Pack die Badehose ein – und dann?

Nur ein Freibad für zwei Bezirke

29.07.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Lichtenberg/Marzahn-Hellersdorf. „Pack die Badehose ein“ sang Conny Froboess seinerzeit – und bei warmen Temperaturen würden wir gern diesen Rat beherzigen. Allerdings gibt es in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf lediglich mit dem Strandbad Orankesee in Alt-Hohenschönhausen ein Freibad. Andere offizielle Badestellen existieren in beiden Bezirken nicht. Denn ein in der vergangenen Legislaturperiode vollmundig angekündigtes Spaßbad im Tierpark Berlin wird wohl nie gebaut werden – neue Freizeitbäder sollen bisher nur in Pankow und Mariendorf entstehen. Und das frühere kleine, aber feine Freibad Wernersee in Kaulsdorf ist bereits seit 2002 geschlossen. Es wurde inzwischen durch die Berliner Wasserbetriebe renaturiert, nachzulesen u.a. auf der Internetseite des In Mahlsdorf/Kaulsdorf direkt gewählten CDU-Abgeordneten Mario Czaja, liegt allerdings bis zur Realisierung einer geplanten Bebauung – derzeit läuft ein Konzeptverfahren für eine Wohnanlage für Demenzkranke ­– weiterhin brach. Ungeklärt sei noch, ob das Gelände mit dem See dann eine öffentlich zugängliche Grünanalage wird oder nur den Bewohnern offen steht, so der Grünen-Abgeordnete Stefan Ziller. Eins ist aber sicher: Ein Freibad wird es dort nicht mehr geben.

Marzahner Schwimmhallen auch im Sommer geöffnet

Für die mehr als eine halbe Million Menschen in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf stehen somit lediglich das an Privatleute verpachtete Strandbad Orankesee, Gertrudstraße 7, und das Kinderbad Platsch in Marzahn, Max-Herrmann-Str. 7, zur Verfügung. Die Schwimmhallen in Lichtenberg (Zingster Straße, Anton-Saefkow-Platz und Sewanstraße) sowie die Schwimmhalle Kaulsdorf-Nord haben ihre technische Sommerschließzeit. Allerdings kann sowohl in der Schwimmhalle Helmut Behrendt am Marzahner Helene-Weigel-Platz  als auch in der Halle im Freizeitforum Marzahn (FFM) dieses Jahr in den Sommermonaten gebadet werden (nicht nur bei schlechtem Wetter) – die Beseitigung von Schäden bereits im Frühjahr führten dazu, dass am Helene-Weigel-Platz keine Sommerschließzeit zur technischen Wartung gebraucht wird. Und die Schwimmhalle im FFM ist sowieso traditionell im Sommer geöffnet.

Keine offiziellen Badeseen, aber beliebt

Wohin aber, wenn man im Freien baden will? Beliebt sind in Marzahn-Hellersdorf die Kaulsdorfer Seen (Butzer und Habermannsee). Diese liegen allerdings im Trinkwasser- und Landschaftsschutzgebiet, offiziell ist Baden nicht erlaubt. Seit Jahren duldet das jedoch der Bezirk Marzahn-Hellersdorf mangels Alternativen für Badegäste. Durch die intensive Erholungsnutzung fällt dort aber auch jede Menge Müll an. Erst in der Juli-Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wurde das Bezirksamt deshalb mehrheitlich ersucht, Schutz- und Pflegemaßnahmen zu treffen. Eine kontinuierliche Müllbeseitigung sei abzusichern.

Viel Müll gibt es ebenfalls an heißen Tagen am Biesdorfer Baggersee zwischen Debenzer und Brachfelder Straße. Die einstige Kiesgrube wird durch Grund- und Regenwasser gespeist und ist ebenso wie die „Kaulis“ nicht offiziell zum Baden freigegeben. Dennoch gibt es dort Sandstrände (und seit einiger Zeit sogar eine Imbissbude, die bei schönem Wetter öffnet), einen Volleyballplatz und Liegen aus Holz. Dort erholen sich Familien, darunter viele Russlanddeutsche und auch Geflüchtete, aber auch viele junge Leute. Häufig wird an den Ufern gegrillt, oft reichen die rund um das Ufer angebrachten Papierkörbe nicht aus.

Ähnlich beliebt ist der Malchower See nahe der Zingster Straße in Neu-Hohenschönhausen. Dieser ist ebenfalls kein offizieller Badegewässer, sondern darf eigentlich nur zum Angeln genutzt werden. Dennoch baden vor allem Kinder aus der angrenzenden Plattenbausiedlung gern an seinem südöstlichen Ufer, wo es auch einen Park mit Rasenflächen gibt. An anderen Stellen ist das Ufer dicht mit Röhricht bewachsen, der Boden verschlammt.

Bei den Nachbarn planschen

Wer keine Badestelle im eigenen Bezirk findet, guckt in angrenzenden Gebieten – oder noch etwas weiter: Viele Karlshorster nutzen gern das Sommerbad Wuhlheide im Nachbarbezirk Treptow-Köpenick, Treskowallee 211. Der Badesee im FEZ in der Wuhlheide, ebenfalls Treptow-Köpenick, sollte laut Ankündigung der Einrichtung nach der Schließzeit  aus technischen Gründen (bis Freitag, 28. Juli) wieder geöffnet haben. Die Schwimmhalle im FEZ wird allerdings derzeit saniert und öffnet voraussichtlich am ersten Schultag nach den Sommerferien wieder.

Hellersdorfer fahren häufig ins Freibad Neuenhagen (Brandenburg), das nicht nur drei Becken hat, sondern auch eine 40 Meter lange Wasserrutsche – und zudem noch preiswerter ist als die Berliner Freibäder (Tageskarte in Neuenhagen Erwachsene 3,80 Euro, Kinder bis 18 Jahre 1,70 Euro. Zum Vergleich: Kinderbad Platsch in Marzahn wirbt mit verbilligten Tarifen von 3,50 Euro pro Person, im Strandbad Orankesee kostet der Eintritt für Erwachsene 4,50 Euro, ermäßigt 3 Euro). Vom S-Bahnhof Neuenhagen ist das Bad am Liebermannweg 1 nach einem Fußweg von fünf Minuten zu erreichen.

Mit der S-Bahn nach Strausberg zum Straussee

Auch in anderen Orten der S-5-Region (das Gebiet zwischen Marzahn-Hellersdorf und Strausberg) gibt es empfehlenswerte Freibäder und Badeseen mit öffentlich und kostenlos zugänglichen Uferbereichen. Idyllisch ist der 136 Hektar große Straussee in Strausberg (mit dem ÖPNV erreichbar mit der S5 nach Strausberg bzw. Strausberg-Nord, kleinerer Fußmarsch bzw. Fahrradtour inbegriffen). Wer nicht in die Badeanstalt gehen will, sollte das gegenüberliegende Ufer (Jenseits des Sees) wählen, wo es viele ruhige Buchten gibt. Dorthin führt übrigens auch die Stadtfähre, die bis zum 31. Oktober täglich verkehrt (Fahrpreis Erwachsene 1,30 Euro).

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden