Landkreis und Bezirk wollen E-Mobilität voranbringen

Pendler sollen auf E-Autos umsteigen

11.09.2017, Marcel Gäding

Am Rathaus Lichtenberg gibt es eine Ladesäule für Elektroautos. Foto: Volkmar Eltzel

Marzahn-Hellersdorf/ Strausberg. Mehr als 40.000 Menschen fahren täglich aus dem Landkreis Märkisch-Oderland nach Berlin zur Arbeit. Geht es nach dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf und den Umlandgemeinden, sollen die Anreize für Pendler erhöht werden, auf Elektroautos, E-Bikes sowie Busse und Bahnen auszuweichen. Bis es aber so weit ist, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. „Letztlich wird das ein sehr langer Weg sein“, räumt der für Wirtschaftsfragen im Landkreis Märkisch-Oderland zuständige Beigeordnete Rainer Schinkel ein. Mit Berlin, insbesondere dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf, ist man sich jedoch einig: Vor allem für Elektroautos und E-Bikes muss die entsprechende Infrastruktur in Form von Ladestationen und Stellflächen ausgebaut werden.

Derzeit greifen die meisten Pendler zwischen Berlin und Brandenburg auf ihr Auto zurück – in der Regel sind dies Fahrzeuge mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren. Das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung, bereits 2018 rund eine Millionen Elektroautos auf bundesdeutschen Straßen unterwegs zu wissen, kann jetzt schon als gescheitert angesehen werden. „Unter den 166.000 im Landkreis Märkisch-Oderland zugelassenen Fahrzeugen sind 74 reine Elektroautos“, sagt Rainer Schinkel. Johannes Martin (CDU), Bezirksstadtrat für Wirtschaft in Marzahn-Hellersdorf, kann aus Berlin auch keine besseren Zahlen liefern. Gerade einmal 1.500 von 1,1 Millionen in Berlin zugelassene Autos speisen ihre Energie aus Strom. Der Rest fährt mit klassischen Benzin- und Dieselmotoren. Das Problem: Einerseits sind die von den Herstellern entwickelten Elektrofahrzeuge für Endverbraucher noch viel zu teuer. Andererseits fehlt es überall in der Metropolenregion Ost (und nicht nur da) an Ladestationen. In Marzahn-Hellersdorf gibt es gerade einmal neun Orte, an denen Besitzer ihre Elektroautos auftanken können. „Darunter ist aber keine Schnellladestation“, sagt Johannes Martin.

Elf Ladestationen zwischen Hönow und Polen

Gerade vor dem Hintergrund der fehlenden Infrastruktur für E-Mobilität wollen sowohl der Landkreis als auch der Bezirk Marzahn-Hellersdorf ihre Kräfte bündeln und handeln. Erster Schritt: In den kommenden zwei Jahren entstehen zwischen Hönow und der deutsch-polnischen Grenze entlang der Radwege elf neue Ladestationen für Elektro-Fahrräder. Auch sollen die Gespräche mit dem Verkehrsverbund Berlin Brandenburg verstärkt werden. An den Bahnstationen von Regional- und S-Bahn könnten auf den Parkplätzen Ladesäulen installiert werden. Die Idee: Wer nach Berlin zur Arbeit muss, benutzt ein E-Auto oder ein E-Bike bis zum nächsten Bahnhof und steigt dort in öffentliche Verkehrsmittel um. E-Bikes könnten diebstahlsicher in Spezialboxen abgestellt werden. In jedem Fall wolle man verwaltungsübergreifend agieren, sagt Bezirksstadtrat Johannes Martin. Soll heißen: Über die Landesgrenzen hinweg soll es gemeinsame Konzepte geben. So gut wie einig sind sich die Umlandgemeinden und Marzahn-Hellersdorf auch in der Frage, die Tarifzonen in Berlin und Brandenburg zu verändern. Martin bringt unter anderem ins Gespräch, alle Bahnhöfe der S-Bahnlinie 5, die sich derzeit im Bereich C befinden, im Bereich B einzuordnen. Damit wäre nicht nur die Fahrkarte billiger. Auch der Anreiz, in die Innenstadt mit der Bahn zu fahren, steigt. Und: Seit dem Sommer gibt es in Berlin für Nutzer von Elektroautos, die an einer der öffentlichen Ladesäulen Strom tanken, ein einheitliches Abrechnungssystem. Der Strom stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien.

Zahl der Pendler steigt

Aktuell aber fehlt es an konkreten Zielmarken, sodass man zunächst eher von einer Vision sprechen kann. Einen Anfang haben die Kommunen, Unternehmen und Anbieter von Ladestationen jedoch schon gemacht: Vorige Woche trafen sie sich auf Einladung des Regionalmanagements Metropolenregion Ost in Neuhardenberg, um sich einen Überblick über den Markt zu verschaffen. Einig sind sich alle darin, dass etwas passieren muss – denn die Zahl der Pendler steigt. Wolfgang Rump, der Leiter Regionale Planungsstelle der Regionalen Planungsgemeinschaft Oderland-Spree, legt dazu aktuelle Daten vor. So habe allein die Zahl der Pendler, die täglich die Ostbahn zwischen Küstrin und Berlin benutzen, in den vergangenen fünf Jahren um zehn Prozent zugenommen. Gleichzeitig gibt es mit E-Bikes einen wachsenden Markt. Deutschlandweit nutzen derzeit drei Millionen Menschen ein mit Strom betriebenes Fahrrad. Jährlich kommen rund 15 Prozent neue Nutzer hinzu. Schlechter sieht das bei den Autos aus. Das Problem ist unter anderem die Reichweite. Nur selten schaffen es Fabrikate auf akzeptable Werte – wie der Tesla Model S. Mit voller Ladung legt er 450 Kilometer zurück. Neuwert des Fahrzeugs: 70.000 Euro. „Daher muss, um das Thema Elektromobilität in unserer Region voranzubringen, auch das Gesamtpaket stimmen“, sagt Rainer Schinkel.

Mehr zum Thema Elektromobilität und Energieeffizienz finden Sie auf der

Webseite des Regionalmanagements Metropolenregion Ost

Der ADAC hat die Kosten aktueller E-Autos in einer übersichtlichen Tabelle zusammengefasst:

E-Auto-Vergleich ADAC

 

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