Umgebaute Piraten-Kogge wartet auf Eröffnungserlaubnis zum Restaurantschiff

Noch keine Genehmigung zum Entern

06.07.2014, Andrea Scheuring

Fotos: Hauptstadtfloß (1,2), Andrea Scheuring (3-5), sunnykat (6)

Rummelsburg. „Guck mal, Mama, ein Piratenschiff.“ Die junge Mutter, die mit ihrem aufgeregten Knirps am Uferwanderweg nahe der Gustav-Holzmann-Straße unterwegs ist, nickt beschwichtigend. Erst auf das nochmalige, lautstarke Insistieren ihres Sohnes hin durchstreift ihr Blick das grüne Biotop am Nordostufer der Rummelsburger Bucht. Über wildem Wuchs aus Sträuchern und alten Bäumen erhebt sich ein riesiger heller Holzmast mit einem dunklen Krähennest – dem Ausguckposten für Seeleute aller Couleur, auch für Piraten. Beim zweiten, genaueren Blick durchs Ufer-Gestrüpp schiebt sich das massige Hinterteil der imposanten Holzkogge in den Fokus. Knapp 50 Tonnen wiegt das 26 Meter lange ehemalige Requisitenschiff, das 2005 im Auftrag der ARD für deren zweiteiligen Historienschinken „Störtebeker“ gebaut wurde. Nach der letzten Klappe war das Störtebeker-Schiff „Gode Wind“ veräußert und bis Sommer 2013 als unmotorisiertes Restaurantschiff unter neuer Flagge und neuem Namen „Kogas“ am Anleger Juodkranté in Litauen betrieben worden.

Kogge „Kogas“: Liebe auf den ersten Blick

„Es war immer ein Kindheitstraum, mal so ein altes Piratenschiff zu haben“, druckst Toni Kaiser ein bisschen herum. „Nein, ein Schiffsmakler hat uns die Kogge angeboten. Da bin ich im letzten August nach Litauen gefahren und habe mir das Schiff angeschaut. Es war mir sofort klar, dass ich die `Kogas´ haben und nach Berlin holen möchte. Es ist einzigartig, so etwas hat Berlin noch nicht gesehen. Und auch die Geschichte dazu ist spannend“, erklärt der Geschäftsführer der Hauptstadtfloß GmbH begeistert. 2011 hatte Kaiser gemeinsam mit drei Mitstreitern das aufstrebende Unternehmen gegründet, das mittlerweile eine kleine Flotte aus zwei Allwetter-Flößen und dem Salonschiff „MS Charleston“ auf der Spree unterhält. Alle drei Objekte „in Holzoptik“ können für außergewöhnliche Ausflüge und Events jeder Art gemietet werden.

Rummelsburger Bucht als dauerhafter Liegeplatz

Die Reise der Kogge in die deutsche Hauptstadt nahm am 19. März dieses Jahres noch unter altem Namen „Kogas“ ihren Anfang. In einer spektakulären Transportaktion war der Zweimaster – dessen 15 Meter hoher Mast teilweise abgebaut werden musste – im Bauch eines Cargo-Schiffes, später in einem Schubbehälter auf dem Wasserweg von Klaipeda über Stettin nach Berlin überführt und mittels Hebekran in die Rummelsburger Bucht gesetzt worden. Nach der Ankunft im Trockendock der hier ansässigen Citymarina am 28. März begannen aufwendige Umbauten und Instandsetzungsarbeiten. So musste nicht nur der komplette Korpus des Schiffs entkernt sowie diverse Balken und Holzteile erneuert werden. Auch die beiden Masten der Kogge wurden wieder gesetzt, mit dem Einbau des Küchenequipments und der Restauranteinrichtung begonnen. Das Kantinen- und Restaurantschiff verfügt nunmehr über einen überdachten Gastraum für 45 Personen sowie zwei Terrassen für weitere 50 Gäste. „Wir wollen die Rummelsburger Bucht als dauerhaften Liegeplatz nutzen und das Restaurantschiff mit gehobener regionaler Fischküche ganzjährig öffnen“, plant Toni Kaiser. „Spätestens ab dem nächsten Jahr werden hier auch viele geschlossene Veranstaltungen stattfinden, also Hochzeiten,  Firmenevents usw.“ Deshalb soll künftig auch der Vorbereich im Hafen genutzt werden, um das tägliche Laufpublikum bewirten zu können. Die Umbauten auf der rückbenannten „Gode Wind“ stehen kurz vorm Abschluss. „In der nächsten Woche werden noch die Dekorationselemente angebracht, und am Donnerstag ist das Schiff dann fertig“, ist sich Toni Kaiser sicher. Doch ob die Hauptstadt-Kogge in ihrem neuen Heimathafen tatsächlich in der kommenden Woche eröffnen und die ersten Gäste empfangen kann, steht in den Sternen.

Negative Stellungnahme des Stadtplanungsamtes

Bisher fehlt die entsprechende Genehmigung durch die Wasserbehörde. „Es gibt noch keine Entscheidung der Fachabteilung, wie damit weiter verfahren wird. Es wird gerade daran gearbeitet“, erklärt Daniela Augenstein, Pressesprecherin der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz, lapidar. Einfluss auf die Entscheidung der Wasserbehörde könnte – so befürchtet Toni Kaiser – ein Gutachten des bezirklichen Stadtplanungsamtes haben. „Aus Lichtenberg erging eine negative Stellungnahme zum Projekt, was aber nicht heißt, dass die Wasserbehörde nicht anders entscheiden und das Vorhaben trotzdem genehmigen könnte“, erläutert Fabian Peter, Referent von Wilfried Nünthel (CDU), dem Bezirksstadtrat und Leiter der Abteilung Stadtentwicklung. Ein Kritikpunkt ist u.a. die unzureichende öffentliche Zuwegung der auf dem Wasser vorgesehenen baulichen Anlage, die dem Areal Gustav-Holzmann-Straße 10 vorgelagert werden soll. „Das Grundstück liegt nicht in ausreichender Breite an einer festgesetzten öffentlichen Verkehrsfläche“, heißt es in der bezirklichen Stellungnahme. Die Sackgasse biete nicht genügend Platz, um den ruhenden Verkehr aufzunehmen, der durch Restaurantgäste des Schiffs verursacht werden könnte. Konflikte mit den an der Holzmann-Straße angesiedelten Gewerbetreibenden könnten daher nicht ausgeschlossen werden. Der Flächennutzungsplan stellt das Gebiet des Lichtenberger Ufers am Rummelsburger See als übergeordneten Grünzug dar. Bemängelt wird in diesem Kontext weiter, dass mit dem publikumsorientierten Vorhaben der Hauptstadtfloß GmbH der festgesetzte Schallleistungspegel überschritten und damit die Lärmemission in den angrenzenden Wohngebieten und den Wohngebieten auf der Stralauer Insel unzumutbar werden könnte.

Unvereinbarkeit mit städtebaulichem Entwicklungsziel

Schlussendlich, so Fabian Peter, sei das geplante Gewerbe auf der planfestgestellten Bundeswasserstraße nicht mit der städtebaulichen Entwicklungszielsetzung für das Lichtenberger Ufer vereinbar. Es stehe im Widerspruch zum bestehenden See- und Uferkonzept: „Für dieses Teilstück ist Gewerbe vorgesehen, nicht Gastronomie“, so Peter. Das letzte Wort in Sachen Eröffnung der Hauptstadt-Kogge hat nun die Wasserbehörde des Senats. Die Gespräche laufen, gibt sich Toni Kaiser optimistisch: „Wir warten täglich auf die Genehmigung.“

 

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden