit versäumt, das Grundstück zu erwerben. „Es könnte somit sein, dass uns das Haus wieder wegrutscht“, befürchtet er. Denn bislang verhandeln der Bezirk und der private Verpächter noch ohne Ergebnisse über neue Konditionen.

Stadträtin bedauert die Situation

„Wir bedauern es außerordentlich, aber wir können momentan aufgrund von Personalmangel keine anderen Öffnungszeiten anbieten“, sagt Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke). Die beiden Museumsgebäude seien derzeit nur mit einer einzigen Mitarbeiterin je Standort ausgestattet, der Hausleitung. „Sie können nur 8 Stunden am Tag arbeiten und wir haben die Wahl, entweder das Publikum tagsüber oder abends zu bedienen. ‎Nach unserer Erfahrung ist es so, dass Menschen eher tagsüber als abends ein Museum besuchen.“ Es gebe zudem keine angestellten Aufsichtskräfte, sondern nur Menschen, die im Rahmen von 1,50 Euro-Jobs (sogenannte AGH-Kräfte) tätig seien. Diese dürften lediglich sechs Stunden pro Tag und nur in Ausnahmefällen an Wochenenden eingesetzt werden. Zudem stünden solche Mitarbeiter „aufgrund der erfreulichen Situation am Arbeitsmarkt nicht mehr in ausreichender Zahl zur Verfügung“. Freiberufler dürften für versicherungspflichtige Tätigkeiten wie Aufsichten nicht eingesetzt werden.

Sonderöffnung am 25. März

„Das zwingt uns, das Problem anderweitig zu lösen, beispielsweise durch den Einkauf einer externen Leistung“, sagt die Stadträtin. Daran werde intensiv gearbeitet, aber das brauche Zeit und die Zustimmung zu erhöhten Ausgaben. „Unsere Intention ist sowohl am Wochenende als vielleicht auch einmal in der Woche am Abend öffnen zu können. Wir sind zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird.‎“ Zunächst würde für beide Häuser ein Sonderöffnungstag am 25. März innerhalb der Aktion „Erlebe Deine Region“ geplant, an diesem Sonntag sind sie dann von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Noch keine Einigung zu Haus 2

Zur Zukunft des Hauses 2 teilt die Stadträtin mit, dass der Bezirk dem Eigentümer sowohl eine Erhöhung der Pacht als auch den Kauf des Grundstückes angeboten habe. „Bislang ist noch keine Einigung erzielt.“ Vor kurzem habe der beauftragte Anwalt der Gegenseite das Mandat niedergelegt. „Wir sind also neu am Suchen des Gesprächsfadens.“

 

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