Freunde Hauptstadtzoos: ehrenamtlich aktiv für Berlins Tiergärten (1)

Lernen und Lehren in der Akademie

03.05.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Mehr als 4.000 Mitglieder hat der Förderverein von Tierpark und Zoo. Die Freunde der Hauptstadtzoos sorgen mit bürgerschaftlichem Engagement für die Entwicklung der Berliner Tiergärten. Sie sammeln nicht nur Spenden für die Einrichtungen, mit denen dort neue Projekte verwirklicht werden können, sondern kümmern sich auch um das Schloss Friedrichsfelde im Tierpark Berlin. Die Wissensvermittlung zu Tierschutz- und Umweltthemen und die Betreuung von Besuchern gehört genauso zur Vereinstätigkeit wie der Einsatz für den Artenschutz. In loser Folge berichten Freunde der Hauptstadtzoos und LiMa+ in einer gemeinsamen Artikelserie über die facettenreiche Tätigkeit.

Heute: Die Akademie der Hauptstadtzoos, ein exklusives Bildungsangebot für Erwachsene.

Besuch bei den Malaienbären

Die beiden Malaienbären haben es sich gemütlich gemacht. In ihrer hochgelegenen Schlafstatt im Gehege sind nur noch dunkelbraune Rücken zu sehen. Warum sollten sie auch aufstehen? Oder sich nach vorn drehen? Es ist ja gerade einmal 10.30 Uhr, Futter gab’s schon und draußen ist es an diesem Tag ungemütlich trübe und kühl. Da kann man durchaus noch mal ein, zwei Stündchen drinnen ruhen. Selbst, wenn Besucher kommen. Diesmal sogar ganz besondere.

Erinnerungen an Dathes „Evi“

Denn die Teilnehmer des vierten Semesters der Akademie der Hauptstadtzoos hören heute keine Vorlesung, sondern sind auf Exkursion im Tierpark Berlin. Das Thema „Bären“ hat sie zuerst zu den tropischen Bären geführt, die noch im früheren Menschenaffenhaus, etwas versteckt nahe dem Tierpark-Eingang am Schloss, untergebracht sind. Nach Umbau des Alfred-Brehm-Hauses zu einem Südostasien-Haus werden sie ein weitaus komfortableres und tiergerechteres Domizil bekommen. Der Förderverein für Tierpark und Zoo sammelt gerade Spenden für eine neue Anlage dort, 150.000 Euro sollen noch in diesem Jahr zusammenkommen. Karin Machwitz (67), die Dozentin, erinnert die Exkursionsteilnehmer an die erste Nachzucht der seit 1956 im Tierpark gehaltenen Malaienbären: das Jungtier „Evi“. Von der Mutter verstoßen, wuchs es im Haus des legendären ersten Tierparkdirektors Prof. Dr. Dr. Heinrich Dathe auf. „So etwas würde heute nicht mehr gemacht“, sagt sie. Nicht nur aus Tierschutzgründen. „Wenn man sich die scharfen Krallen der Malaienbären ansieht, weiß man, dass man danach die ganze Wohnung neu einrichten kann“, sagt Karin Machwitz.

Deutschlandweit einzigartiges Bildungsprojekt

Schon in der alten Tierparkschule, wo üblicherweise die Vorlesungen stattfinden, hat sie etliche bedruckte Blätter ausgeteilt – Informationen über Bären, von der Stammesgeschichte über Lebensweise und Nahrung bis hin zur Bedrohung durch den Menschen. Die Lehrmaterialien hat die frühere Kommunikationstechnikerin selbst erarbeitet. Karin Machwitz gehört zu den Gründungsmitgliedern der 2010 gestarteten Akademie, ein in Deutschland bislang einmaliges Bildungsangebot für Tierliebhaber. „Ich habe die Akademie erst selbst durchlaufen und bin dann als Dozentin geblieben“, erzählt sie.

