Vierte "Herzberger Lichter" - inklusives Kulturfest für alle

Mit Herz und Vision

28.06.2017, Anne Langert

Fotos: R.Jappe (1,4), J. Zappner (2-3,6), privat (5), S.R. Skelton (7)

Lichtenberg. Eigentlich hat Zlata Findeis als Produktionsleiterin über 40 Jahre lang an Kino- und Fernsehfilmen die Geschicke gelenkt. So mancher Film davon war sogar nominiert, bei den Oscar-Verleihungen zum Beispiel oder den Golden Globes. Auch die eine oder andere Serie wie „Alarm für Cobra 11“ ist ihr zu verdanken. Umso interessanter ist es, dass sich Findeis mit ihrem Ruhestand heute einem ganz anderen Projekt widmet: Sie ist Initiatorin des Kulturfestes „Herzberger Lichter“, das am 8. Juli in und am Kesselhaus Herzberge bereits zum vierten Mal stattfindet.

Inklusives Fest – einfach genießen

20 Künstlergruppen hat die gebürtige Tschechin dafür gewinnen können. Zwei Bühnen gibt es, eine Schlemmermeile und viele Überraschungen. Wie in jedem Jahr wird es auch in diesem ein inklusives Fest sein. „Hier ist jeder willkommen: Menschen aller Altersgruppen, mit und ohne Behinderung oder Migrationshintergrund“, sagt sie. „Ziel ist es, einfach unbefangen aufeinander zu treffen und gemeinsam den Tag zu genießen.“

Das war auch ihre Vision. Damals, vor über vier Jahren, als sie zum ersten Mal auf das Museum Kesselhaus und den Landschaftspark Herzberge traf. „Ich war fasziniert von der Umgebung. Da kam mir die Idee“, erinnert sie sich. „Kultur verbindet ja. Sie baut Brücken zu den Menschen, die sich sonst im Alltag so nicht begegnen würden.“ Ihre Idee traf auf Zuspruch. Gerade im letzten Jahr kamen damit etwa 1.000 Besucher zusammen.

Stolz auf die Mutter

Inklusion sei für Zlata Findeis schon immer ein Thema gewesen. Hat sie selbst in ihrem Heimatland, der einst tschechoslowakischen Republik, Ausgrenzung erfahren: Mit der stalinistischen Ära wuchs sie im Ghetto auf. Ihre Mutter gehörte zur repressierten bürgerlichen Schicht: Zu kritisch stand sie damals dem System gegenüber, zu laut hat sie ihre Meinung geäußert. Wenn sie heute über diese Zeit nachdenkt, ist sie ein wenig stolz auf ihre Mutter. Auch wenn das Leben dadurch nicht einfacher war.

Findeis kommt aus einem Land mit vielen Krisen und Umbrüchen. 1968 verließ sie als Sportstudentin in Prag ihre Heimat. Sie studierte in Wien Psychologie. In München folgte ein Abschluss in Politologie, bevor sie auf Umwegen zum Film kam und sich schlussendlich in Berlin – Charlottenburg niederließ.

Vielleicht, so sagt sie, sei ihre Vergangenheit der Grund, warum sie heute im Ruhestand versucht, unterschiedliche Menschen mit ihrem Fest näher zu bringen. Sie will Barrieren abbauen, die in den Köpfen entstehen. „Gerade in Zeiten wie diesen, ist es doch wichtig, ein Zeichen für Toleranz zu setzen.“

Aus Kleinem etwas Großes machen

Dass Zlata Findeis heute gemeinsam mit ihrem Mann das Fest in Eigenregie und vor allem ehrenamtlich stemmt, mag man beim Anblick des jährlichen Ergebnisses nicht glauben. Statt sich zur Ruhe zu setzen, trommelt sie Künstler zusammen, erstellt Zeit- und Ablaufpläne, organisiert viel am Telefon und vor Ort. Ihr Mann entwickelt die Plakate dazu, kümmert sich um den Medienauftritt und die Bilder. „Ja, es ist viel Arbeit. Aber wenn man das Ergebnis sieht, die vielen lächelnden Gesichter, dann geht mein Herz dabei auf“, sagt sie. Selbst, wenn sie bei zu geringem Sponsorenaufkommen vieles aus der eigenen Tasche bezahlt. Gerade im letzten Jahr gab es mit 40 Künstlergruppen auf vier Bühnen viele Herausforderungen.

