Projekte von Kids & Co können dank einer Spende ausgebaut werden

Praxislernen und Bürgergarten

05.03.2018, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey

Marzahn-Hellersdorf. Es ist die höchste Spende in der bislang 25-jährigen Vereinsgeschichte: Kids & Co erhielt kürzlich von der C & A Foundation einen Scheck über 100.000 Euro. „Wahnsinn“, sagt Vereinschefin Steffi Märker. „Wir freuen uns riesig und können das Geld wirklich gut gebrauchen.“ Der größte Teil der Summe fließt in das Projekt „Praxislernen“, das 2012 initiiert wurde. Ein Förderlehrer verstärkt künftig das Team. „Er soll dafür sorgen, dass zehn Prozent mehr Mädchen und Jungen einen Schulabschluss schaffen“, erklärt Steffi Märker.

Individuelle Betreuung

Man muss sich das so vorstellen: Beim „Praxislernen“ kommen in kleinen Teams Jugendliche zusammen, die große Lernschwierigkeiten haben. Aktuell sind das jährlich rund 150 Marzahn-Hellersdorfer. Im „Haus Sonneneck“ stehen sieben Werkstätten zur Verfügung: In Berufe aus den Bereichen Fahrzeugtechnik, Holz, Metallbau sowie Farben, Gastronomie oder Büro kann dort hineingeschnuppert werden. „Schüler der Klassenstufen 9 und 10 werden ganz individuell betreut – pro Ausbilder sind es acht Jugendliche“, erklärt die Vereinsvorsitzende. Neben den Praxistagen und Praktika in Betrieben wird ebenso der „normale Schulstoff“ behandelt. Bislang schaffen rund 50 bis 70 Prozent der Lernenden einen Abschluss. Der neue Förderlehrer soll sich nun darum kümmern, dass es künftig noch mehr werden: sie individuell betreuen und mit ihnen vor allem Mathe, Deutsch sowie Englisch üben.

Bessere Schulnoten

Zu den Jugendlichen, die derzeit an dem Projekt teilnehmen, gehören Loreen und Paul. Beide haben sich nach einem Probetag im „Haus Sonneneck“ für die Malerwerkstatt entschieden. „Weil es dort Spaß macht und ich meine eigenen Ideen umsetzen kann“, sagt die 14-jährige Loreen. Auch Paul mag es beispielsweise, mit der gerade erlernten Spachteltechnik Wände zu gestalten. „Ich habe auch schon bessere Schulnoten“, berichtet der 14-Jährige. „Wir werden hier ernst genommen und nicht als dumm abgestempelt“, findet Loreen.

Repaircafé soll im August öffnen

Von der Riesenspende profitiert ebenso der Bürgergarten „Helle Oase“. Auf dem 4.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Tangermünder Straße soll bis zum Sommer ein Repaircafé entstehen. „Das haben sich die ehrenamtlich Aktiven schon lange gewünscht“, sagt Steffi Märker. Demnächst werden dafür zwei Container gekauft, zusammen mit Freiwilligen gestaltet und eingerichtet. Am 1. August soll das Projekt starten. Als neue Anlaufstelle für Familien und Selbsthilfestützpunkt können in dem Café unter anderem Haushaltsgeräte oder verschiedene Gegenstände repariert werden. Vormittags will Kids & Co dort für Schulen und Kitas Projekttage anbieten. Und das Tolle: Auch eine Fachkraft zur Betreuung des Projekts wird aus der Spende finanziert. Über neue Spiel- und Sportgeräte können sich zudem die Besucher der „Senfte 10“ – einer sportorientierten Jugendfreizeiteinrichtung – freuen.

Anerkennung für den Verein

Die großzügige Spende sieht Steffi Märker auch als Anerkennung für die zielstrebige und vor allem erfolgreiche Arbeit des Vereins. Sie selbst war Gründungsmitglied und erinnert sich noch genau „an die Ignoranz einiger Senatsmitarbeiter Anfang der 1990er-Jahre“. „Hellersdorf hat damals nicht wirklich die Politiker interessiert“, blickt die studierte Journalistin zurück. Also nahmen eine Handvoll ambitionierte Bewohner und Unternehmer die Sache selbst in die Hand. Mit einem Spielmobil und ein paar ABM-Mitarbeitern machten sie auf Schulhöfen halt und boten erste Freizeitbeschäftigungen an. „Einige Schüler, die uns besuchten, nutzen inzwischen mit ihren eigenen Kindern verschiedene Angebote des Vereins.“

Wunsch: Mehr Finanzierungsgerechtigkeit

Mittlerweile zählt Kids & Co 82 Mitarbeiter. Märker stellte kürzlich ein Zukunftsteam zusammen, weil sie mit 58 Jahren ganz langsam ans Aufhören denkt. „Ich hoffe, dass unsere gute Arbeit dann auch in vier Jahren weiter fortgeführt wird“, betont die Hellersdorferin. Das junge Team will die erfahrene Vorsitzende nun nach und nach an die umfangreiche Leitungstätigkeit heranführen. Und sie hat einen Wunsch, der sich auf die Förderung von Freien Trägern der Jugendarbeit bezieht: „Ich gehe davon aus, dass Senat und Bezirk künftig mehr Finanzierungsgerechtigkeit hinbekommen.“

 

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