Tier-Kindergarten sorgt für ein Feuerwerk der Endorphine im Tierpark

Schau mir in die Augen, Thaba…

07.06.2017, Pia Szecki

Fotos: © 2017 Tierpark Berlin

Friedrichsfelde. Wie niedlich! Konrad Lorenz – der wegen seiner Nähe zum NS-Regime nicht unumstrittene – österreichischer Zoologe, Verhaltensforscher und Nobelpreisträger (1903-1989) hat den Menschen mit seinem postulierten „Kindchenschema“ bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert den Zusammenhang von Proportionen, Schlüsselreizen und Emotionen erklärt. Auch das evolutionsbiologische Ziel der kindlichen Niedlichkeit ist bekannt. Dennoch sind Mitarbeiter und Besucher jedes Jahr auf´s Neue dem Hormoncocktail beim Anblick des putzigen Nachwuchses im Tierpark hilflos ausgeliefert.

Stacherliger Nachwuchs zieht alle Blicke auf sich
Wer hätte gedacht, dass Stacheln so zuckersüß sein können? Der Nachwuchs von Baumstachler-Paar Anni und Oskar ist der hinreißende Beweis. Zusammen mit dem am 22. Mai geborenen Waldbison-Jungen sorgt er schon kurz hinter dem Eingang Bärenschaufenster für Verzückung. Der kleine Baumstachler kam am 27. April zur Welt und erwärmt seitdem die Herzen seiner stolzen Eltern und der Besucher gleichermaßen. Das erste Jungtier von Baumstachler-Mama Anni ist die bisher erste Aufzucht eines Nordamerikanischen Baumstachlers in der Geschichte des Tierparks Berlin. Wer den Baumstachler-Nachwuchs bereits aus der Ferne in Augenschein nehmen möchte, kann dies im Video und Foto im Internet tun. Auch in unmittelbarer Nachbarschaft, unweit des Terrassencafés Kakadu, wartet schon ein naher Verwandter der Baumstachler mit seinem Nachwuchs: Familie Weißschwanz-Stachelschwein hat am 20. Mai bezaubernden Zuwachs bekommen, der schon fleißig das Aufstellen seiner Mini-Stacheln probt.

Augen und Ohren auf außerhalb des Stalls
Nicht ganz im Einklang mit den rundlichen Kinderproportionen, dafür nicht minder süß, ist das zarte Giraffengazellen-Mädchen Thaba, das am 21. April zur Welt kam und seit dieser Woche mit riesigen Kulleraugen und spitzen, abstehenden Ohren die Welt außerhalb des Stalls erkundet. Männchen Jess ist der Vater von Mutter Priscillas erstem Nachwuchs. Giraffengazellen haben unter den savannenbewohnenden Antilopen-Arten eine einmalige ökologische Nische besetzt: Der lange Hals und das Aufstellen auf die Hinterbeine ermöglicht es ihnen, Laub von höherliegenden Ästen zu zupfen, an das andere Antilopenarten nicht herankommen können. „In den Zoologischen Gärten von Berlin leben insgesamt zwei Paare dieser seltenen Antilopenart“, berichtet Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem stolz. „Damit sind Zoo und Tierpark Berlin nicht nur deutschlandweit, sondern sogar in ganz Europa die einzigen Zoos, die diese besonderen Tiere halten.“ Die Südliche Giraffengazelle wird von der IUCN als potenziell gefährdet eingestuft, denn außerhalb der Nationalparks und Schutzreservaten in Kenia, Tansania und Somalia nehmen die Bestände ab. Die Ursachen sind die übermäßige Jagd für den Fleischverzehr, die Ausbreitung der Landwirtschaft sowie die Übertragung von Krankheiten durch Hausrinder.

Auch Wapitis, Schafe, Kängurus und Nacktmulle haben Jungtiere
Gleich zweifachen Nachwuchs gibt es auch bei den kalifornischen Zwergwapitis, die Ende des 19. Jahrhunderts in ihrem natürlichen Lebensraum durch europäische Siedler beinahe ausgerottet wurden. Nur noch fünf Tiere waren damals am Leben. Die beiden weiblichen Kitze kamen am 23. und 26. Mai im Tierpark zur Welt und lassen Kindheitserinnerungen an Bambi aufleben. Dank erfolgreicher Zuchtprogramme und Schutzmaßnahmen konnten die kleinsten aller Wapitis vor dem Aussterben gerettet werden. Mittlerweile leben wieder mehrere tausend Zwergwapitis in Schutzgebieten entlang der kalifornischen Pazifikküste.

Auch die Transkaspischen Kreishornschafe haben im Mai Zuwachs bekommen. Der fröhliche, siebenköpfige Lämmer-Kindergarten gehört zur deutschlandweit einzigen Gruppe dieser gefährdeten Wildschafe aus Zentralasien. Auch die stark bedrohten Chaco-Pekaris haben am 10. Mai Drillinge bekommen. Im Mai geborene Jungtiere sind auch bei den gefährdeten Arabischen Oryx (geb. am 8. Mai) und den Palawan-Bengalkatzen (geb. am 19. Mai) zu sehen. Seit Mai gucken auch noch zwei Östliche Bergkängurus und ein Graues Riesenkänguru aus den Beuteln ihrer Mütter. Rekordhalter sind allerdings eindeutig die Nacktmulle: Bei der Geburt am 6. Mai erblickten ganze 19 Baby-Nacktmulle das Licht der Welt.

Der niedliche Tierpark-Nachwuchs hat bisher noch keine Paten. Wer Interesse hat, kann sich darüber online oder auf Nachfrage per E-Mail informieren.

 

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