Kids aus Marzahn-Hellerdorf bei „Carmina Burana“ auf der Bühne

Orffs Meisterwerk auf der IGA

12.09.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Lena (11) und Seline (10) müssen in diesen Tagen ihre Hausaufgaben nicht sofort erledigen. Das haben die Schülerinnen einer 6. Klasse der Grundschule am Hollerbusch sogar schriftlich. Denn gemeinsam mit 80 anderen Jungen und Mädchen im Alter zwischen 10 bis 16 Jahren, rund 50 davon aus Marzahn-Hellersdorf, proben sie seit Montag, 4. September, in der Arena auf dem Gelände der Internationalen Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017. Am Sonnabend, 16. September, und Sonntag, 17. September, bringt dort Regisseur Christoph Hagel Carl Orffs Meisterwerk Carmina Burana auf die Bühne – Lena und Seline sind dabei. Sie treten gemeinsam mit anderen Mädchen auf, die die Tanzkurse von Elisabeth Molnar im Stadtteilzentrum Mosaik im Kummerower Ring besuchen, und mit jungen Tänzerinnen aus der im Theater am Park (TaP) beheimateten Ballettschule Szilvia Wolf.

Mittelalter und Breakdance

Christoph Hagel hat für „Carmina Burana in the garden“ eine ganz neue Version der berühmten szenischen Kantate, die auf Texten aus dem Mittelalter beruht, geschaffen: Jugendliche bringen ihre eigene Kultur mit Breakdance, HipHop, Jazzdance ein, ergänzt durch Disziplinen wie Artistik, Graffiti und Videos. Unterstützt werden sie durch professionelle Tänzer, ein Symphonieorchester und einen Chor. In den Klangkörpern wirken auch Schüler der Hans Werner Henze Musikschule aus Marzahn mit. Der Berliner Regisseur und Dirigent, der große Opernproduktionen verwirklichte, aber auch ein neues Zusammenspiel von Hochkultur und Jugendszene entwickelte und mit Produktionen wie Flying Bach (Echo Sonderpreis 2010), Breakin Mozart und Beethoven! The Next Level regelmäßig Konzerthallen füllt, freut sich über das Interesse der Jugendlichen aus dem Bezirk: „Die sind alle ganz großartig und motiviert. Sie wollen eine tolle Show bieten.“ Dabei wird übrigens auch ein Kiss in gezeigt – schließlich geht es in den Mittelaltergesängen auch um die Liebe. Aus einem guten Dutzend nach einem Aufruf eingesandten Videos wurden die besten ausgewählt, mit weiteren ergänzt und zu einem Film zusammengeschnitten: „Welche Küsse zu sehen sind, das wird man aber erst zur Premiere am 16. September erfahren“, sagt Christoph Hagel.

„Jetzt kommt die harte Phase“

Bis dahin sind es nur noch wenige Tage. „Jetzt kommt die harte Phase“, sagt der Regisseur. Die Proben, die bereits vor den Sommerferien begannen, werden immer länger. Auch die Jüngeren wie Lena und Seline stehen dann bis 21 oder 22 Uhr auf der Bühne. Das ist anstrengend. Wie gut, dass es da keine Hausaufgaben gibt… „Das stimmt so leider nicht ganz“, erzählt Lena. „Unser Klassenlehrer hat mir ins Hausaufgabenheft geschrieben, dass ich die nachholen muss.“

Viele weitere Höhepunkte im Herbst

„Carmina Burana in the garden“ ist einer der Höhepunkte, die die IGA noch bis zu ihrem Abschluss am 15. Oktober bietet. Am Sonntag, 23. September, findet zum 17. Mal das traditionelle Mondfest statt (Bühne am Koreanischen Garten) – mit Laternenumzug und Feuerwerk über dem See im Chinesischen Garten. Und am Sonnabend, 30. September, gastiert die Soul Varieté Show des Berliner Wintergartens „All Night long“ in der Arena (Platzkarte für 5 Euro erforderlich).

1,3 Millionen Besucher bis Anfang September

Zu hoffen ist, dass der Schlussspurt bis zum 15. Oktober noch weiteren Besucherzuwachs bringt. Denn vor allem das kalte und regnerische Wetter hatte den IGA-Organisatoren seit dem Start am 13. April zu schaffen gemacht. Mit den Sommerferien (und auch dem dort geltenden 10-Euro-Montagsticket für einen Erwachsenen und ein Kind) ist die Zahl der Gäste gestiegen. Anfang September wurden rund 1,3 Millionen Gäste gezählt. Etwa zwei Millionen Menschen müssten es jedoch sein, um die Kosten zu decken. IGA-Geschäftsführerin Katharina Lohmann: „Der hoffentlich goldene Herbst wird noch viele Gäste aus nah und fern auf die IGA locken. Denn bis zum Finale am 15. Oktober können sich die Besucher noch an den wunderbaren Dahlien und Gräsern satt sehen oder eine der tollen Veranstaltungen besuchen.“

Kienbergpark bleibt öffentlich

Nach dem Ende der IGA bleibt der Kienbergpark ein öffentliches, frei zugängliches Parkgelände, während die „Gärten der Welt“ in ihrer früheren Größe (inklusive des vorher zwar auch eingezäunten, aber brachliegenden Erweiterungsgeländes) eintrittspflichtig sind. „Die meisten baulichen oder landschaftsarchitektonischen Neuerungen bleiben bestehen“, heißt es auf Anfrage von LiMa+. Dazu gehört auch das Café im Aussichtspunkt Wolkenhain. Bis spätestens zum 31. März 2018 wird das Areal für den Kienbergpark wieder öffentlich zugänglich sein. Bis dahin erfolge der Rückbau temporärer Infrastruktur wie beispielsweise die Holzaufbauten für die Ausstellung „Horizonte“, von temporären Kiosken und Toilettenanlagen. Die Seilbahn bleibt nach IGA-Schluss für drei Jahre erhalten mit der Option der Verlängerung auf weitere 20 Jahre. Die Seilbahnstationen stehen dann außerhalb der eintrittspflichtigen Bereiche sodass eine Nutzung künftig auch unabhängig vom Besuch der „Gärten der Welt“ erfolgen kann. „Für die Nutzung werden derzeit unterschiedliche Ticketlösungen geprüft.“ Eine Einbindung in das Preisgefüge der „Gärten der Welt“ (Kombiticket) sei beabsichtigt.

Detaillierte Informationen im Oktober

Informationen zum Zeitpunkt der Wiedereröffnung der „Gärten der Welt“, dem Abbau des Zauns und dem zukünftigen Eintritt will die Betreibergesellschaft Grün Berlin gmbH im Oktober bekanntgeben.

Ab sofort ist die IGA-Dauerkarte für 35 Euro (vorher 90 Euro) erhältlich. Weitere Informationen zu Tickets und Ermäßigungen sowie zum Programm hier…

 

 

 

 

 

 

 

 

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