#WallysHockeyCorner

Saisonstart geglückt

29.09.2015, Christian Baumeier

Fotos: Christian Baumeier. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

…anders kann man die Bilanz nach drei DEL Wochenenden nicht ziehen. Neben einer Niederlage stehen fünf Siege auf der Habenseite der Eisbären Berlin. Dass ein Sieg dabei in der Verlängerung gelang und man dadurch einen Punkt abgeben musste, ist da sicherlich zu verschmerzen. 14 von 18 möglichen Punkten sind geholt und die Devise kann nur lauten: Weitermachen!

Eisbären Berlin

Viel hatte man sich vor der Saison ausgemalt, wie sehr werden Mannheim und München die Liga dominieren und wo im Mittelfeld stehen die Eisbären. Aber Pustekuchen, nach sechs Spieltagen stehen die Hauptstädter auf Platz 2 der Tabelle, hinter der großen Überraschung zum Start der DEL Saison 2015/2016, den Straubing Tigers, die bisher erst eine Niederlage (in Berlin) kassierten. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen. In den letzten zwei Wochen waren alle Spiele eng und bis auf das Champions Hockey League Spiel gegen die Stavanger Oilers wurden alle mit nur einem Tor Vorsprung gewonnen. Ausnahme war das 7:5 gegen den Tabellenführer aus Straubing. Da sorgte „6 Feldspieler“ der Bayern für ein offenes Tor.

Aber von vorne: Gegen die Grizzlys aus Wolfsburg, die in der Sommerpause ihr Design massiv geliftet haben und sich das altbackene Logo abgestreiften, wurde am Freitag, 18. September, 3:2 gewonnen, ehe es zwei Tage später zu dem fulminanten Spitzenspiel zwischen den Berlinern und den Tigers aus Straubing kam. Binnen 60 Minuten, in denen es auf und ab auf dem Eis in der Mercedes-Benz Arena ging, wurden 12 Tore geschossen. 7 auf Seiten der Berliner und 5 Mal musste Vehanen hinter sich greifen. In der Mixed Zone sagte Captain André Rankel nach dem Spiel, er glaube, „dass die Eisbären ein einfaches Hockey spielen.“ Aber ich sehe das gar nicht so. Sehr oft hat z.B. nicht der erste anspielbare Mann den Puck bei Pässen angenommen, sondern ihn durchgelassen für den Mann dahinter, während sich mitunter die Gegenspieler auf den ersten Passannehmer konzentrierten. Besonderes Highlight waren die beiden ersten DEL Tore des Verteidigers Constantin Braun nach knapp 11 Monaten Verletzungspause.

Am Sonnabend, 19. September, fand in der Arena #ebbwelcomesrefugees statt, zu der Veranstaltung könnt ihr unten mehr lesen. Beim vorherigen Training war wieder der Ex-Torhüter der Washington Capitals und Goaliecoach der Berliner, Maxime Ouellet zu Gast und arbeitete besonders mit Kevin Nastiuk. Zum dritten Mal innerhalb von vier Tagen, ging es am Dienstag in die mit 4.069 Zuschauer mehr als leere Arena zum Champions Hockey League Spiel gegen den Norwegischen Serienmeister, der 2010, 2012, 2013, 2014 und 2015 Meister wurde. In einem zähen Spiel, das sich zog wie ein alter Kaugummi, zeigten sich die Eisbären dann doch als cleverere Mannschaft. Mit ihrem 3:0 Erfolg schufen sie eine gute Grundlage für das Rückspiel am 6. Oktober in Norwegen und den möglichen Achtelfinaleinzug gegen HC Kosice aus der Slowakei oder Skellefteå AIK aus Schweden. Nach dem 3:0 Sieg gab Uwe Krupp seinen Jungs einen Tag frei, ehe es am Donnerstag zurück aufs Wellblechpalast-Eis zum Trainieren ging und dann ins Auswärtswochenende nach Krefeld und Schwenningen. Gegen die Pinguine aus der Seidenstadt ließ man einen Punkt liegen und gewann in der Verlängerung 2:1. Zum Abschluss des Wochenendes gewannen die Eisbären in der Helios-Arena gegen die Wild Wings 3:2. Der von den Eisbären an die Wild Wings ausgeliehene Verteidiger und italienische Nationalspieler Alex Trivellato, schoss in dem Spiel sein erstes Saisontor. Nach fünf Siegen in den letzten fünf Spielen steht am Freitag, 2. Oktober, ein Heimspiel gegen Ingolstadt an, ehe die Eisbären auf einen Vierspiele Roadtrip gehen. Von Hamburg geht es übers norwegische Stavangar und Düsseldorf nach Köln.

