Zum Deutschen Mühlentag wird auch in Marzahn aufgewartet

Müller Wolf stellt Neuheiten vor

03.06.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Wenn am Deutschen Mühlentag, der traditionell am Pfingstmontag begangen wird, rund 1.000 Wind-, Wasser-, Dampf- und Motormühlen bundesweit ihre Türen öffnen, ist natürlich auch die Bockwindmühle Marzahn (Landsberger Allee/Allee der Kosmonauten) dabei. Müller Jürgen Wolf kann diesmal einige Neuheiten auf dem Mühlenberg vorstellen. Denn am Freitag, 2. Juni, wurden dort ein historischer Kollergang und der Mühlensteingarten eingeweiht. Der Kollergang, einst eine kleinere Mühlenanlage zum Herstellen von Schnupftabak, war in Berlin-Mitte bei Bauarbeiten entdeckt worden. Die Steinfunde wurden beim Ausgraben der Fundamente für das neue Wohnungsbauprojekt „Klostergärten“ im Bereich des ehemaligen Hinterhauses auf dem Grundstück Klosterstraße 65-67 gemacht. Dort befand sich vor dem zweiten Weltkrieg u.a. der Betrieb eines Tabak-Großhändlers. Im Krieg brannte das Gebäude aus und wurde später abgetragen. Danach wurde das Grundstück als Parkplatz genutzt.

Jetzt wird statt Tabak Mohn gemahlen

Das Landesdenkmalamt verständigte den Mühlenverein Marzahn e.V. über die Funde – einen Bodenstein mit einem Durchmesser von einem Meter und einen sogenannten Läuferstein mit Eisenteilen (Durchmesser 50 Zentimeter). Anfang November 2013 erfolgte die Umsetzung zur Marzahner Bockwindmühle.

Der dort von vielen ehrenamtlichen Helfern wieder instandgesetzte Kollergang steht jetzt inmitten des neuen Mühlensteingartens zu Fuße der 1994 eingeweihten Bockwindmühle. Statt Tabak wird dort nun Mohn gemahlen, denn die Mühle wird von Jürgen Wolf auch bei Demonstrationen vor Schulklassen genutzt. „Die Kinder können sie auch selbst drehen und erfahren, was das damals für eine schwere Arbeit war“, erzählt er. Das gewonnene Mahlgut kommt in Kuchen und Torten, die im Ausbildungscafé Grips der Abu gGmbH, Alt-Marzahn 69, gebacken werden.

Übersicht über 200 Jahre Mühlengeschichte

Der restaurierte Kollergang, übrigens der einzige funktionsfähige in Berlin und Brandenburg, bildet den Mittelpunkt des Mühlensteingartens. Dort sind nicht nur im Laufe der Jahre geborgene Objekte wie das Fundament des ersten Marzahner Windkraftwerkes von 1912 und die Replik der Hauptwelle einer zweiten Windkraftanlage aus dem Jahr 1942 zu sehen. Auf verschiedenen Schautafeln wird über die mehr als 200-jährige Marzahner Mühlengeschichte informiert. Die Anlage des Mühlensteingartens inklusive restauriertem Kollergang kostete rund 10.000 Euro. Die Materialkosten trug der Marzahner Mühlenverein mit Hilfe der Spenden von Besuchern.

Projekt der „IGA vor Ort“

Wirtschaftsstadtrat Johannes Martin (CDU) würdigt das Engagement des Müllers und des Vereins: „Die Marzahner Mühle ist nicht nur ein Wahrzeichen des Bezirks geworden, sondern auch ein Ort der Bildung und der Wissensvermittlung.“ Derzeit sei sie auch ein Projekt innerhalb der Initiative „IGA vor Ort“, in der sich zahlreiche Einrichtungen anlässlich der Internationalen Gartenausstellung mit ihren Ideen präsentieren. Ein Abstecher von der großen Show zu diesen lohne sich, wirbt der Stadtrat.

Am Pfingstmontag, 5. Juni, werden von 10 bis 17 Uhr auf dem Marzahner Mühlenberg Besucher erwartet, der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Besichtigt werden kann dort neben dem Mühlensteingarten natürlich auch die große Bockwindmühle, deren Flügel vom Wind angetrieben werden. Zum Kauf angeboten wird Marzahner Mühlenbrot, eine Roggenmischung (3,50 Euro, 750 Gramm), und das Gebäck Marzahner Mühlentaler (2,50 Euro, 100 Gramm).

Weitere Empfehlungen für Pfingsten in der Region:

IGA Berlin: Sachkundige Führungen über das IGA-Gelände 11 bis 12.30 Uhr und 15 bis 16.30 Uhr am Sonnabend, 3. Juni (Teilnahme 6 Euro Erwachsene). Ab 14 Uhr finden auf dem gesamten IGA-Gelände der „Tag der Volkssolidarität“ mit verschiedenen Veranstaltungen statt. Von 14 bis 18 Uhr gibt es am Wasserspielplatz American Football mit den Berlin Bullets. Am Sonntag, 4. Juni, ist ein Pfingstkonzert mit Bernhard Brink und Christin Stark um 15 Uhr in der Arena zu erleben (zusätzliche Platzkarte erforderlich: 10 Euro). In der Blumenhalle sind zahlreiche neue Pflanzen unter dem Titel „Landgang zwischen Zwergenbäumen und Riesenblüten…“ arrangiert, Bonsai, Bonkai, Pfingstrose und Rittersporn stellen sich vor. Tageskarte IGA: Erwachsene 20 Euro, für Berlin-Pass-Inhaber 10 Euro, Kinder und Jugendliche (7 bis 17 Jahre) 5 Euro. Haupteingänge: Hellersdorfer Straße (gegenüber U-Bahnhof Kienberg) und Blumberger Damm.

Tierpark Berlin: Zu seinen traditionellen Pfingskonzerten lädt der Tierpark Berlin in Friedrichsfelde am Sonntag, 4. Juni, und Montag, 5. Juni, ein. Zu erleben sind am Sonntag (9.30 bis 17 Uhr) u.a. die Jazzcombo der Landespolizei und die Blue Baba Swing Band, am Montag Theo Tintenklecks und um 15 Uhr die „Lütte“ Angelika Mann. Eintritt Tierpark: Erwachsene 13 Euro, Kinder (4 bis 15 Jahre) 6,50 Euro.

Kulturhaus Karlshorst: Auch am Feiertag fällt der traditionelle Poetry Slam im Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112, nicht aus: Am Sonntag, 4. Juni, um 19 Uhr laden das Kulturhaus und der Moderator und Poetry Slammer Ortwin Bader-Iskraut wieder Dichterinnen und Dichter zum literarischen Wettstreit ein. Eintritt: 5 Euro, Schüler und Studenten 3 Euro.

Hawaii und andere schöne Ecken: Vielleicht düsen wir ja mal kurz nach Hawaii – oder aber in naheliegende, fast genau so schöne Ecken des Brandenburger Umlands. Vielleicht erleben wir aber auch die Welt bei uns zu Hause in Berlin, beim Karneval der Kulturen in Kreuzberg. Oder wir besuchen Müller Jürgen Wolf und machen auch noch einen Abstecher zur IGA. Unsere Pläne stehen noch nicht ganz fest, bloß eins ist sicher: Pfingsten wird auch unser Team chillen.

Wir melden uns wieder am Dienstag, 6. Juni. Unseren Lesern und uns selber wünschen wir ein schönes und entspanntes Pfingstwochenende!

 

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