Alle Dozenten sind ehrenamtlich tätig

Insgesamt fünf Dozenten gibt derzeit es, alle wirken ehrenamtlich. Der Unterricht (eine Doppelstunde, oft verbunden mit Exkursionen vor allem in den Tierpark, aber auch in den Zoo) findet immer sonnabends statt. „Ursprünglich war unsere Akademie als Bildungsangebot für Leute ab 55 vorgesehen, am Montagnachmittag “, sagt Renate Ciesla (67), die Akademie-Chefin. Die ehemalige Studienrätin für Biologie und Chemie ist ebenfalls als Dozentin tätig. „Doch dann haben sich auch Jüngere dafür interessiert, die noch berufstätig sind.“ Deshalb seien die Lehrveranstaltungen auf Sonnabend verlegt worden. Sie finden vormittags und nachmittags statt. Vier Semester lang wird die Schulbank gedrückt, danach gibt es ein Zertifikat. Damit kann man allerdings keinen Studiengang nachweisen. „Es ist nur für einen selbst“, sagt Karin Machwitz. „Wir vermitteln hier vertieftes Allgemeinwissen über Tiere und Zoos.“ Das beginnt bei der Entstehung des Lebens. Die Evolution wird behandelt, das Leben im Wasser, dann zu Land, die Entstehung der Reptilien und Vögel, der Säugetiere. „Dazu werden beispielhaft bestimmte Tierarten vorgestellt“, erklärt die Dozentin. Natürlich gibt es auch Informationen über neue Erkenntnisse der Zootierhaltung und zu Umweltfragen.

Teilnehmer aus ganz Berlin

Die Teilnehmer an den Lehrveranstaltungen kommen aus ganz Berlin. „Natürlich sind besonders viele Lichtenberger dabei“, sagt Akademie-Chefin Ciesla, die selbst in Neu-Hohenschönhausen wohnt. Der jüngste Teilnehmer ist 19 Jahre alt und Student. Die älteste Lernende ist eine 86-jährige Rentnerin.

Manfred Kauffmann (70) ist aufgrund eines „nicht ganz ausgefüllten Rentner-Daseins“, wie er sagt, auf die Akademie gestoßen. Immer wieder etwas dazuzulernen, macht ihm Spaß. Früher stand er selbst als Dozent bei Bildungseinrichtungen der Bahn vor Schülern und Studenten, jetzt hört er den Vortragenden zu. Wobei er immer wieder etwas Wissenswertes beisteuern kann – Kauffmann ist ein ausgewiesener Kenner von Vogelstimmen. Zudem hat er Fotosafaris in viele Gegenden der Welt unternommen und Tiere in ihrem angestammten Lebensraum beobachtet. Auch bei der heutigen Tierpark-Exkursion hat er seine Kamera mit leistungsstarkem Teleobjektiv immer zur Hand.

„Man bekommt viel Wissen vermittelt“

Franziska Huttner wird in wenigen Stunden ihren Dienst antreten. Als Kellnerin arbeitet sie auch an Wochenenden. „Versäumen wollte ich die Exkursion aber nicht, muss eben etwas früher gehen“, sagt die 30-Jährige. Sie kann noch die Baribals (Schwarzbären) am Bärenschaufenster sehen und die Brillenbären, die einzige aus Südamerika stammende Großbärenart. Doch zum Kleinen Panda, dem sogenannten Katzenbären, dessen Lebensraum stark bedroht ist, schafft sie es nicht mehr. Nach einem Blick ins Gehege der Eisbären, wo gerade Tonja eine Runde dreht, die Mutter des verstorbenen Eisbärenjungen Fritz, muss sich Franziska Huttner von ihrer Lerngruppe bis zur nächsten Doppelstunde verabschieden. Die junge Frau sagt, dass sie Tiere sehr mag. Trotz ihres Dienstplans mit anstrengenden Wochenendschichten möchte sie die Lehrveranstaltungen der Akademie nicht missen. „Man bekommt viel Wissen vermittelt und hat damit auch einen etwas anderen Blick auf die Tierhaltung und die Aufgaben der Zoos.“

Akademie Hauptstadtzoos:
Vier Semester für Erwachsene, Kosten Teilnahme je Semester 84,50 Euro. Erforderlich ist außerdem eine Jahreskarte für den Tierpark (49 Euro). Bei Exkursionen in den Zoo sowie bei Sonderveranstaltungen wie z.B. den Besuch des Naturkundemuseums fallen Extrakosten an. Für den Eintritt in den Zoo zahlen Tierpark-Jahreskartenbesitzer die Hälfte.

Die Vorlesungen finden immer am Sonnabend in der alten Tierparkschule (Baracke nahe den Japanmakaken) statt, je nach Semester vormittags oder nachmittags.
Ein neues Semester beginnt am 23. September 2017.
Anmeldungen unter:
info@freunde-hauptstadtzoos.de
Weitere Informationen:
http://www.akademie-hauptstadtzoos.de

 

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