Die Vordenker des Kommunismus als City Skins in Hellersdorf

Marx und Engels als Pappkameraden

22.05.2017, Regina Friedrich

Fotos: Regina Friedrich

Hellersdorf. In Mitte wollte man sie nicht mehr, ob sie in Hellersdorf willkommen sind, wird sich zeigen. Quietschbunt und aus Papiermaché stehen die beiden Urgesteine des Kommunismus als Installation „City Skins – Marx und Engels“ seit Sonnabend, 20. Mai, bis Sonntag, bis 28. Mai, auf dem historischen Hügel am U-Bahnhof Cottbusser Platz.

Die Klassiker in Siebdruck statt Bronze

Was gibt’s denn da? Passanten, die aus dem U-Bahnhof Cottbusser Platz kommen, staunen. Ja, hier ist wieder Action. In den vergangenen Tagen hatten die Macher des Projekts „Mitte in der Pampa“ schon für reichlich Aufmerksamkeit gesorgt, wie mit dem Aufbau und Sturz der Siegessäule gleich nebenan.

Sind das nicht …? Ja, sie sind es wirklich. Karl Marx und Friedrich Engels höchst selbst geben sich die Ehre. Allerdings sehen sie etwas anders aus, als so mancher sie vielleicht noch von ihrem alten Standplatz auf dem Marx-Engels-Forum in Mitte in Erinnerung hat. Das Berliner Künstlerduo Various & Gould hat Hand an sie gelegt und von den originalen Bronzefiguren Papierabformungen aus Siebdruck angefertigt. Diese sehen ein bisschen aus wie Schnitt- oder Häkelmuster. Das sei aber eher zufällig und läge im Auge des Betrachters, versichern die beiden. Es ist nicht ihre erste Arbeit dieser Art. Sie haben auch schon aus den „Lesenden Arbeiter“ im Hof der Staatsbibliothek zu Berlin einen „Pappkameraden“ gemacht. Und nun also die beiden in Bronze gegossenen, 1986 aufgestellten Heroen der untergangenen DDR. Sie wollten dem schweren, geschichtsträchtigen Metall etwas Leichtes entgegensetzen, sagen die Künstler. Ironie der Geschichte: Die beiden haben wie der Schöpfer der Metallfiguren, Ludwig Engelhardt, an der Kunsthochschule in Weißensee studiert. Während der 2001 verstorbene Engelhardt mit Metall und Stein arbeitete und für das Marx-Engels-Denkmal den Nationalpreis der DDR 1. Klasse erhielt, widmen sich Various & Gould mit Papier und Farbe der Urban Street Art, manchmal haarscharf am Rande der Legalität. Diesmal ist aber alles vom Bezirksamt erlaubt worden.

Umringt von Plattenbauten – so alt wie die Bronzeskulptur

Der Standort ist nicht zufällig gewählt. Einerseits ist die grüne Brache am U-Bahnhof Cottbusser Platz seit dem vergangenen Jahr eine Aktionsfläche des Projektes „Mitte in der Pampa“, Teil des internationalen Kunstwettbewerbs „Kunst im Untergrund 2016/17“ entlang der U-Bahn-Linie U5. Andererseits stand dort sozusagen die Wiege Hellersdorfs. Die Metallstelen markieren den Umriss der ehemaligen Dorfkirche aus dem 14. Jahrhundert. Marx und Engels, deren Metallfiguren nach ihrem Umzug wegen des Verlängerungsbaus der U5 in Mitte nun nach Westen zum Brandenburger Tor schauen, sind mit dem Standort für die „Pappkameraden“ nun wieder im Osten angekommen. Dorthin wies das Denkmal in der City ursprünglich. Various & Gould wollen mit ihrem Projekt einen Diskurs über Symbolkraft im öffentlichen Raum, über Stadtplanung und die Verhältnismäßigkeit von Zentrum und Peripherie anstoßen. Dazu gehört auch, zu erforschen, wie mit repräsentativen Denkmälern vergangener Epochen umgegangen wird. Für sie ist interessant zu beobachten, welche der monumentalen Zeitzeugen bleiben, welche nicht und warum.

Totgesagte leben länger

Jan Kage, Kunst- und Kulturarbeiter aus Kreuzberg, hat dazu seine eigene Erklärung. Totgesagte leben länger und seit der Finanzkrise 2008 wird wieder vermehrt im „Kapital“ gelesen, bemerkt er kurz vor der Enthüllung der beiden Urheber der „Kritik der politischen Ökonomie“. In Bronze erstarrt hatten sie schon den Sozialismus gehen und den Kapitalismus kommen sehen. Dann waren sie, abseits der Touristenpfade in der Stadtmitte, etwas in Vergessenheit geraten. Und nun stehen die beiden aus Pappe mitten im Osten, umringt von Plattenbauten, die zur gleichen Zeit entstanden wie die Metallskulptur.

Fester Standplatz in Hellersdorf?

Wenn sie ihren Aufenthalt in Hellersdorf unbeschadet überstehen, werden sie vielleicht ganz in der Nähe einen festen Standplatz finden. Wann und wo steht aber noch nicht fest. Bis zum 24. Juni gibt es in der station urbaner kulturen am Kastanienboulevard eine Fotodokumentation zu den „City Skins“, geöffnet Donnerstag bis Sonntag von 15 bis 19 Uhr.

Am nächsten Sonntag wird getanzt

Schon mal zum Vormerken: „Mitte in der Pampa“geht weiter. Am Sonntag, 28. Mai, verwandelt die Künstlerin Katrin Glanz den „Place Internationale“, wie die grüne Brache von den Machern des Kunstwettbewerbs genannt wird, ab 15 Uhr in den „Hellersdorfer Tanzplatz“. Auf der Fläche an der Maxie-Wander-Straße gibt es dann Volkstänze und internationale Geselligkeit. Mehr Infos dazu hier.

 

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