Tausende neue Wohnungen im Osten

Neubauoffensive kommt in Fahrt

28.07.2017, Marcel Gäding

Allein die Howoge will ihren Wohnungsbestand bis 2026 auf 75.000 erhöhen. Foto: Marcel Gäding

Lichtenberg/ Hellersdorf. Die vom Land Berlin beschlossene Neubauoffensive kommt in Marzahn-Hellersdorf in Fahrt. Landeseigene Wohnungsunternehmen wie die Howoge, die Degewo, Gesobau oder Stadt und Land feiern fast wöchentlich Richtfeste für neue Projekte. Angesichts der angespannten Wohnungssituation ist der geplante Bau von mehreren Tausend Wohnungen in den Ostbezirken auch dringend notwendig.

Wer aktuell bei den städtischen Wohnungsunternehmen nach einer freien und bezahlbaren Bleibe sucht, wird enttäuscht: Die preiswerteste Wohnung, die aktuell von der Howoge in Lichtenberg angeboten wird, befindet sich in Karlshorst: 1070.01 Euro Warmmiete für drei Zimmer in den Treskowhöfen. Etwas mehr Auswahl bietet die Degewo. Sie wirbt im Internet für eine anderthalb Zimmer große Wohnung in der Siegfriedstraße: 471,03 Euro für 51 Quadratmeter. Der Mangel an preiswerten Wohnungen macht den Ernst der Lage deutlich: Es fehlt in allen Kiezen von Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg an Quartieren.

107.000 neue, landeseigene Wohnungen für Berlin

Abhilfe soll die Neubauoffensive bringen, in deren Rahmen bis 2026 der Bestand öffentlicher Wohnungen von 293.000 auf 400.000 erweitert werden soll. Inzwischen ist kaum zu übersehen, dass sich auf einst brachliegenden Grundstücken die Kräne drehen. Jüngstes Projekt der Howoge ist das Neubauprojekt an der Rathausstraße 12. Dort wurde vor wenigen Tagen Richtfest für 136 neue Wohnungen und eine Kita gefeiert. Fast ein Drittel der Wohnungen soll für 6,50 Euro kalt pro Quadratmeter vermietet werden. In das Vorhaben einbezogen wird auch der Umbau einer früheren Polizeiwache. Die Nachfrage nach einer neuen Bleibe dort ist groß: Nach Angaben der Howoge haben sich im Internet 1.500 Menschen als Interessenten registriert.

Bis zu 50 Prozent Sozialwohnungen

Viermal größer ist das Projekt Mühlengrund in Hohenschönhausen. Der Bau von 400 Wohnungen rund um die Rüdickenstraße soll im Frühjahr 2018 beginnen, wie es von der Howoge heißt. Alle Wohneinheiten sollen barrierefrei erreichbar sein. Ursprünglich hatte das landeseigene Unternehmen das Projekt gar nicht auf seiner Liste – bis der bisherige Eigentümer Grund und Boden an die Howoge verkaufte. Die Hälfte des Bestandes wird als Sozialwohnungen vermietet. Als Fertigstellungstermin wird Ende 2019 genannt. Einige Monate zuvor sollen zudem die Bewohner des neuen Wohnhochhauses nahe dem Rathaus Lichtenberg einziehen können. Dort, an der Frankfurter Allee, entstehen 215 Wohnungen in einem 18-Geschosser.

Gesobau zieht es nach Hellersdorf

Neuland betritt die landeseigene Gesobau. Das Unternehmen konzentrierte sich bislang auf Bezirke wie Reinickendorf oder Pankow. Jetzt baut es aber auch in Hellersdorf. Vor wenigen Tagen wurde im Beisein von Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Die Linke) Richtfest für 112 Wohnungen an der Stendaler Straße gefeiert. 34 davon stehen als Sozialwohnungen zur Verfügung. Und es wird nicht das einzige Projekt der Gesobau in Hellersdorf bleiben: Bis 2022 plant das Unternehmen auf dem einstigen Gut Hellersdorf, ein Wohnquartier mit rund 1.200 Wohnungen zu errichten.

Gut voran kommt die Degewo hingegen an der Ecke Joachim-Ringelnatz-Straße und Cecilienstraße: Ein Geschoss nach dem anderen wird derzeit hochgezogen. Bis Ende 2018 sind die 299 Wohnungen bezugsfertig. Bereits im November kommenden Jahres gilt dies auch für 126 Wohnungen an der Marchwitzastraße. Ironie des Schicksals: Das neue Wohnhaus entsteht an jener Stelle, an der einst der erste DDR-Plattenbau mangels Nachfrage nach Wohnungen nach der Wende abgerissen wurde.

Arbeiten in Biesdorf verzögern sich

Ins Stocken sind hingegen die Arbeiten für den Neubau von 500 Wohnungen auf dem Gutshof Biesdorf geraten. Wie es aus dem Bezirksamt heißt, verzögere sich das Projekt. Derzeit geht das Unternehmen noch von einem Baustart in diesem Jahr aus. 2020 ist ein Ende der Arbeiten in Sicht. Dann ist auch eine der größten Baulücken in dem ehemaligen Straßendorf, das heute von der Bundesstraße 1 durchzogen wird, geschlossen.

Übersicht Neubauoffensive:

Das Land Berlin hat eine Übersicht größerer Neubauprojekte in Berlin sowie zur Neubauoffensive online gestellt. Sie ist auf der Seite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung abrufbar.

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