Unfallgefahr an der Baustelle Rhinstraße,Ecke Seddiner Straße

Oft sind die Ampeln alle aus!

06.04.2018, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1-10), Entwürfe (11-12) Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Friedrichsfelde. Zeitweise Chaos herrscht an der Baustellenkreuzung Rhinstraße/Seddiner Straße am S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost. Seit 12. März wird dort an der baufälligen, nicht mehr zeitgemäßen Rhinstraßenbrücke gearbeitet. Bauarbeiter bekommt man kaum zu Gesicht. Dafür sind – wie am 4. und bis in den Nachmittag auch am 5. April – des Öfteren alle regulären Ampeln und auch die reichlich vorhandenen provisorischen Baustellen-Lichtsignalanlagen außer Betrieb. Wer wann zuerst fahren und gehen darf und wer Vorfahrt gewähren muss, scheint dann – trotz Straßenverkehrsordnung – eine gefährliche Preisfrage.

Fußgänger haben es besonders schwer

Die Kreuzung ist ein wichtiger Verkehrsknoten. Viele Menschen wechseln hier zwischen den S-Bahnlinien S 5, S 75, und S7, den Straßenbahnlinien 21, 27, 37, 67 und M17 sowie den Buslinien 192 und 194 hin und her. Zu dem Nord-Süd-Autoverkehr gesellen sich Fahrzeuge aus beiden Richtungen der Seddiner Straße. Besonders schwer haben es Fußgänger, wenn sie die Rhinstraße queren müssen. Die Tram-Haltestellen wurden zunächst provisorisch auf die Südseite der Kreuzung verlegt. Nur wenn der Verkehrsfluss ohnehin stockt, haben Passanten eine Chance, sich durch die Autokolonnen zu kämpfen. Hinzu kommen verwirrende Sperrschilder für Fußgänger an der nördlichen Kreuzungsseite (an die sich niemand hält). Auch der bisherige Aufzug an der westlichen Seite ist gesperrt.

Vorsicht vor der Straßenbahn!

Für Autofahrer, besonders die Linksabbieger, ist die Situation nicht minder unübersichtlich. Auf der 43 Meter langen Brücke ist der gegenläufige Verkehr auf die zwei östlichen Fahrspuren eingeengt. Besondere Vorsicht ist für Autos und LKW geboten, die von nördlicher Richtung (Landsberger Allee und Allee der Kosmonauten) kommen. Auf der Kreuzung werden sie über die Straßenbahngleise wieder auf die westlichen Fahrbahnen verschwenkt. Sobald allerdings von hinten oder von vorne eine Straßenbahn kommt (sie fährt zwar eingleisig, aber im Wechsel in beide Richtungen), hat diese Vorfahrt! Eine Anfrage von LiMa+ bei der zuständigen Verkehrslenkung Berlin (VLB), warum die Lichtsignalanlage oft außer Betrieb ist, blieb bisher unbeantwortet.

Baubeginn verspätet – Kosten gestiegen

Voraussichtlich noch bis 2020 wird die Rhinstraßenbrücke zuerst abgetragen und dann neu gebaut, zuerst die westliche, dann die östliche Brückenhälfte. Um trotz der Tram-Eingleisigkeit möglichst viele Fahrgäste zu befördern, fahren nach BVG-Informationen, außer am Abend und an den Wochenenden, auf der Linie M17 gekoppelte Tatra-Straßenbahnen mit einer Platzkapazität von rund 200 Fahrgästen. Diese sind allerdings nicht barrierefrei.

Eigentlich sollte schon Ende 2019 alles fertig sein (LiMa+ berichtete). Doch der Baubeginn verzögerte sich infolge umfangreicher Abstimmungen mit der Deutschen Bahn AG, wie es aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt heißt. Dafür stiegen die geschätzten Gesamtkosten von 12,5 Millionen (2009) auf über 18 Millionen Euro.

Kurze Umsteigewege und mehr Sicherheit nach der Fertigstellung

Der neue Brückenkomplex soll aus vier getrennten Einzelbauwerken; aus zwei Straßenbrücken und zwei Straßenbahnbrücken bestehen. Je Richtung sind Gehwege, Radwege und zwei Fahrstreifen geplant. Die neuen Straßenbahnhaltestellen auf der Brücke werden länger (vorher rund 40 Meter dann Berliner Standard – 62 Meter) und breiter (4,6 Meter). Sie erhalten Überdachungen aus Stahl-Glas-Konstruktionen. Für den direkten Zugang zu dem darunter befindlichen S-Bahnsteig sind zwei neue Treppen und Aufzüge vorgesehen, wodurch sich die Umsteigewege zwischen S-Bahn und Straßenbahn verkürzen. Die bisher notwendige Querung der Fahrbahn entfällt. Die Baumaßnahme wird vom Land Berlin im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe “Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur” mit Landes- und Bundesmitteln gefördert. Bis es besser wird, ist es aber erst einmal schlechter. Auf Motorisierte Richtung Süden, die den Stau überwunden haben, wartet das nächste Nadelöhr auf der Treskowallee rund um den Bahnhof Karlshorst.

 

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