Schafschur im Landschaftspark Herzberge

Runter mit der Wolle

14.03.2014, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Lichtenberg. Bei frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein sind winterwarme Hüllen lästig. Die Schafe im Landschaftspark Herzberge müssen seit Donnerstag, 13. März, nicht mehr unter dicken Zotteln schwitzen. Schafscherer Jens Gerbert sorgte für einen flotten Kurzschnitt. Etwa fünf Kilogramm Wolle, das sogenannte Vlies, fiel je Tier an. Auch Lichtenbergs Stadtentwicklungs-Stadtrat Wilfried Nünthel (CDU) legte bei der alljährlichen Schur mit Hand an, zünftig im Blaumann.

Als Landschaftspfleger tätig
Seit 2009 weiden auf den Flächen des Landschaftsparks, in dessen Mitte das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge liegt, Rauhwollige Pommersche Landschafe. Die Rasse war noch vor einigen Jahren ausgesprochen selten, jetzt gibt es bundesweit wieder mehr als 2.500 Tiere. Gezüchtet werden sie in der Landwirtschaft wegen ihres nach Wildbret schmeckenden Fleisches und der Wolle, die unterschiedliche Grautöne aufweist. Im Landschaftspark Herzberge sollen die Schafe den Besuchern des etwa 100 Hektar großen Geländes vor allem etwas fürs Auge bieten – und sich nützlich bei der Pflege machen. “Sie dämmen den Gehölzaufwuchs ein”, erklärt der Stadtrat. Gleichzeitig sorge der Tritt der Tiere für ein Wachstum einer artenreichen Kräuterschicht. Das Weideprojekt, das gemeinsam mit der Agrarbörse Deutschland e.V. durchgeführt wird, hilft dem Bezirk somit bei der Grünpflege. “Es könnte auch anderen für eine alternative Landschaftspflege als Vorbild dienen”, sagt Nünthel. In Berlin betreibt nur der Bezirk Lichtenberg eine solche Schaf-Weidewirtschaft.

2015 kommen Schottische Hochlandrinder
Rund ein Drittel des Landschaftsparks Herzberge, der seit 2004 auf ehemaligen Gartenbauflächen und Industriegelände entstand, wird durch Schafe beweidet, sagt Projektmanager Stephan Lübke von der Agrarbörse. Auch Rinder soll es künftig geben – eine Fläche, wo früher ein Zeltlager stand, ist bereits dafür hergerichtet worden. Doch dieses Jahr dürfen nur die Schafe dort hin, denn die junge Vegetation verträgt die Belastung durch die viel schwereren Kühe noch nicht. 2015, so Lübke, kämen die ersten Schottischen Hochlandrinder nach Herzberge. Solche hält der Verein schon im Eiche-Park von Marzahn.

Osterlämmer erwartet
In Herzberge weiden 50 Mutterschafe, seit gestern ohne dicken Pelz. “Die Schur dient nicht der Schönheit, sondern muss aus tierhygienischen Gründen sein”, sagt Lübke. Außerdem sei das Scheren auch aus geburtshygienischen Gründen wichtig. Denn nachdem die Wolle runter ist, kann man es deutlich sehen: Die meisten der Tiere sind tragend. “In drei bis vier Wochen werden sie Lämmer haben”, sagt Lübke. Ihren gemeinsamen Vater lernen die Lämmchen nicht kennen, erzählt Schäfer Matthias Breutler. “Einen Bock borgen wir uns immer von einer Schäferei in Schwedt aus.” Im November habe “Fiete” seine Pflicht erfüllt – zu Ostern wird es deshalb im Landschaftspark vielfachen Nachwuchs geben.

Niemand muss frieren
Die kurzgeschorenen werdenden Mütter müssen übrigens nicht frieren, wenn es, wie vorhergesagt, an diesem Wochenende wieder kühler wird: Sie haben einen Stall, in dem sie sich aufhalten können. Wenn es ganz kalt wird wie im vergangenen Jahr, als es noch einmal einen Wintereinbruch im März gab, werden die Eingänge mit Folien verhängt. “Dicht aneinander gekuschelt, halten sich die Tiere dann warm”, sagt Projektmanager Lübke. Die Wolle, die sie am Donnerstag unter der Schermaschine gelassen haben, wird übrigens nicht nur versponnen: “Nur ein Zehntel geben wir für Handarbeits- und Bastelzwecke ab”, so Lübke. Aus dem Rest werde von einer Firma hoch wirksamer organischer Dünger hergestellt, “100 Prozent Bio”.

 

 

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