Erste modulare Flüchtlingsunterkunft an Wittenberger Straße übergeben

„Tag der offenen Tür“ am Montag

28.01.2017, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel

Marzahn. Die erste von insgesamt zehn sogenannten Modularen Flüchtlingsunterkünften (MUF) wurde am Freitag, 27. Januar, an der Wittenberger Straße 16-18 offiziell übergeben. In Anwesenheit der Senatorinnen Elke Breitenbach (Integration) und Katrin Lompscher (Stadtentwicklung, beide Linke) sowie der Präsidentin des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), Claudia Langeheine, und Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) wurden die Gebäude der Presse vorgestellt, am Nachmittag gab es dann eine Informationsveranstaltung für die direkten Anwohner. Am Montag, 30. Januar, findet im Komplex von 15 bis 18.30 Uhr ein „Tag der offenen Tür“ für Anwohner und andere Interessenten statt. Ab Dienstag beginnt der Einzug der neuen Bewohner. Im ersten Schritt werden dort rund 300 Geflüchtete einziehen, die derzeit noch in fünf Turnhallen in Steglitz-Zehlendorf untergebracht sind. Insgesamt bietet die MUF 450 Menschen Platz. Betreiber ist die Volkssolidarität.

Fußbodenheizung ist kein Luxus

Der Gebäudekomplex, dessen stylisches Grau zwar etwas gewöhnungsbedürftig ist, wurde innerhalb von zehn Monaten errichtet. Er besteht aus insgesamt drei Gebäuden, darunter zwei fünfgeschossige Wohnhäuser. In einem Empfangsgebäude befindet sich nicht nur der Pförtner, sondern es gibt auch Schulungs- und Gemeinschaftsräume. Die Wohngebäude sind aus jeweils sechs Modulen gebaut – damit können Personengruppen nach Bedarf voneinander getrennt werden. Auch Wohneinheiten für Familien sowie barrierefreie Räume waren von vornherein eingeplant. Dass die Häuser wie viele moderne Gebäude über Fußbodenheizung verfügen, ist übrigens kein besonderer Luxus, sondern dient der Energieeffizienz – die Wärmeversorgung wird zentral gesteuert. Möglicher Energieverschwendung wird somit ein Riegel vorgeschoben.

40 Prozent Familien

Unter den neuen Bewohnern, die aus Steglitz-Zehlendorf kommen, sind etwa 40 Prozent Familien und 60 Prozent Alleinreisende, vor allem Männer, teilte die LAF-Präsidentin mit. Senatorin Breitenbach freut sich darüber, dass diese nach einem Jahr in Turnhallen in menschenwürdige Behausungen einziehen können: „Das bedeutet für diese Menschen eine großartige Verbesserung ihrer Lebensqualität.“ 10 Turnhallen in der Stadt sind bereits freigezogen, mit denen aus Steglitz-Zehlendorf werden es 5 mehr sein. Bis zum Ende des ersten Quartals 2017 sollen alle Hallen, die als Notquartiere für Geflüchtete dienen, freigezogen werden, ist Ziel von Rot-Rot-Grün.

„Termingerecht und in hoher Qualität“

Der Rahmenvertrag für das Landesprogramm zur Errichtung der modularen Unterkünfte war am 29. Januar 2016 unterzeichnet worden. Stadtentwicklungssenatorin Lompscher freute sich, dass nunmehr die erste Unterkunft „termingerecht und in hoher Qualität“ fertiggestellt wurde. Insgesamt zehn MUF sind vorgesehen, neun davon befinden sich aktuell in Vorbereitung oder in Bau. Eine zehnte soll in Steglitz-Zehlendorf (Leonorenstraße) entstehen. Die Unterkunft in der Wittenberger Straße kostete 17,8 Millionen Euro, das Gesamtprogramm hat einen Etat von 200 Millionen Euro. Finanziert wird es aus dem Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt (SIWA) und dem Integrationsfonds von Bund und Land. Die in serieller Bauweise errichteten Häuser haben eine Haltbarkeit von 100 Jahren und können später auch als Studentenheime oder Wohnhäuser genutzt werden.

Für Schul- und Kitaplätze gesorgt

Speziell bedankte sich Senatorin Breitenbach beim Bezirk Marzahn-Hellersdorf, der in den vergangenen Wochen engagiert dran gearbeitet habe, auch die Infrastruktur für die neuen Bewohner zu schaffen – vor allem für die erforderlichen Schul- und Kitaplätze zu sorgen. Dass es nicht ideal ist, die Menschen von einem Ende der Stadt ans andere zu verpflanzen, gibt die Senatorin zu: „Aber es geht zuallererst jetzt darum, Menschen aus elenden Lebenssituationen zu befreien.“

Die meisten MUF der Stadt

Marzahn-Hellersdorf ist der Berliner Bezirk, der mit vier modularen Unterkünften die meisten in der Stadt erhält. „Das ist der Politik der vergangenen Legislaturperiode geschuldet“, sagt Bürgermeisterin Dagmar Pohle. Für den Bezirk ist das nicht ganz leicht zu verkraften, vor allem weil die MUF meist in Gebieten mit schwacher Sozialstruktur entstehen. Dennoch habe man sich darauf eingestellt und alle Stadtteilzentren mit projektbezogenen Mitteln für eine Willkommenskultur ausgestattet, zudem gebe es weiterhin viele Freiwillige, die bei der Integration der Geflüchteten helfen. Gegenwärtig gibt es im Bezirk sieben Unterkünfte aller Art für ca. 2.200 Geflüchtete. Mit den vier geplanten MUF, einem sogenannten Tempohome (Containerunterkunft) und einer weiteren Notunterkunft werden laut Pohle noch einmal so viele Geflüchtete und Asylbewerber dazukommen.

Anwohner schon frühzeitig unterrichtet

Pohle sagt, dass schon frühzeitig über die modulare Unterkunft an der Bitterfelder Straße unterrichtet wurde. Die Anwohnerversammlung am Freitagnachmittag sei die dritte dieser Art. Außerdem habe es regelmäßig Sprechstunden im Kiez dazu gegeben, die im Treff „Sonnenschein“ stattfanden. Auf Vorwürfe des Abgeordneten Gunnar Norbert Lindemann (AfD), der sich im sozialen Netzwerk Facebook über gezielte Desinformation beklagte, sagte sie: „Jeder, der sich informieren wollte, konnte das.“ Als Abgeordneter hätte er übrigens auch am Pressetermin teilnehmen können wie es Stefan Ziller von der bündnisgrünen Fraktion tat.

 

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