Lichtenberger Kleingärten sollen langfristig gesichert werden

Perspektiven für die Laubenpieper

21.06.2016, Marcel Gäding

Foto: Marcel Gäding

Lichtenberg. Alle Kleingärten im Bezirk sollen auch langfristig erhalten bleiben. Stadtrat Wilfried Nünthel (CDU) will die 44 Kolonien deshalb durch Bebauungspläne rechtlich absichern. In diesem Sommer besucht er alle Anlagen und spricht mit den Laubenpiepern.

Schutz durch Bebauungspläne
Der Weg ins Vereinshaus führt über kleine, mit Rasen bewachsene Wege: Links und rechts blüht und grünt es. Vermutlich würden an der Stelle der 331 Kleingärten längst Einfamilienhäuser stehen, wäre der idyllische Flecken in der Berliner Innenstadt zu finden. Doch die Kleingartenanlage Falkenhöhe Nord befindet sich am nordöstlichen Rand von Lichtenberg, genauer gesagt im Ortsteil Wartenberg. Pläne, die Lauben abzureißen, gibt es keine. Und das soll auch in Zukunft so bleiben – in Falkenhöhe Nord ebenso wie in den übrigen 43 Kleingartenanlagen im Bezirk. „Unser Ziel ist es, die Kleingartenanlagen über Bebauungspläne rechtlich abzusichern“, sagt Lichtenbergs Stadtentwicklungsstadtrat.

6.000 Parzellen im Bezirk
Der Stadtrat ist beim Ortstermin in Falkenhöhe Nord dem Wetter entsprechend locker gekleidet. Gut eine Stunde nimmt sich Nünthel an diesem Montag Zeit, um mit dem Vorstand des Kleingartenvereins am Birkholzer Weg ins Gespräch zu kommen. Bei Kaffee und Keksen geht es um ein Thema, das in anderen Bezirken weniger unaufgeregt diskutiert wird: um die Zukunft der Kleingärten. Und da hat Nünthel ganz konkrete Vorstellungen. Bis zum Jahr 2020 will er über das Planungsrecht die Existenz der fast 6.000 Parzellen im Bezirk festschreiben. „Der Bebauungsplan ist das schärfste Instrument, das wir haben“, sagt er den Männern und Frauen. Und fügt hinzu: „Nur zu sagen, dass man die Bebauung der Kleingärten verhindern will, ist kein geltendes Recht.“

Mit eigenen Händen aufgebaut
Obwohl es zwar derzeit keinen Grund zur Sorge gibt, sieht Nünthel Handlungsbedarf – vor allem bei den innerstädtischen Kleingartenanlagen. Diese in teures Bauland umzuwandeln, wäre für Immobilienverkäufer und Projektentwickler ein lukratives Geschäft – und für so manche an die 100 Jahre alte Kleingartenanlage das sichere Ende. Dass sich nun ein Kommunalpolitiker quasi für sie stark macht, ist Wasser auf die Mühlen von Roland Knebel, dem Chef des Kleingartenvereins Falkenhöhe Nord. Es wäre ein Jammer, wenn irgendwann die Parzellen Einfamilienhäusern weichen würden. „Das alles haben wir mit eigenen Händen aufgebaut“, sagt Knebel und erinnert sich, wie seine Gartennachbarn und er vor 27 Jahren mit Hacke und Spaten im Trabi raus nach Wartenberg fuhren, um ein früheres LPG-Feld urbar zu machen. Unter anderem wurden Leitungen installiert, Drainagen angelegt und Wege befestigt. Stolz zeigt er auf eine Urkunde an der Wand im Vereinshaus: 2004 wurde das mehr als 40 Hektar große Areal zur schönsten Kleingartenanlage Berlins gekürt. Auf Bundesebene holten sich Knebel und seine Gartenfreunde bereits eine Bronzemedaille.

Große Nachfrage nach Parzellen
Bei einem Spaziergang durch die Falterzeile, entlang des Eidechsenwegs und über die Amselgasse offenbart sich die ganze Schönheit der Anlage: Hinter den akkurat geschnittenen Hecken blühen Blumen, stehen kleine Obstbäume und wachsen Tomaten. Viele haben es sich für das Wochenende und die Ferien hübsch gemacht, einige haben einen Teich oder einen Swimmingpool. Da sich ein Teil der Parzellen auf öffentlichem Land befindet, ist Falkenhöhe Nord als Grünanlage auch öffentlich zugänglich. Vor allem an Wochenenden durchqueren Radfahrer und Spaziergänger die Idylle, die von den Pächtern in ihrer Freizeit in Schuss gehalten wird. „Wir sind eine offene Anlage“, sagt Roland Knebel. Während in entlegenen Landkreisen Brandenburgs Anlagen mangels Nutzern dem Erdboden gleichgemacht werden, kann man sich in Falkenhöhe Nord nicht über Nachfrage beklagen. Derzeit stehen vier Parzellen leer, erzählt die Schatzmeisterin des Vereins – aktuell gibt es dafür 16 Bewerber, darunter auch aus dem Westteil der Stadt. Im Schnitt um die 5.000 bis 10.000 Euro muss man für Laube und Anpflanzungen bezahlen. Wer Mitglied im Kleingartenverein wird, verpflichtet sich zudem, Obst und Gemüse anzubauen und an Arbeitseinsätzen teilzunehmen.

„Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt“
Stadtentwicklungsstadtrat Wilfried Nünthel sieht genau hier die Existenzberechtigung für die Kleingärten im Bezirk. „Sie leisten in meinen Augen einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagt er. Es lohne sich in jedem Fall, sich für die Sicherung der Kleingärten stark zu machen. Um sich ein möglichst rundes Bild zu machen, will Nünthel im Laufe des Sommers alle Kleingartenanlagen Lichtenbergs besuchen: „Damit ich weiß, wofür ich mich einsetze.“

Weitere Informationen zu Berlins Kleingärten:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/kleingaerten/

 

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