Künstler aus Singapur malen mit Lichtenberger Kids

Mit Pinsel und Sprühdose

10.06.2014, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Lichtenberg. Michelle (23) aus Nepal und der 13-jährige Thorben, der die siebte Klasse der Schule am Rathaus besucht, sind in ihr Werk vertieft. Konzentriert ziehen sie Pinselstriche. Eine lustige Eule ist schon fertig, jetzt geht es an eine Woge azurblauen Wassers. Die Bilder werden gemalt und gesprayt. Sie sollen die bereits in die Jahre gekommene Kreativmauer des Jugendkulturzentrums Linse in der Parkaue verschönern. Gemeinsam mit der Künstlergruppe Social Creatives aus Singapur gestalten dort Lichtenberger Kinder und Jugendliche ein Wandbild. Noch am Dienstag, 10. Juni, und am Mittwoch können Kids jeweils ab 14 Uhr dazukommen und mitmachen.

„Legal Vadalism“
Die Künstler aus Singapur sind in dem asiatischen Stadtstaat für ihre bunten und fantasievollen Wandgemälde bekannt, die sie zusammen mit Jugendlichen schaffen. Die etwa 30-köpfige Truppe versteht sich als Non-Profit-Organisation. „Legal Vandalism“ nennt Faris Abdulkadir Basharahil augenzwinkernd das, was sie gemeinsam mit jungen Leuten praktizieren. Statt Schmierereien kommt Kunst aus der Sprühdose – Graffiti und Malereien von Social Creatives bereichern die Stadt. Faris Abdulkadir Basharahil ist der Leiter der sieben Social-Creatives-Mitglieder, die sich seit dem 3. Juni für zwei Wochen in Berlin aufhalten.

Christian Awe vermittelte den Kontakt
Einmal im Jahr reisen Mitglieder von Social Creatives in andere Länder, um zu arbeiten und die dortige Kunstszene kennenzulernen. Vor zwei Jahren waren sie in Russland, 2013 im kanadischen Toronto. Dass sie jetzt nach Lichtenberg gekommen sind, hängt vor allem mit Christian Awe zusammen. Der 35-Jährige, inzwischen ein international bekannter Künstler, hat seine Wurzeln in Street Art – und in Lichtenberg. Dort ist er aufgewachsen, dort hat er noch immer sein Atelier, auch wenn er längst schon in der ganzen Welt zu Hause ist. Allein in den nächsten 14 Tagen fliegt er nach Los Angeles, Miami und Basel, zu Ausstellungen mit seinen Werken. Dass er sich seinem Heimatbezirk noch immer verbunden fühlt, zeigt nicht nur das 500 Quadratmeter große Wandgemälde an einem Elfgeschosser in der Frankfurter Allee, das er im Jahr 2012 gestaltete. Awe wirkt auch bei Lichtenberg Open Art (LOA) mit, einer Initiative der Wohnungsbaugesellschaft Howoge für Kunst und Nachwuchsförderung. In diesem Zusammenhang kam, ziemlich kurzfristig, der Kontakt mit den Singapurernzustande. „Wir freuen uns, dass im Jugendkulturzentrum ‘Linse’ ein solches Gemeinschaftsprojekt durchgeführt wird“, sagt Lichtenbergs Kulturstadträtin Kerstin Beurich (SPD).

Ist es jetzt noch eine relativ kleine Wand, die die Künstler aus Singapur gemeinsam mit den Lichtenberger Kids gestalten, könnten in Zukunft größere Projekte in Angriff genommen werden: „Wir hoffen auf eine längerfristige Kooperation“, sagt Awe.

Bezirk als Freiluftgalerie
Denn Lichtenberg soll künftig zu einer riesigen Freiluftgalerie werden. Neben Awes farbintensivem Giebel gibt es im Bezirk bereits das durch den spanischen Maler Gustavo gestaltete Doppelhochhaus an der Franz-Jacob-Straße und das sogenannte Friedrichsfelder Tryptichon der französischen Künstlergruppe CitéCreation aus Lyon. In dieser Woche beginnen die Vorarbeiten für das nächste Riesen-Wandbild, das das US-amerikanische Duo JBAK – James Bullough und Addison Karl – schaffen wird. Der offizielle Start der Arbeiten am Haus Landsberger Allee 228 B ist am 16. Juni. „Während der Umsetzungsphase des Kunstwerkes stehen die Künstler den Anwohnern und Interessierten jeden Mittwoch von 18 bis 20 Uhr Rede und Antwort“, sagt Petra Grampe, die bei der Howoge verantwortlich für LOA ist. Treff ist, je nach Wetterlage, die Freifläche vor der Giebelwand oder der LOA-Container auf dem benachbarten Parkplatz. Außerdem findet am 16. Juli von 14 bis 18 Uhr ein offener Kreativworkshop für Kinder und Jugendliche mit Bullough und Karl statt. Wer schon immer mal den richtigen Umgang mit Spraydosen und Schablonen lernen wollte, könne gern vorbeikommen, sagt Petra Grampe. Zum Abschluss der Arbeiten sei am 5. September ein großes Fassadenfest geplant.

Weitere soziale Kunstprojekte
Auch Christian Awe wird im Sommer soziale Kunstprojekte mit Lichtenberger und Marzahn-Hellersdorfer Kindern durchführen – es sind Workshops mit dem SOS-Kinderdorf in Hellersdorf, der Peter-Pan-Grundschule in Marzahn und der Lichtenberger Puschkin-Schule geplant.

 

 

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