Modellprojekt macht Bewegungsangebote für Kitakinder und Eltern

„Minis ganz groß“

27.02.2015, Andrea Scheuring

Fotos: Andrea Scheuring. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Lichtenberg / Hohenschönhausen. Mit neugierigen, zugleich etwas verunsicherten Blicken betreten die zehn Knirpse an diesem Donnerstagvormittag, 26. Februar, den Sportraum im 2. Stock ihrer Kita „Matt Lamb“ in der Konrad-Wolf-Straße 45. Die Sache ist ihnen nicht ganz geheuer: Überall stehen Erwachsene herum, klicken Fotoapparate, strahlen Blitzgeräte. Bevor – wie an jedem Donnerstag – gleich gehüpft, gelaufen und geklettert wird, erklärt Sportpädagogin Stefanie Jauch den Mädchen und Jungen erst einmal den Grund der Besucherschar. Heute wird das Modellprojekt „Minis ganz groß“ vorgestellt. Unter diesem Motto hat das neu gegründete „Lichtenberger Bündnis für Bewegung, Bildung und Teilhabe“ ein spezielles Bewegungs- und Freizeitprogramm entwickelt, das Vorschulkinder und ihre Eltern in jenen Stadtteilen erreichen soll, in denen vermehrt sozial und wirtschaftlich benachteiligte Familien leben. „Wir sind froh, dieses Angebot in vier Kitas unterbreiten zu können, ohne dass den Eltern dafür zusätzliche Kosten entstehen“, betont Jugend- und Gesundheitsstadträtin Dr. Sandra Obermeyer (parteilos für Die Linke), die zugleich als Schirmherrin des Vorhabens fungiert.

Bedarf in sozialen Brennpunktgebieten
Hintergrund des Projektes, das mit insgesamt 15.000 Euro aus dem Programm „Kultur macht stark“ finanziert wird, sind die Ergebnisse der jährlich stattfindenden Einschulungsuntersuchungen im Bezirk, die aufgezeigt haben, dass Kinder aus sogenannten sozialen Brennpunktgebieten schlechter in den motorischen Übungen abschneiden als etwa ihre Altersgenossen in anderen Sozialräumen. „Diese Defizite wollen wir mit unserem Projekt beheben helfen“, erklärt Marc Schmid vom SV Tora Berlin e.V.. Der Sportverein für Reha, Gymnastik, Tanz, Fußball und Karate – der mittlerweile mehr als 2.000 Mitglieder zählt und über Angebote im offenen Ganztagsbetrieb bisher Sport-Kooperationen mit gut 40 Berliner Schulen unterhält – ist einer der Bündnispartner in Lichtenberg.

Bewegung und Sprachentwicklung im Fokus
In den beteiligten vier Kitas „Löwenzahn“ (Falkenberger Chaussee), „Fiorella“ (Wiecker Straße), „Wirbelwind“ (Warnemünder Straße) und eben „Matt Lamb“ können seit Start des ganzjährigen Projektes im Februar 2015 insgesamt 60 Kinder im Alter zwischen 4 und 6 Jahren kostenlos an den wöchentlichen Bewegungsangeboten teilnehmen. „Das wird gut angenommen. Für die Kinder ist es eine Bereicherung. Sie können dabei nicht nur Sport treiben, sondern auch miteinander kommunizieren lernen“, sagt Sabine Skodowski, Leiterin der Kita „Matt Lamb“, und verweist darauf, dass etwa 70 Prozent der Kinder in ihrer Kita einen Migrationshintergrund haben. Die Förderung einer ganzheitlichen Entwicklung der Kinder unterstreicht auch Marc Schmid: „Ein Ziel des Modellprojektes ist es, Bewegung, Sport und Spiel in den Alltag der Kinder integrieren zu helfen. Dabei wird zugleich auch die sprachliche Entwicklung unterstützt und eine Bildungsteilhabe erreicht.“

Nachhaltige Ausrichtung des Pilotprojektes
Neben dem SV Tora Berlin e.V. engagieren sich auch das Kinderhaus Mark-Brandenburg, die firmaris gGmbH und sowie die Wohnungsbaugesellschaft bbg im neuen Lichtenberger Bündnis. Im Kinderhaus soll den Kindern und ihren Eltern beispielsweise ab April die Möglichkeit eröffnet werden, kostenlos an einem wöchentlich stattfindenden Vereinssportangebot am Nachmittag teilzunehmen. Daneben ist u.a. eine „Kiezrallye“ mit Kitakindern und Erziehern geplant, bei der gemeinsam Bewegungsmöglichkeiten „draußen“ im Kiez erkundet werden. Diese sollen dann im Sommer den Eltern bei einem Info-Abend vorgestellt werden, bei dem es auch um „Bewegung und Ernährung“ der Jüngsten gehen wird. „Die Eltern sollen sich in ihrem Kiez auskennen, damit sie auch außerhalb der Kita diese Spiel-, Sport- und andere Plätze mit ihren Kindern nutzen können“, erklärt Marc Schmid die nachhaltige Ausrichtung des Projektes, welches nach der einjährigen Pilotphase vom sozialpädagogischen Institut Stiftung SPI evaluiert und fortgesetzt werden soll.

 

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