Hausfriedensbruch in Einrichtung für Flüchtlinge und Anwohner

Neonazis provozierten im „LaLoka“

08.10.2014, Volkmar Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Hellersdorf. 15 Personen, die sich offen zur sogenannten Bürgerbewegung Hellersdorf bekannten, drangen am Dienstagabend, 7. Oktober, gegen 18 Uhr in das Ladenlokal „LaLoka“ in der Schneeberger Straße 17, direkt am Boulevard Kastanienallee, ein. In der Begegnungsstätte für Geflüchtete und Hellersdorfer Anwohner, die der Verein „Hellersdorf hilft“, die studentische Initiative der Alice-Salomon-Hochschule „grenzen_weg“ sowie engagierte Einzelpersonen am 23. August eröffnet hatten, fand zu diesem Zeitpunkt gerade ein Plenum des Vereins „Hellersdorf hilft“ statt.

Rassistische Bemerkungen
Die Eindringlinge hatten zuvor eine Teilnehmerin des Treffens auf dem Weg zum Veranstaltungsort am Kastanienboulevard erkannt und verfolgt. Im Vorraum der Einrichtung konnten sie gestoppt werden. Nach Aussagen des Vereinssprechers Stephan Jung gaben die ungebetenen Gäste vor, sie wollten über die Rückführung von Flüchtlingen in deren Heimatländer diskutieren. Sie erkundigten sich nach der Finanzierung des Vereins, äußerten Beleidigungen, unsachliche Kritik an der Vereinsarbeit und machten rassistische Bemerkungen. Ein Eindringling fotografierte die Anwesenden. Nachdem die Personen der Aufforderung, die Räumlichkeiten zu verlassen, nicht nachkamen und stattdessen die Türen versperrten, wurde die Polizei zu Hilfe gerufen. Die Polizisten erteilten Platzverweise und nahmen die Personalien von einigen der Eindringlinge auf, unter ihnen Daniela Fröhlich und Marcel Rockel. Beide haben nachweislich Verbindungen zur rechtsextremistischen Szene. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

“Wir lassen uns nicht einschüchtern”
„Das ‚LaLoka’ ist und bleibt ein offenes Haus, Begegnungsstätte für Geflüchtete und Hellersdorfer Anwohner“, sagte Stephan Jung“. Es stehe Menschen offen, die sich gemeinsam für eine Willkommenskultur und einen interkulturellen Austausch einsetzen wollen. „Menschen, deren Meinungen derart fremdenfeindlich und voller Hass sind, bieten wir jedoch keine Diskussionsplattform und haben keinen Platz in der Einrichtung“, so Jung weiter. Das müsse noch deutlicher kommuniziert werden. Leider sehe sich der Verein nun gezwungen, über stärkere Sicherheitsvorkehrungen wie Rollläden, Außenbeleuchtung und eine verstärkte Tür nachzudenken. „Es ist bedauerlich und beschämend, dass solche Maßnahmen ergriffen werden müssen“, so Jung. Trotzdem lasse man sich nicht einschüchtern.

Mehrfach kam es bereits zu Übergriffen auf geflüchtete Menschen und deren Unterstützer im Bezirk. Anfang des Jahres wurden Bölleranschläge auf die Unterkunft für Geflüchtete, sowie das Büro des Vereins „Hellersdorf hilft“ verübt. Im März brannte das Auto einer Unterstützerin. Hellersdorf hilft“ hatte sich 2013 gegründet, um die Bewohner der neu eröffneten Flüchtlingsunterkunft in der Carola-Neher-Straße zu unterstützen und sie vor rassistischen Ausschreitungen zu schützen. Für sein Engagement wurde der Verein bereits mit mehreren Preisen geehrt.

 

 

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