Die Ruhe vor und zur IGA hat vielen Wildtieren gutgetan

Nun wohnt auch der Biber im Wuhletal

21.03.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Der Zaun, der wegen der IGA Berlin drei Jahre lang Teile des Wuhletals und den Kienberg umgab, hatte massive Einschränkungen für viele Bürger von Marzahn-Hellersdorf gebracht. Für viele Wildtiere erwies er sich jedoch als durchaus vorteilhaft: Damit zog für sie Ruhe ein. Wahrscheinlich ist das der Grund, dass nun auch der Biber im Gelände heimisch wurde. Es gibt zwar Aussagen, dass Biberspuren schon früher dort gesichtet wurden. Doch jetzt ist sein Wirken eindeutig nachgewiesen. Wir durften Frank Wasem, zuständig für Weidemanagement bei der Grün Berlin GmbH, exklusiv auf dem Weg zur Biberburg begleiten. Die städtische Grün Berlin betreut das Gebiet im wieder öffentlich zugänglichen Volkspark Kienberg im Landesauftrag.

Gefällte und entrindete Bäume

Die Biberburg befindet sich in einem nur schwer zugänglichen Feuchtgebiet hinter der Koppel, auf der schon seit vergangenem Jahr Pferde der gefährdeten Haustierrasse Dülmener weiden. Der genaue Standort wird hier nicht beschrieben, denn der Biber soll seine Ruhe behalten. „Ob er hier bleibt, wird die nächste Zeit zeigen“, sagt Frank Wasem, während wir uns, dicke Gummistiefel an den Füßen, den Weg durchs feuchte Gelände bahnen. An einer Baumgruppe vor einem kleinen Gewässer, entstanden durch die dort verlaufende Alte Wuhle (der Bach am Wuhletal-Wanderweg ist bekanntlich nur der sogenannte Klärwerksableiter, in den Regenwasser aus den Hellersdorfer Wohngebieten fließt), sehen wir kleine Trampelpfade – die Biberwechsel. Wasem zeigt uns Fraßspuren, abgenagte Stämme. Einige Pappeln wurden auch gefällt und sorgsam entrindet – der Biber ist schließlich ein Pflanzenfresser. Seine Burg aus Stämmen und Ästen ragt in die Höhe und ist größer als wir selbst. Der Eingang, erklärt Frank Wasem, befindet sich unter Wasser.

Nachtaktiv und scheu

Gesehen hat den Biber allerdings noch keiner. Denn das Tier ist nachtaktiv und scheu. Es ist auch noch unklar, wie viele Tiere es sind. „Wir hatten Experten vor Ort, die anhand der Menge des Fraßes eingeschätzt haben, dass es maximal zwei Biber sein können“, sagt Wasem. In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Bezirks wird das Wirken der Tiere zunächst einmal beobachtet. Denn das hat durchaus Auswirkungen auf das Gelände. Durch aufgeschüttete Dämme hat der Biber bereits Teile der Alten Wuhle aufgestaut – und für neue Feuchtgebiete in seiner Umgebung gesorgt. So befindet sich nahe der Pferdekoppel ein kleiner Teich dort, wo es früher trocken war.

Beweidungsprojekt soll für Artenvielfalt sorgen

So wie der Biber sollen sich künftig auch andere Arten – Tiere und Pflanzen – zwischen Eisenacher Straße und Cecilienstraße ansiedeln. Das ist einer der Gründe für ein Beweidungsprojekt, das die Grün Berlin GmbH noch in diesem Jahr starten will (wir berichteten). Dafür sind sechs Teilflächen ausgesucht worden, auf denen neben den Pferden (übrigens alles Stuten) auch Kühe und Schafe weiden sollen. Letztere sind derzeit noch in den kostenpflichtigen „Gärten der Welt“ untergebracht. Arche-Park nennt sich das Projekt, das sich der Bewahrung alter, vom Aussterben bedrohter Haustierrassen verschrieben hat. Wurde bisher das Gelände mit Maschinen gemäht, sollen die Tiere nun diese Arbeiten erledigen. Durch den Fraß und auch durch den Huftritt der Tiere wird das Gelände so gestaltet, dass Platz für unterschiedliche Pflanzen entsteht, die dann auch die Vielfalt der Fauna im Wuhletal erhöhen werden. Das hatte die Diplombiologin Beate Kitzmann von der Naturschutzstation Malchow kürzlich bei einer Informationsveranstaltung zur Beweidung erklärt.

Noch gibt es Kontroversen

Obwohl das Projekt auch ein Hingucker für die Stadtkinder werden soll, gibt es durchaus Kontroversen darum. Noch wird deshalb der Zaunverlauf (elektrischer Weidezaun, kein zwei Meter hoher, dichter Metallzaun wie zur IGA!) geprüft. Ebenfalls diskutiert wird, ob jene Weideflächen, auf denen keine Tiere stehen (gebraucht werden schließlich nicht alle sechs zugleich), dann wieder zugänglich gemacht werden. Allerdings handelt es sich bei allen sechs Arealen um Flächen, die auch in der Vergangenheit zum Schutz der Natur möglichst nicht betreten werden sollten.

Vandalismusspuren auch nahe der Biberburg

Frank Wasem hofft, dass das Beweidungsprojekt bei den Marzahnern und Hellersdorfern Zuspruch findet. Und dass es dort dann keinen Vandalismus einiger Weniger gibt: „Es wäre schön, wenn auch die Spaziergänger mit darauf achten würden, dass weder den Tieren noch den Zaunanlagen etwas passiert“, sagt der 39-jährige gelernte Landwirt. Vandalismus war, wie berichtet, vor und auch noch nach der IGA Berlin 2017 ein Problem im Wuhletal. Selbst dort, wo der Biber sein neues Zuhause gebaut hat, finden sich große Bauzaunfelder – von Vandalen mühevoll mitten in die Natur geschleppt.

 

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