Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land will Serien-Haus bauen

Prototyp an Schkeuditzer Straße

17.03.2017, Linna Schererz

Fotos: Mars Architekten (1,2), DAHM Architekten und Ingenieure GmbH (3), Birgitt Eltzel (4,5)

Marzahn-Hellersdorf. Man könnte es Platte 2.0 nennen: Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land Wohnbautengesellschaft hat ein Typenhaus entwickelt. Damit sollen Geld und Zeit beim Wohnungsbau gespart und eine der drängendsten aktuellen Aufgaben gelöst werden: wieder rasch Wohnungen für breite Bevölkerungsschichten zur Verfügung zu stellen. Denn die steigenden Einwohnerzahlen in Berlin haben auch in Marzahn-Hellersdorf dafür gesorgt, dass der Wohnraum knapp geworden ist. Leerstandszahlen wie kurz nach der Jahrtausendwende, als im Bezirk rund 11.500 Wohnungen nicht vermietet waren, kennt man hier längst nicht mehr. Zwischen 1 und 2 Prozent liegt der Leerstand bei den verschiedenen Wohnungsunternehmen in den Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf. Dieser ist vor allem umzugsbedingt.

Bis 2030 Bevölkerungszuwachs von 9,1 Prozent

Ein Flächenpotenzial für rund 8.700 neue Wohnungen hat das Bezirksamt ermittelt. Allein in den nächsten drei Jahren sollen Projekte mit insgesamt 2.400 Wohnungen realisiert werden, hatte Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke), die auch für den Bereich Stadtentwicklung verantwortlich ist, im Januar dieses Jahres bei der Grundsteinlegung für die Erweiterung der Joachim-Ringelnatz-Siedlung in Biesdorf-Nord gesagt. Doch nach aktuellen Prognosen ist davon auszugehen, dass Marzahn-Hellersdorf bis 2030 einen Bevölkerungszuwachs von 9,1 Prozent erlebt. Die Einwohnerzahl von derzeit rund 262.000 Menschen steigt damit auf 279.000 Menschen. Die Hälfte des Zuwachses wird bereits bis 2020 prognostiziert. Dafür dürfte das bisher vorgelegte Tempo beim Wohnungsneubau kaum ausreichen.

Baukastensystem mit unterschiedlichen Segmenten

Deshalb hat die Stadt und Land gemeinsam mit dem Büro Mars-Architekten das Typenhaus entwickelt, dessen Konzept einem Baukastensystem aus unterschiedlichen Segmenten gleicht. Errichtet wird das Gebäude in Stahlskelettbauweise mit variablem Außenwandaufbau, variablen Erdgeschosszonen und variablen Dachformen für eine bis zu siebengeschossige Bauweise. Mit einer Ost/West und einer Süd/Nord orientierten Variante sowie Eckmodulen könne sich das Typenhaus nahezu jeder Bauweise anpassen, heißt es in einer Mitteilung der Wohnungsbaugesellschaft. Das Konzept könne in vorgefertigter, serieller Bauweise umgesetzt werden, sei aber nicht zwingend darauf angewiesen – auch bei konventioneller Bauweise könne auf diese Planungen zurückgegriffen werden. „Ziel war es, ein Konzept für einen standardisierten Geschosswohnungsbau zu entwickeln, der nicht nur flächeneffizient und kostengünstig ist, sondern darüber hinaus einen hohen Wohnkomfort bietet und in der Lage ist, einen Beitrag zur Baukultur zu leisten“, heißt es in der Ankündigung.

Erst einmal Erfahrungen sammeln

Noch in diesem Jahr soll an der Schkeuditzer Straße 28 – 40 der Startschuss für den Prototypen gegeben werden. Mit den dann dort gewonnenen Erkenntnissen kann der Typenbau wiederholt zum Einsatz kommen. Erfüllen sich die Erwartungen, will die Stadt und Land die Entwurfsunterlagen auch anderen Bauherren kostenfrei zur Verfügung stellen, damit sich das Typenhaus am Markt etabliert.

Vor 40 Jahren wurde erste Platte montiert

Das passt zu einem Jubiläum, das in diesem Jahr begangen wird. Denn am 8. Juli 1977 gab der Brigadier Peter Zeise das Signal zum Hochziehen und Montieren der ersten Platte in der Großsiedlung Marzahn, das Richtfest an der Marchwitzastraße 41-45 wurde am 2. September desselben Jahres gefeiert. Schon im Dezember 1977 wurden in den zehngeschossigen Block die ersten Wohnungen bezogen. Bis 1992, wo die letzten Plattenbaugebäude fertig waren, wurden rund 103.000 Wohnungen in den Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf errichtet.

Nicht so schnell wie Plattenbau, aber schneller als konventionell

Zu erwarten ist von dem Typenbau der Stadt und Land zwar nicht ein solch hohes Tempo wie es mit der industriellen Bauweise erreicht wurde, aber durchaus ein weitaus höheres als bei den bisherigen Neubauprojekten im Bezirk. Zum Vergleich: Die sieben neuen Häuser in der Joachim-Ringelnatz-Siedlung mit 299 Wohnungen brauchen fast zwei Jahre bis zu ihrer Fertigstellung. Der Typenbau mit seinen verschiedenen Segmenten wird sich natürlich weitaus abwechslungsreicher darstellen als die Plattenbauten aus DDR-Zeiten – bekanntlich waren der Gestaltung dieser Gebäude durch Materialmangel seinerzeit Grenzen gesetzt.

Weitere Informationen:
https://www.stadtundland.de/Bauen/Typenhaus.php

 

 

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