Im Landschaftspark Herzberge heißt es: Runter mit der Wolle!

Schafe bekommen Kurzhaarschnitt

15.03.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Lichtenberg. Paula II ist als erste dran: Das Mutterschaf verliert am Dienstagmorgen, 14. März, sein dichtes Haarkleid. Wie in jedem Frühjahr sorgt Schafscherer Jens Gerbert für einen flotten Kurzhaarschnitt. Nicht nur bei Paula II, sondern auch bei den anderen 49 Tieren der Herde, die die Agrarbörse Deutschland Ost seit 2009 auf den Weideflächen im Landschaftspark Herzberge hält. Es sind Rauhwollige Pommersche Landschafe, die noch vor einigen Jahren ausgesprochen selten waren und inzwischen wieder gern nachgezüchtet werden. Bundesweit gibt es rund 2.500 Tiere. Zwischen drei bis fünf Kilogramm Wolle fallen pro Schaf an. Gefragt als Material für Pullover oder Socken ist diese aber längst nicht mehr, erzählt Schäfer Matthias Breutel. Da werde dann doch lieber Merinowolle aus Neuseeland genommen. Die Lichtenberger Wolle wird größtenteils zu Pelletts verarbeiten und dient als hochwertiger organischer Dünger oder auch als Dämmmaterial für Böschungen.

Wollkleid würde immer weiter wachsen

Doch nicht zum Gewinnen von Wolle werden die Schafe geschoren. „Das hat auch hygienische Gründe“, erzählt der Schäfer. Denn die als Haustiere gehaltenen Schafe können nicht wie Wildschafe den Wechsel zwischen Sommer- und Winterfell selbstständig vollziehen. Die Wolle würde immer weiter wachsen, die Tiere könnten damit bewegungsunfähig werden. Zudem erleichtert das kurze Fell auch die bevorstehenden Geburten: Die Tiere sind fast alle tragend und werden in wenigen Wochen Nachwuchs bekommen. Dass sie bei den gegenwärtig noch niedrigen Temperaturen frieren, schließt Schäfer Breutel aus: „Sie bewegen sich doch den ganzen Tag lang und fressen viel.“ Das rege den Wärmehaushalt an, ergänzt Schafscherer Gerbert. Und wenn es den Tieren doch einmal zu kalt sein sollte, könnten sie sich im Stall eng zusammenkuscheln. Den kann Matthias Breutel auch noch mit einer Folie verhängen: „Jetzt ist das aber nicht mehr nötig“, sagt er. Es sei denn, es komme noch einmal ein Wintereinbruch.

Der Stadtrat schert mit

Wie schon in den vergangenen Jahren darf sich auch diesmal Lichtenbergs Umweltstadtrat Wilfried Nünthel ebenfalls als Schafscherer betätigen, wenn auch nur für einige Minuten. Der 62-Jährige, der aus einem Elternhaus mit Landwirtschaft stammt, macht das ziemlich gekonnt. Dennoch gerät er ins Schwitzen. Man bekommt eine Ahnung davon, wie anstrengend die Arbeit von Schafscherer Gerbert ist. Zahlreiche Schaulustige sind gekommen, um die Schur zu beobachten. Darunter sind nicht nur Menschen aus angrenzenden Wohngebieten und dem nahen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge. Auch Schul- und Kitakinder haben sich angemeldet. Die Mädchen und Jungen der Richard-Wagner-Grundschule aus Karlshorst haben ihren Wandertag in den Landschaftspark gemacht und beobachten nun mit großen Augen, wie die Schafe quasi aus dem Riesenberg Wolle, den sie am Leib tragen, herausgeschält werden. „Die sind ja jetzt richtig dünn“, sagt ein Mädchen staunend.

Auch als Landschaftspfleger unterwegs

Birgit Wackwitz vom im Landschaftspark Herzberge beheimateten Umweltbildungsprojekt der Agrarbörse erzählt, dass sich allein zur diesjährigen Schafschur Schulen und Kitas aus verschiedenen Teilen Berlins mit 280 Kindern angemeldet haben. „Sogar aus Wittenau kommt eine Schulklasse.“ Die Schafe bieten den Besucher jedoch nicht nur etwas fürs Auge, sondern sind auch Landschaftspfleger. Sie dämmen den Gehölzaufwuchs ein – indem sie die Triebe und Wurzeln einfach auffressen.

Renaturierte Flächen

Das Kerngebiet des Landschaftspark Herzberge von ca. 20 Hektar setzt sich aus ehemaligen Gartenbaubetriebsflächen im Süden, dem ehemaligen Rangierbahnhof Roeder im Westen, dem alten Lichtenberger Stadion im Norden, verschiedenen waldartigen Biotopen und Weideflächen für Schafe, viele Kilometer Rad- und Fußwege sowie Rastplätze für Erholungssuchende zusammen. Wertvolle Biotope für seltene Arten wurden bereits stabilisiert. Ehemalige Gartenbauflächen und Industriegelände sind zurückgebaut, renaturiert und für die jetzige Beweidung vorbereitet worden.

Weitere Informationen, auch zum Umweltbildungsprogramm:
www.agrar-boerse-ev.de

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