Fahrraddemo fordert durchgehenden Radweg für mehr Sicherheit

Lückenschluss an der Gehrenseebrücke

13.05.2017, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1, 3-14), Holger Koschmidder, camcutvideo (2). Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Hohenschönhausen. Für eine knappe halbe Stunde gehörte den Teilnehmern der angemeldeten Fahrraddemo am Mittwoch, 10. Mai, die Gehrenseestraße ganz alleine – und das in voller Länge, von der Pablo-Picasso-Straße bis zur Wartenberger Straße. Die Polizei hatte sie zur Sicherheit der Fahrradfahrer für den KFZ-Verkehr gesperrt. Rund 30 Demonstranten fuhren mit ihren Rädern einmal hin und einmal her, während sie das Banner mit ihrer Forderung hoch hielten: „Für Autofahrer wird es Zeit zu teilen! Ihnen gehört das Auto, nicht die Straße! Die Straße gehört allen!“

Gefahr nicht nur für Kinder

„Was soll das?“, fragte ein wartender Autofahrer. „Wir sind der falsche Adressat für die Forderung. Klar ist die Straße für alle da!“ Wenn jeder ein bisschen Rücksicht nehme, gehe das schon. Holger Koschmidder von der Hohenschönhausen Kiezinfo wohnt in der Warnitzer Straße und benutzt die Gehrenseestraße häufig, um mit seinem Fahrrad in die Innenstadt zu fahren. „Für mich ist die Enge zu den vorbeifahrenden Autos und LKW nur lästig, gefährlich ist es aber, wenn Kinder und ältere Menschen dort mit dem Rad entlang fahren“, sagt er. Sie wüssten oft nicht, wie sie sich verhalten sollten, denn auf dem Gehweg dürfen sie nicht – und auf der Straße trauen sie sich nicht zu fahren. Oft mangele es eben an der Rücksicht gerade seitens der stärkeren Verkehrsteilnehmer.

Tempo 30 als Sofortmaßnahme

Dabei befinden sich im westlichen Abschnitt der Gehrenseestraße bis zur Brücke über die Fern- und S-Bahngleise beidseitig separate Radwege. Auf der Brücke selbst und bis zur Kreuzung Pablo-Picasso-Straße / Bitterfelder Straße fehlen sie. „Diese Lücke im Radwegesystem muss geschlossen werden“, lautet eine Forderung der Lichtenberger Stadtteilgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e. V. (ADFC). Deren Sprecher, Hans-Joachim Legeler, konkretisiert: „Als Sofortmaßnahme sollte auf der gesamten Gehrenseestraße Tempo 30 gelten. Der Fußweg auf der nördlichen Straßenseite muss so ausgebaut werden, dass er für Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen sicher nutzbar ist.“ Auf der südlichen Straßenseite, wo im Brückenbereich weder für Fußgänger noch für Radfahrer genügend Platz auf dem schmalen Absatz vorhanden ist, müsse mittelfristig eine sichere Lösung gefunden werden. „Wenn die vorhandene Brücke zu schmal ist, dann ist der Bau einer kleinen Zusatzbrücke erforderlich“, so der ADFC-Sprecher. Es gebe auch einen touristischen Aspekt, denn viele Radfahrer aus der Innenstadt würden diese Route in Richtung Falkenberg und Ahrensfelde nutzen.

Kreisverkehr hilft nur KFZ

Warum bei der Grundinstandsetzung der Gehrenseebrücke in den Jahren 2001 bis 2002 nicht an die Radwege gedacht wurde, bleibt unklar. Fakt ist, dass die Brücke zu schmal für das Anlegen von Radspuren ist. Täglich über 17.000 KFZ nutzen die Strecke von und zu den Gewerbegebieten in Marzahn-Hellersdorf und Hohenschönhausen sowie zum Autobahnanschluss. Immer wieder kommt es hier zu schweren Verkehrsunfällen (LiMa+ berichtete)

In einem Antrag der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im April ging es lediglich darum, den Verkehrsfluss aus der Gehrenseestraße in Richtung Pablo–Picasso-Straße, möglicherweise durch einen Kreisverkehr zu verbessern. Die fehlenden Radwege auf der Gehrenseestraße waren kein Thema. Der Antrag wurde in den Ausschuss Öffentliche Ordnung, Verkehr und Bürgerdienste überwiesen. Vielleicht kommen die ADFC-Forderungen ja dort zur Sprache.

 

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