Beschweren will sie sich aber nicht. So eine Frau ist sie nicht. Im Gegenteil. Wenn Zlata Findeis über das Mammut-Projekt redet, strahlen ihre Augen. Dann sind Tatendrang und Lebensenergie zu spüren. Sie hat viele Chancen genutzt in ihrem Leben. Und das hier sei etwas ganz Besonderes. Kann sie doch damit etwas bewirken, aus etwas Kleinem etwas Großes machen. „Oder wie ein schönes Sprichwort sagt: Aus einem winzigen Funken kann eine mächtige Flamme werden.“ In ihrem Sinne sind es die „Herzberger Lichter“.

Blick in das Programm

Am Sonnabend, 8. Juli, von 15 bis 22 Uhr findet das Kulturfest „Herzberger Lichter“ statt. Anders als in den Jahren zuvor, konnte für die diesjährige Veranstaltung allerdings nicht das gesamte Gelände des Krankenhauses Herzberge zur Verfügung gestellt werden. Dafür halten das Museum Kesselhaus Herzberge sowie der angrenzende Apfelhain je eine Bühne für insgesamt 20 Künstlergruppen bereit. Ob professionelle-, semiprofessionelle- oder Laienkünstler, wie Klienten sozialer Einrichtungen: Sie alle warten mit einem Programm für die gesamte Familie auf.

Von Drachentanz bis Männerballett. Bereits im letzten Jahr waren sie vertreten: Vier Männer vom Verein Narrengilde, die zu Samba und Can Can ihr Bestes gaben. Mit einer neuen Ballett-Choreographie wollen die „Lady Boys“ auch in diesem Jahr ihr Können auf humorvolle Weise präsentieren. So auch die Seniorengruppe „Tap for you“, die mit viel Power und Schwung neue Stepptänze präsentiert. Getanzt und getrommelt wird hingegen bei den vietnamesischen Jugendlichen des Vereins „Danke Deutschland“. Nach traditioneller Art präsentiert die Gruppe ihren Drachentanz.

Zwischen Jazz, Klassik und Rock: Ob Schlager mit dem preisgekrönten Albert Bleul, gute Laune Rock- und Popmusik mit der Band „Sushi for Bob“ oder jüdische Anekdoten des evangelischen Theologen Olaf Ruhl: Auch in diesem Jahr ist die musikalische Bandbreite groß. So gibt die Gesangsgruppe „Frosi“ Deutsche Evergreens und Popsongs zum Besten. Das Duo „Wrap your troubles“ wiederum präsentiert Jazz und Swing auf Violine und Kontrabass, während Frau Schwalbe mit ihren chansonalen Liedern so manchen zum Schmunzeln bringt. Highlight ist Helmut Engel, der zu den erfolgreichsten deutschen Musikern und Komponisten des Jazz gehört.

Zum Staunen, Mitmachen und Schlemmen: Auch für die kleinen Gäste ist was dabei. Ein Clown und Riesenseifenblasen von „Salamandra“ sorgen für Abwechslung. Neben Schlemmerbuden warten Lesungen, wie von der Gruppe „Die Auserlesenden“. Bei der Erstellung des längsten Bildes Berlins können sich die Besucher selbst beteiligen – gemeinsam mit geflüchteten Kindern sowie Kindern, die eine Behinderung haben. Mitmachen können die Gäste aber auch beim „Herzberger Lichter Blues“. Schauspieler und Musiker Dieter F. Schmidt wird gemeinsam mit dem Publikum komponieren.

Der Eintritt ist frei. Weitere Infos gibt es unter www.herzbergerlichter.de
Der Eingang zum Fest befindet sich an der Herzbergstraße 79.

 

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