Neue MITRA Lomonossow-Schule in Biesdorf

Einheitskleidung ist Pflicht

29.01.2018, Steffi Bey

Fotos: steffi Bey

Biesdorf. Sogar die historische Turmuhr schlägt wieder. Jede volle Stunde ist ihr Klang zu hören. „Sie stand seit dem Kriegsende still, wir haben sie wieder zum Leben erweckt“, sagt Alexander Ott stolz. Der promovierte Pädagoge ist Koordinator der MITRA Lomonossow-Schulen gemeinnützige GmbH und mehrmals pro Woche in der neu eröffneten Filiale der privaten Bildungseinrichtung zu finden. In dem denkmalgeschützten Gebäude auf dem Areal des ehemaligen Griesinger Krankenhauses sollen Schülern und Lehrern künftig insgesamt 4.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. Zunächst wird etwa die Hälfte der Kapazität genutzt: Rund 100 Erst- und Zweitklässler sind derzeit im linken Flügel untergebracht.

Moderne Atmosphäre im historischem Gebäude

Die ganz Kleinen wurden im September im bereits fertig gestellten sanierten Bereich eingeschult. Helle, beigefarbene Flure mit grün abgesetzten Bereichen geben dem 125 Jahre alten Bau eine moderne Atmosphäre. Kleinteilige, in unterschiedlichen Nuancen schimmernde Fliesen machen auch den Fußboden zu etwas Besonderem. Die Eingangstür, sämtliche Fenster und Fassadensteine haben ebenso in Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden ihr ursprüngliches Aussehen erhalten. Seit Ende 2015 sind die aufwendigen Sanierungsarbeiten im Gang. Die gesamte Elektrik und die Sanitärbereiche wurden ebenfalls erneuert. „Wir gehen davon aus, dass wir die Räume im rechten Flügel in etwa einem Jahr in Betrieb nehmen“, kündigt Ott an. Zunächst sollen eine Küche und eine Mensa eingebaut werden und die große Aula.

In diesen Tagen sind Handwerker unter anderem im Dachgeschoss aktiv: Dort sollen Physik- und Chemieräume unterkommen. Im Souterrain wurde der Boden tiefergelegt, um unter anderem Platz für Werkstätten zu schaffen. Wenn der Schulkoordinator durch das wunderschöne Gebäude am Brebacher Weg führt, kommt er regelrecht ins Schwärmen. Und jeder, der dieses Haus betritt, spürt sofort die einzigartige Atmosphäre einer leistungsorientierten Schule mit einem besonderen Profil.

Maximal 20 Schüler je Klasse

Maximal 20 Schüler gehören zu einer Klasse. Unterrichtet werden sie zweisprachig – und zwar von Muttersprachlern in Deutsch und Russisch. „Die zuständigen Pädagogen synchronisieren deshalb ihre Lehrpläne“, erklärt Ott. So erhalten die Mädchen und Jungen beispielsweise Mathematik, Sachkunde, Musik und Kunst abwechselnd in der einen, dann in der anderen Sprache. Die meisten Kinder unterhalten sich in den Pausen auf Russisch. Das liegt daran, dass rund 90 Prozent von ihnen aus Aussiedler- oder gemischten Familien kommen. Und sie kommen gern in die Schule: „Wir machen hier viele schöne Sachen“, freut sich der siebenjährige Vladislav. Seine Klassenkameradin Eliana findet: „Unsere Lehrer sind toll.“ Alexander Ott weiß durch viele Gespräche mit den Eltern, dass diese das Schulkonzept mittragen und gerne Geschwisterkinder auf die Lomonossow-Schule schicken.

Nachhaltiges und systematisches Lernen

Was macht denn das spezielle Profil aus? An den beiden in Berlin existierenden Internationalen Lomonossow-Schulen – eine Einrichtung befindet sich in Tiergarten, die andere mit Hauptgebäude und einer Filiale in Marzahn – wird nachhaltig und systematisch gelernt. Das bedeutet unter anderem leistungsorientierte Unterrichtsmethoden, gute personelle Ausstattung, kein Unterrichtsausfall und ein transparentes Bewertungssystem. „Ab dem zweiten Halbjahr der ersten Klasse bekommen die Kinder Noten“, betont Ott. Außerdem tragen die Mädchen und Jungen Schulkleidung: Um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und soziale Unterschiede zu novellieren. Und es stehen mehrere Interessengemeinschaften wie Schach, Tischtennis, Theater oder Naturwissenschaften zur Auswahl: „Ziel ist es, dass die Kinder mindestens ein halbes Jahr in einer IG durchhalten“, erklärt der Koordinator.

2018 wird für die Berliner Lomonossow-Schulen wieder ein spannendes Jahr: Erstmals seit Eröffnung mit Beginn des Schuljahres 2006/2007, als die Einrichtung als offene Ganztagsschule ihren Betrieb aufnahm, beenden Jugendliche die zehnte Klasse. Entferntes Ziel ist es, Schüler bis zum Abitur zu führen. Bis zum Sommer soll außerdem in der neuen Filiale im historischen Gebäude von der ersten bis zur sechsten Klasse unterrichtet werden.

Engagiert im interkulturellen Dialog

Seit 2014 werden beide Lomonossow-Schulen durch die MITRA Lomonossow-Schulen GmbH betrieben. Vorher war die Interkulturelle pädagogische Gesellschaft MITRA der Schulträger. Der Verein unterstützt russischsprachige Kinder bei ihrer Integration in das deutsche Schulsystem, leistet Aufklärungsarbeit bei den Eltern und engagiert sich aktiv im interkulturellen Dialog. Für die private Bildungseinrichtung ist Schulgeld zu bezahlen, pro Monat je nach Einkommen der Eltern zwischen 100 und 350 Euro.

Weitere Infos hier…

 

 

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