Nach einem Brand drohte der Einsturz des leer stehenden Gebäudes

Nanu, Kulturhaus Mittelteil ist weg!

04.09.2017, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1-6), Plus4930 Planungsgesellschaft mbH (7). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Dort, wo einst das Mittelstück des seit 2002 leerstehenden, ehemaligen Kulturhauses VEB Elektrokohle Lichtenberg (EKL) an der Herzbergstraße 128-139 stand, klafft jetzt eine 40 Meter breite Lücke (Fotos jetzt und vorher). Nur die würfelähnlichen Seitengebäude vom Kulturhaus stehen noch. Das Gebäude in der Mitte, in dem sich der große Veranstaltungssaal befand, wurde vor kurzem abgetragen.

Mehrfache Verzögerungen

Eigentlich wollte die Eigentümerin, seit 2003 die Dong-Xuan GmbH, schon im Mai 2016 das 1950 erbaute Ensemble – mit einer Größe von ca. 25.000 Kubikmeter umbautem Raum und ca. 4.000 Quadratmetern Bruttogeschossnutzfläche– schonend instand setzen und so den ursprünglichen Charakter erhalten. Das alte Kulturhaus hatte die Zeit des Leerstandes gut überstanden und die Baugenehmigung für die Sanierung war schon im Mai 2015 erteilt worden. Doch dann verhinderte ein Brand im Mittelteil den Baustart. Der Brandschaden musste mit der Versicherung abgeklärt und die Sanierungspläne überarbeitet werden. Steffen Cwienk, Prokurist der Dong-Xuan GmbH hatte gegenüber LiMa+ erklärt, dass man neue Leistungsbeschreibungen erstellen ließ und sich mit einem Generalunternehmen auf einen Baubeginn spätestens im September/Oktober 2016 geeinigt habe. Grundrissänderungen für Konferenz- und Ausstellungsräume, für Gastronomie, Büros und Gästezimmer waren geplant. Der große Saal solle mit maximal 500 Sitzplätzen als Multifunktionssaal rekonstruiert werden. Etwa ein Jahr sollte die Instandsetzung dauern und zwischen vier und fünf Millionen Euro kosten. Die Fassade sollte im Wesentlichen erhalten bleiben. Doch das Jahr 2016 verging, ohne dass etwas geschah.

Wie kam es zu dem Teilabriss am Kulturhaus?

Geschäftsführer Johannes Sierig von der Plus4930 Planungsgesellschaft mbH, die mit der Gesamtplanung beauftragt ist, sagte gegenüber LiMa+, dass die Brandschäden größer waren als zunächst angenommen. Genauere Untersuchungen hätten ergeben, dass das Dach des Mittelgebäudes teilweise eingestürzt und anschließend Feuchtigkeit eingedrungen war. Die Statik sei nicht mehr garantiert gewesen. „Es bestand die Gefahr, dass bei den notwendigen Aufräumarbeiten das Haus einstürzt“, sagte Johannes Sierig. Dann wäre womöglich an den beiden Seitenhäusern noch größerer Schaden entstanden. Dieses Risiko wollte man nicht eingehen und habe sich deshalb für die Variante des Teilrückbaus entschieden. Das ehemalige Kulturhaus steht nicht unter Denkmalschutz.

Multifunktionsgebäude kommt – nur wann?

Der Eigentümer habe aber die feste Absicht, den Mittelteil wieder aufzubauen und die Flügelhäuser zu sanieren. „Wir haben alle Pläne und das Projekt wurde für Bauunternehmen ausgeschrieben“, sagte der Plus4930-Geschäftsführer. „Wir stehen quasi alle in den Startlöchern und hoffen, dass es bald losgeht.“ Wenn dieses Mal alles glatt läuft, könnte also das alte Kulturhaus bald in neuem Glanze eines multifunktionalen Veranstaltungsgebäudes mit Gästezimmern, Restaurant, Veranstaltungsräumen und Gewerbeeinheiten erstrahlen – vielleicht sogar schöner als je zuvor (siehe Entwurf des Architekturbüros Plus4930). Die Dong-Xuan GmbH will es unter anderem für Ausstellungen, Messen und Konferenzen nutzen.

In dem 2005 gegründeten Dong Xuan-Center haben vietnamesische Geschäftsleute am Standort Herzbergstraße ein Großhandelszentrum aufgebaut, das sich so zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in Lichtenberg entwickelt hat. Einzelhändler reisen hunderte Kilometer, teilweise auch aus Dänemark und Schweden an, um hier für ihre Geschäfte einzukaufen. Über 250 Großhändler, Dienstleister und Gastronomen mit insgesamt rund 1.000 Arbeitsplätzen erwirtschaften einen Jahresumsatz von etwa drei Millionen Euro.

 

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