OSC Berlin und FASS Berlin

Die Eisladies starteten durchwachsen in die DFEL Saison 2015/2016. Nach einer 4:3 Niederlage am 25. September beim EC Bergkamen konnte das Rückspiel Tags darauf 2:0 gewonnen werden.
Mit zwei Niederlagen in die Oberliga Nord starteten die Männer von FASS Berlin. Gegen die Wedemark Scorpions endete das Spiel knapp mit 3:4. Deutlich höher fiel die Niederlage beim Topfavoriten der Liga, in Leipzig bei den Icefighters aus. Dort mussten sich die Akademiker mit 7:3 geschlagen geben.

#ebbwelcomesrefugees Part 2

Bereits zum zweiten Mal nach Ende Februar luden die Eishockeyfans für Toleranz zusammen mit black corner 2007, Eisbären Berlin, Mercedes-Benz Arena, Eisbären Kids Club und dem Maskottchen Bully zu #ebbwelcomesrefugees ein. Am Sonnabend, 19. September um 14 Uhr, war es soweit, die rund 50 Flüchtlingskinder aus drei verschiedenen Einrichtungen gingen mit zirka 50 Kindern des Eisbären Kids Clubs und Florian Busch zwei Stunden aufs Eis. Neben anderthalb Stunden Schlittschuhlaufen durfte die letzte halbe Stunde Eishockey gespielt werden. Die vielen lachenden Gesichter waren den zahlreichen Helfern sicher Dank genug, obwohl ich mir vorstellen kann, dass die auch gar keinen Dank erwartet haben. Bei der zweiten Auflage der Veranstaltung konnte man auch ein paar Hintergründe über die Kinder erfahren. Zum Beispiel war da das Mädchen aus Syrien, das ihren rechten Arm durch Granatsplitter verlor. Das sind Geschichten, die das grausame Geschehen dort greifbarer machen. Ich habe es schon nach der ersten #ebbwelcomesrefugees Veranstaltung hier in meiner Kolumne geschrieben und muss es jetzt noch mal untermauern: Ich kann diese „besorgten Bürger“ absolut nicht verstehen, die wegen der Flüchtlinge auf die Straße gehen. Hätten sie dasselbe durchmachen müssen, wären sie auch froh, wenn sie irgendwo in einem sicheren Land abseits von Krieg und Terror ihre Ruhe finden könnten.

Wo allerdings viel Licht ist, gibt es auch irgendwo etwas Schatten. So wurde ich vor #ebbwelcomesrefugees darauf aufmerksam gemacht, dass es im näheren Umfeld der Mannschaft mehrere Mitarbeiter der Eisbären gibt, die wiederholt öffentlich in sozialen Medien neurechten und rechtspopulistischen Content verbreiten wie z.B. von „Pegida“, „Wacht auf“, „Anonymus“, „Schnauze voll von der BRD GmbH Pseudostaat-Regierung“ und ähnlichem. Es ist mir persönlich völlig unerklärlich, wie man mit solchen Ansichten bei einem internationalen Arbeitgeber arbeiten kann (sei es bei den Eisbären Berlin oder bei der noch internationaler aufgestellten Anschutz Entertainment Group). Ob sich die Eisbären auch in dem Umfang von den Vorfällen öffentlich vor einem Spiel distanzieren, wie vor genau einem Jahr, als es in der damaligen o2 World einen Vorfall gab, wo fremdenfeindliche Äußerungen von Fans gegen farbige Mitarbeiter einer Reinigungsfirma getätigt wurden, bleibt abzuwarten. Ich hoffe die Eisbären besinnen sich auf das folgende Zitat aus der gemeinsamen Erklärung vom September 2014 und geben sie den beiden Mitarbeitern auch nochmal zu lesen:
„Für Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung ist bei uns kein Platz!“
P.S. zum Champions Hockey League Spiel gegen die Stavanger Oilers haben die Eisbären dann noch 450 Freikarten ausgegeben für benachteiligte Jugendliche, soziale Projekte, Flüchtlinge und die engagierten ehrenamtlichen HelferInnen.

