Obersee: Wasserfilter arbeitet nicht korrekt

Nun droht ein Rechtsstreit

13.07.2016, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Alt-Hohenschönhausen. Der Einbau eines Seewasserfilters gehörte zu den wichtigsten Maßnahmen der mehrjährigen, umfangreichen Sanierungsarbeiten an den beiden Alt-Hohenschönhausener Seen, Ober- und Orankesee. Die Filteranlage soll die Wasserqualität des Obersees langfristig verbessern, LiMa+ berichtete. Im September vergangenen Jahres wurde sie bei einer Festveranstaltung feierlich in Betrieb genommen. Doch inzwischen hat sich gezeigt: Der Filter funktioniert nicht ganz so wie gewünscht.

Nach Reinigung zurück in den See
In der Reinigungsanlage, die aus zwei Wasserbecken mit Bodenfiltern – im Wesentlichen mit Schilf bewachsene Kiesflächen – besteht, wird das dorthin gepumpte Wasser des Obersees gesäubert und über eine andere Leitung wieder zurück in den See befördert. 4,5 Mal soll das Seewasser die Filter, die auf einer ehemaligen Brachfläche zwischen der Oberseestraße und dem Biergarten am Orankesee entstanden, im Jahr durchlaufen. Um den Reinigungs-Erfolg zu dokumentieren, wurde ein langjähriges Monitoring beauftragt.

„Volle Leistungsfähigkeit kann hergestellt werden“
„Durch diese wissenschaftliche Beobachtung wurden wir frühzeitig auf das Problem aufmerksam gemacht“, sagt Lichtenbergs Stadtrat für Stadtentwicklung, Wilfried Nünthel (CDU). „Die Durchlässigkeit der Filterschicht hat sich vermindert.“ Das verwendete Kalkgestein habe durch die Wassereinwirkung eine milchige Schicht gebildet, zudem scheine es, dass das Thema Algen nicht berücksichtig wurde. Der Bezirk habe nun ein Gutachten von Experten anfertigen lassen. „Nach unseren bisherigen Untersuchungen gehen wir von einem Planungsfehler aus“, sagt der Stadtrat. Der Bezirk stehe nun vor einer Schwierigkeit: Um den Gewährleistungsanspruch zu wahren, könnten wegen der Beweissicherungspflicht nicht sofort bauliche Maßnahmen eingeleitet werden. „Wir müssen jedoch Sorge dafür tragen, dass keine Nachfolgeschäden auftreten.“ Wilfried Nünthel befürchtet, dass es zu einem Rechtsstreit mit dem beauftragten Planungsbüro kommen könnte. „Das Ergebnis der Gutachter, die den Schaden untersucht haben, besagt aber auch: Die volle Leistungsfähigkeit kann hergestellt werden.“ Die Frage, um die es jetzt gehe, sei nur: Wer muss das bezahlen?

Gebiet ist IGA-Premiumfläche
Die Renaturierung von Ober- und Orankesee wurde im Rahmen des Umweltentlastungsprogramms II der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gefördert, mehr als drei Millionen Euro flossen dafür. Durch die Schaffung naturnaher Uferzonen, dem Erhalt und der Entwicklung wertvoller Biotope und der Erhöhung der natürlichen Selbstreinigungsleistung der Seen sollte die Attraktivität des Gebiets für Anwohner und Erholungssuchende gesteigert werden. Als Alt-Hohenschönhausener Seenpark ist das 18 Hektar große Areal eine der sogenannten Premiumflächen für die Internationale Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017, die jeder der zwölf Berliner Bezirke zur Schau präsentiert. Bis zur IGA soll auch anstelle des bisherigen Wirtshauses am Orankesee ein Lokal mit Biergarten, die „Seeterrassen“, entstehen. Das alte Gebäude ist bereits abgerissen. Für die neue gastronomische Einrichtung, die dann ganzjährig geöffnet haben soll, haben vor einigen Tagen die Bauarbeiten begonnen.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden