Bauarbeiten an der Bahnbrücke Karlshorst noch vier Jahre

Nadelöhr Treskowallee bleibt

12.11.2014, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann (1-6), Volkmar Eltzel (7-9)

Karlshorst. Das Interesse der Einwohner am Dienstag, 11. November, war groß. Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung war der große Saal im Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112, überfüllt. Viele Besucher fanden keinen Platz mehr und blieben trotzdem mehr als zwei Stunden stehen. Der Bürgerverein Karlshorst hatte zwei wichtige Themen auf die Tagesordnung gesetzt: Wie geht es weiter mit der Baustelle an der Bahnbrücke am Bahnhof Karlshorst und wie weit ist die Planung für Osttangente (TVO)?

Bahn und BVG kamen nicht
Zwei wichtige Gesprächspartner hatten sich im Vorfeld wortreich entschuldigt. Die Bahn kam nicht zum Termin mit dem Hinweis, dass die Baustelle im Zeitplan liegt und zum Jahresende alle Arbeiten beendet sein werden. Die BVG kam nicht, weil sie andere Termine hatte. Der Leiter des „Runden Tisches Brückenbau Karlshorst“ ,André Nowak , erinnerte daran, dass dieses Thema schon ein uraltes ist. Verstopfte Straßen, die Straßenbahn, die S-Bahn und die Regionalbahn sind seit über 20 Jahren ein Brennpunkt in Karlshorst. Seit einigen Jahren kommt auch der zunehmende Verkehr mit den Radfahrern dazu.

Gegenseitige Schuldzuweisung
Seit April 2011 gibt es in Karlshorst den runden Tisch zur Bahnbrücke unter Leitung von André Nowak. Er bezeichnete den Regionalbahnhof als etwas Provinzielles – daran werde sich auch nichts mehr ändern. Der Bahnhofsteil für die Regionalbahn soll geschlossen werden, wenn der Bahnhof Ostkreuz fertig ist. Nachdem sich die Bahn eine Zeitlang von der Idee eines Regionalbahnhofs in Köpenick verabschiedet hatte, steht dieser nun aktuell wieder auf der Tagesordnung. Das größte Problem bleibt nach wie vor der Bereich unter der Bahnbrücke. Die BVG und die Berliner Wasserbetriebe müssen sich auf eine gemeinsame Planung einigen. Und die beiden kommunalen Unternehmen üben sich seit Jahren in gegenseitiger Schuldzuweisung. Die Wasserbetriebe können oder wollen ihre Planung nicht beginnen, bevor nicht eindeutig feststeht, wie die Gleise der Straßenbahn verlegt werden sollen. Nowak verwies auf 14 runde Tische und „es hat sich nichts geändert.“ Er kommentierte etwas bissig: „Seit 15 Jahren wird diskutiert, damit kann der Bürgerverein nicht zu frieden sein.“

Bauarbeiten bis 2020?
Der Staatssekretär für Verkehr und Umwelt, Christian Gaebler (SPD) machte zunächst deutlich, dass Sinn und Zweck der Baumaßnahmen darin bestehe, den Übergang von der Straßenbahn zur S-Bahn für die Fahrgäste sicherer zu machen. „Eine optimale Lösung dafür gibt es nicht“, betonte Gaebler, „oder man baut alles neu.“ Er verwies darauf, dass alle Vorbereitungen nun getroffen wurden, damit die BVG mit der Planung für die Straßenbahn beginnen kann. Dazu wird das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Nach bisherigen Aussagen kann erst nach seinem Abschluss mit der Planung der Wasserleitung in der Straße unter der Brücke begonnen werden. So ein Planfeststellungsverfahren dauert unter Berliner Verhältnissen gut zwei Jahre. Gaebler machte deutlich, dass sich unter diesen Bedingungen die Bauarbeiten noch bis zum Jahr 2020 hinziehen werden. Er unterbreitete den Vorschlag, dass der Senat das Risiko für die Wasserbetriebe übernehmen wird, so dass die BWB sofort mit der Planung beginnen können. Damit, so Gaebler, könnten zwei Jahre eingespart und die Bauarbeiten bereits 2018 abgeschlossen werden. Er will sich persönlich darum kümmern, dass beide Unternehmen an einem Tisch die Planungen vorantreiben. „Wir gehen jetzt davon aus, dass die Wasserbetriebe sofort mit der Planung beginnen werden“, sagte der Staatssekretär. Er will im Senat eine Steuerungsrunde ins Leben rufen, bei der sich alle Beteiligten regelmäßig treffen. Dazu gehört auch der Bezirk mit dem Tiefbauamt, denn die Straße wird zum Abschluss aller Bauarbeiten vom Tiefbauamt fertiggestellt.