Diverses

Die Eisbären haben in dieser Saison einen Statistikanalysten verpflichtet. Aus Belfast von den dortigen Giants wechselte Alan Hamilton in die Hauptstadt, um auch hier die Spiele auszuwerten. In der vergangenen Saison arbeitete Hamilton zusätzlich für die London Knights aus der Ontario Hockey League und analysierte dort – laut seinem Blogpost – jedes Spiel über vier Stunden. In der NHL zum Beispiel ist es seit einiger Zeit en Vogue, auf diese moderne Spielauswertung und Bewertung einzelner Spieler zu setzen und sie dadurch besser zu machen. In der letzten Woche gab es auf Twitter eine Debatte zwischen solch einem Analysten, wie die Eisbären ihn geholt haben und dem ehemaligen NHL-Spieler Paul Bissonnette, der von der ganzen Sache nicht so überzeugt war. Während die Analysten nur auf die reinen Zahlen schauen, meinte Bissonnette, dass diese Zahlen eben nicht die ganze Story erzählen und es auch den menschlichen Blick braucht, da beispielsweise ein Spieler der dritten Reihe nicht die selben Aufgaben hat, wie ein Spieler der ersten Reihe. In beiden Aussagen steckt Wahrheit und ein Mix aus beiden Richtungen wird wohl die Teams stärker machen als eine Fokussierung auf nur eine Analyse. Bisher haben der SC Langenthal, die Zürich Lions und Frölunda Göteburg in Europa auch solche Analysten verpflichtet. Übrigens sind die ersten Teams, wie zum Beispiel die Toronto Maple Leafs, schon wieder den nächsten Schritt gegangen: Sie haben nach dem Analysten aus der letzten Spielperiode für diese Saison einen Sportwissenschaftler angestellt, der die Biomechanik der Spieler in Echtzeit überwachen soll. Dadurch sieht man kleinere Blessuren, bevor sie zu ernsten Verletzungen werden. Ebenso kann man mit dieser Technik erkennen, wann ein Spieler eine längere Pause braucht. Mit den gewonnenen Daten wird man über einen längeren Zeitraum sicherlich richtig viel anfangen können.

Am 6. Dezember kommen die Fans der Iserlohn Roosters mit einem Sonderzug in die Hauptstadt. 
Die Eisbären haben sich von Fanbetreuer Robbie Haschker getrennt, die Sendung Eiszeit von tv.Berlin wurde vorerst eingestellt. Grund sind rechtliche Differenzen zwischen dem Sender und der DEL. Einer der fünf Fanbeiratsmitglieder ist zurückgetreten.
Eisbären-Rückkehrer Micki DuPont trainiert ab sofort 1 Mal pro Woche (immer mittwochs) die U12 Kleinschüler der Eisbären Bambinis mit. Hauptamtlicher Trainer bleibt Rumid Masche.
Nachdem ich in der letzten Ausgabe von #WallysHockeyCorner über den neuen Twitteraccount von Sven Felski berichtete und davon, dass Constantin Braun auch mal einen hatte, ihn aber wieder löschte, tauchte zehn Tage nach dem Erscheinen von #WHC der Account @cbraun90 in meiner Timeline auf. Tine ist also wieder zurück. Welcome back! #ff

In eigener Sache

Ob in zwei Wochen die nächste #WHC Ausgabe pünktlich kommt oder eventuell mit einer Woche Verspätung, kann ich hier noch nicht versprechen, da ich zu der Zeit durch Europa reise und mir unter anderem auch Eishockey in der österreichischen Liga EBEL gönne. Also nicht sauer sein, wenn ihr erst wieder in drei Wochen von mir lest. Ansonsten bleiben euch ja noch meine Tweets. Folgen könnt ihr mir unter @Wally44 oder für News aus Lichtenberg, Hohenschönhausen, Marzahn und Hellersdorf @LichtMarzPlus.
Falls euch die Kolumne gefallen hat, teilt sie doch bitte in euren Netzwerken wie Facebook, Twitter etc. Vielen Dank!

Ciao and Take care!

Wally #WHC

 

 

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