Bilder von Armgard Röhl in der „Kiste“ und bei

Zauber des Farbenspiels

15.06.2017, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann

Mahlsdorf/Marzahn-Hellersdorf. Das Atelier von Armgard Röhl am Hultschiner Damm 152 ist eher eine Galerie als eine Arbeitsstube. An den Wänden hängen ihre Bilder, Schränke und Schubladen sind voll von Grafiken, Bildern in Öl oder Aquarellen. Am Kultursonntag „Kunst: offen“, 18. Juni, wo sich 35 Galerien, Studios und Kultureinrichtungen von Marzahn-Hellersdorf vorstellen, lädt auch Armgard Röhl von 10 bis 18 Uhr ein. Es gibt Gespräche mit der Künstlerin bei Kaffee, Tee und Gebäck, begleitet von Klaviermusik. Eintritt muss weder bei ihr noch bei allen anderen Beteiligten gezahlt werden.

Eigene Sicht auf die Natur

Seit frühester Kindheit malt die 70-Jährige, die in Biesenthal (Barnim) das Licht der Welt erblickte. Sie ist auf dem Lande aufgewachsen, das spiegelt sich auch in ihren Bildern wider. „Ich stelle die Natur dar, so wie ich sie sehe“, sagte sie vor einigen Tagen bei der Eröffnung ihrer Ausstellung in der Hellersdorfer „Kiste“, Heidenauer Straße 10. Armgard Röhl hat ihre eigene Sicht auf die Umwelt bewahrt. Sie zeichnet Landschaften, wie sie einmal waren, bevor die Monokultur der Landwirtschaft viele Kräuter und Gräser verdrängte.

Seit einem halben Jahrhundert lebt und arbeitet die Malerin in Mahlsdorf. Vorher wohnte sie in Friedrichshain, im zweiten Hinterhof. „Ich wollte da raus, ich wollte ins Grüne, ich wollte Getreidefelder sehen.“ Sie bekam aber eine Zuweisung für eine Neubauwohnung im Weißenseer Weg. Zufällig sah sie eine Anzeige, dass ein Mahlsdorfer sein Haus gegen eine Neubauwohnung tauschen wollte. Das Gebäude war marode, der Garten ungepflegt. Armgard Röhl deckte das kaputte Dach, verputzte die Wände, machte ein Schmuckstück aus der Ruine. Der Garten wurde eine Naturoase mit Bäumen, Sträuchern und vielen Kräutern. Vögel nisten in den Bäumen, die Eichhörnchen kommen zum Frühstück vorbei – es ist eine Idylle.

Als Agraringenieurin ins Modeinstitut

Ursprünglich hatte Armgard Röhl den Beruf einer Agraringenieurin erlernt. Als Quereinsteigerin kam sie über das Berliner Modeinstitut, wo sie von 1968 bis 1973 arbeitete, zur Malerei. „Ich habe tagsüber gezeichnet, abends habe ich das Abitur nachgeholt.“ Auch die Handelsschule absolvierte sie. Später studierte sie an der Kunsthochschule im sogenannten Frauensonderstudienprogramm. „Ich wollte eigentlich immer nur malen“, sagt die Künstlerin. Im Studio Bildende Kunst in Köpenick unternahm sie in den 1970er-Jahren erste Schritte in der Malerei und Druckgrafik. Damals sind viele Verbindungen zur Köpenicker Kunst- und Kulturszene entstanden, die bis heute halten. So hat sie den Köpenicker Kunstkalender illustriert, ebenfalls eine Textsammlung der Künstler vom Müggelsee.

Bilder von Armgard Röhl sind in vielen Galerien in der Welt zu sehen. Jüngste Ausstellungen hatte sie in den USA, in Brasilien, in Mexiko, in Neapel und in Venedig. Besonders stolz ist sie darauf, dass zwei Bilder von einer internationalen Jury für die „Feminale“ in Neapel ausgewählt worden sind.

Ihre Motive findet die Künstlerin oft unterwegs. Sie hält in einem kleinen Notizbuch fest, was sie sieht. „Dabei kommt es mir auf Situationen und die Körpersprache von Menschen an“, erklärt Armgard Röhl. In ihrem Atelier am Hultschiner Damm sind nicht nur ihre eigenen Bilder, sondern auch Werke andere Künstler zu sehen.

Erste Werkschau im Kunsthaus Flora

Eigentlich wollte sie nie Personalausstellungen, sie hatte immer gemeinsam mit anderen Künstlern ausgestellt. „Doch das änderte sich, vor vier Jahren hatte ich dann doch meine erste eigene Ausstellung im Mahlsdorfer Kunsthaus Flora in der Florastraße 113 “, sagt die Malerin. Weitere Expositionen sollten folgen. So stellte Armgard Röhl im vergangenen Jahr anlässlich ihres 70. Geburtstages im Cafe Mahlsdorf am Hultschiner Damm aus, später an weiteren Orten in Marzahn-Hellersdorf wie derzeit in der „Kiste“.

„Kunst: offen“ löste im vergangenen Jahr das seit 2005 jährlich bezirksweit organisierte Kulturwochenende „kultour à la carte“ ab. Man wollte nicht nur etwas Neues ausprobieren, sondern auch dem Umstand Rechnung tragen, dass sich gegenwärtig viele neue Künstlerinnen und Künstler im Bezirk ansiedeln. Zwischen 10 bis 18 Uhr können sich am Sonntag, 18. Juni, Interessierte bei freiem Eintritt einen Überblick über unterschiedlichste Kunstorte und –produzenten verschaffen.

Ausführliche Informationen:
www.kultur-marzahn-hellersdorf.de

 

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