Der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Wilfried Nünthel (CDU) betonte, dass der Bezirk bisher leider wenig Einfluss auf das Baugeschehen ausüben konnte. Er gab zu, dass er bei seinem Amtsantritt im Jahr 2011 noch sehr blauäugig an die Sache herangegangen ist und von einem Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2016 gesprochen hat. „Ich war zu optimistisch“, verkündete Nünthel etwas selbstkritisch. „Ich höre die Worte des Staatssekretärs gern“, betonte Nünthel, „doch ich habe keine Illusionen mehr.“

Nochmalige Prüfung der Varianten
Im jetzt folgenden Verfahren sollen mehrere Varianten für die Straßenbahn geprüft werden. Der Senat favorisiert bisher die Variante, wonach die Straßenbahn am Bahnhof Karlshorst die Mittellage verlässt, die Fahrspuren überquert und auf der jeweils rechten Fahrspur in beiden Richtungen direkt vor dem Eingang zum S-Bahnhof hält. Für die Fahrgäste hätte diese Variante den Vorteil, dass sie die Fahrbahn nicht mehr überqueren müssen und auf kürzestem Weg zum Bahnhof kommen. Für den Fahrzeugverkehr auf der Treskowallee hat diese Möglichkeit aber den Nachteil, dass eine Fahrspur von der Straßenbahn blockiert ist und Lkw nicht daran vorbeikommen. Der Brückenpfeiler steht im Weg. Die linke Fahrspur ist in jedem Fall zu schmal für die Brummis, so dass ein Überholverbot für LKW eingerichtet werden muss. Für Stadtrat Nünthel ist dies die entscheidende Frage: „Für wen ist der öffentliche Raum da, für den Nahverkehr oder den Straßenverkehr.“ Wobei an dieser Stelle der zunehmende Radverkehr noch gar nicht betrachtet wurde.

2016 werden Karten neu gemischt
Einen weiteren Vorschlag brachte der ehemalige Verkehrsplaner Dr. Axel Rackow in die Diskussion ein. Er will die Straßenbahn in der Mittellage belassen und eine Verkehrsinsel zum Umsteigen einrichten. Diese Variante hat den Vorteil, dass die Bauarbeiten für die Straßenbahn gering ausfallen. Für die Fußgänger bringt es allerdings etwas längere Wege und die Wartezeit an der Ampel mit sich. Rackow verwies darauf, dass in den vergangenen Jahren in der Straße am Tierpark das Gleisbett der Straßenbahn von den jeweils zwei Fahrspuren getrennt wurde. Er sieht es nicht ein, warum gerade am Bahnhof Karlshorst von diesem Prinzip abgewichen werden soll. „Es ist eine klare Fehlplanung, die Straßenbahn zu verschwenken“, betonte Rackow.

Abschließend zum Thema Straßenbahn und S-Bahnhof sagte Wilfried Nünthel: „Wir hoffen darauf, dass zum Ende der Wahlperiode das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen ist.“ Damit schnitt er aber auch gleich einen wunden Punkt an. Denn 2016 werden in Berlin die Karten für die Bezirksämter, das Abgeordnetenhaus und den Senat neu gemischt. Und im Wahlkampf und in den Monaten nach der Wahl werden in Berlin nur ungern schwerwiegende Entscheidungen getroffen. So bleibt den Karlshorstern nur die Hoffnung, dass die Termine vom 11.11. 2014 auch in zwei Jahren noch gelten.

 

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Leserkommentare

  1. Lage der Straßenbahnhaltestellen
  2. Wenn man sich die alltägliche Situation am S-Bahnhof Adlershof ansieht, wo sich die Straßenbahnhaltestellen in Mittellage unter der Bahnbrücke befinden, dann kann man nur für eine Randlage plädieren. Außerdem muss es endlich auch mal möglich sein, dass der ÖPNV den Vorrang vor dem Individualverkehr erhält. Das Beispiel TVO ist wieder mal ein typisches Beispiel dafür, dass sich beim Straßenverkehr immer schneller Lösungen finden lassen und auch das Geld in Strömen fließt. Nur beim ÖPNV wird eine Behinderung nach der Anderen aufgebaut, Verwaltungen und Unternehmen behindern sich gegenseitig und der Senat sitzt die Sache aus. Typisch Berlin eben! Als Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel hat man eben immer und ewig das Nachsehen.

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