Am 15. Juli startet in Marzahn die Spaceparade 2.0

Mehr Liebe Wagen

21.02.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1,2), Klaus Tessmann (3-7) Zum Vergrößern bitte auf das Startbild klicken!

Marzahn-Hellersdorf. Auf mindestens 5.000 Teilnehmer hofft der bezirkliche Integrationbeauftragte Dr. Thomas Bryant am 15. Juli. An dem Sonnabend soll genau um 11.55 Uhr am S-Bahnhof Springpfuhl ein bunter Zug von Lkw, Rikschas und Radlern durch den Bezirk starten – die kostümierten Teilnehmer werden Musik machen und tanzen. Die Spaceparade unter dem Titel „Mehr Liebe Wagen“ (Dancing for Future) soll jedoch weder eine kleine Love Parade sein, obwohl auch dort Techno die vorherrschende Musikrichtung sein wird, noch ein Abklatsch vom „Zug der Liebe“. Sie ist als bunte, laute und fröhliche Demonstration mit verschiedenen Stationen gedacht, die für ein fried- und respektvolles Miteinander wirbt, gegen Gewalt, Hass und Rassismus. „Aus Marzahn-Hellersdorf kamen in den vergangenen Jahren in den Medien andere Bilder, so jene von Neonazi-Demos und Nein-Zum-Heim-Umzügen“, so Bryant bei der Vorstellung am Montag, 20. Februar. „Dem wollen wir etwas entgegensetzen, zeigen, wie vielfältig und lebenswert der Bezirk ist.“ Ausdrücklich zum Mitmachen eingeladen würden die Neu-Marzahner und Neu-Hellersdorfer. Nicht nur Geflüchtete, sondern auch Roma und Spätaussiedler.

Weitere Mitwirkende gesucht

Unter dem Dach des Bündnisses für Demokratie und Toleranz, in dem sich Parteien, Gewerkschaften, Institutionen, Vereine, aber auch Einzelpersonen engagieren, hat sich inzwischen ein Organisationskomitee für den Techno-Umzug gebildet. Es gibt bereits zahlreiche Unterstützer, darunter aus demokratischen Parteien von CDU bis Linke. Schirmherrin des Events ist Marzahn-Hellersdorfs Bürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke). Weitere Mitwirkende und Helfer werden gesucht, sagt der Sozialtherapeut Gustav Wöhrmann, der die etwas andere Demonstration bereits kurz nach den Wahlen am 18. September 2016 angemeldet hat. „Als ein Fest der Demokratie“, sagt er. Mit 8.000 Euro wird das Vorhaben aus dem Berliner Masterplan Integration und Sicherheit gefördert.

„Den Bezirk nicht wegnehmen lassen“

Matthias Bielor von der Spielplatzinitiative Marzahn, ebenfalls an der Organisation beteiligt, erinnert daran, dass es bereits 1999 bis 2002 die United Space Parade in Marzahn gab, ein bunter Zug entlang der Allee Kosmonauten. Dieser wurde damals vom Verein Kids & Co organisiert und hatte anfangs 1.000 Mitwirkende. Im Jahr 2002 liefen sogar 5.000 Kinder und Erwachsene mit. Damals sei es allerdings eher um die Raumfahrt gegangen – den Orbit mit Raketen und Satelliten, die Kinder trugen glänzende Kosmonautenkostüme. Sogar Sigmund Jähn, der erste Deutsche im All, kam nach Marzahn. „Wir bleiben am Boden“, sagt Bielor. „Wir wollen hier dazu beitragen, dass die Menschen sich wohlfühlen, dass sie beginnen, ihren Kiez mitzugestalten, indem sie den öffentlichen Raum in Besitz nehmen, sich dort treffen und kommunizieren.“ Thomas Bryant nennt die Veranstaltung „eine Spaceparade 2.0“: Die Botschaft sei: „Wir lassen uns den Bezirk nicht von jenen wegnehmen, die Angst und Hass verbreiten.“

Mitmachen kann jeder, der die Ziele teilt

Noch steht die Strecke nicht fest, auch nicht der Endpunkt der Parade. Beides muss mit der Polizei abgestimmt werden. Und zu den bisher zehn Wagen sollen noch viele andere kommen – auch aus anderen Bezirken. Laut Wöhrmann gibt es bereits die Zusage einer Gruppe aus Reinickendorf, weitere werden erwartet. Wer mitmachen will, kann sich an Elisabeth Peters von der bezirklichen Koordinierungsstelle für Demokratieentwicklung Polis wenden, Tel. 902 93 20 60, E-Mail: polis@stiftung-spi.de bzw. Kontakt über Facebook aufnehmen . Mitmachen kann jeder, der die Ziele der Veranstalter teilt. Es wird keine Wagen von Parteien geben.

 

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