Zentralfriedhof Friedrichsfelde wieder mit historischer Toranlage

Kunstwerk von Fritz Kühn restauriert

07.11.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Etzel

Friedrichsfelde. Nach einjähriger Restaurierung konnte am Montag, 6. November, die historische Toranlage des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde wieder in Betrieb genommen werden. An der feierlichen Einweihung des 55 Meter langen Kunstwerks, das seit September 1995 als Bestandteil der Friedhofs-Gesamtanlage auf der Berliner Denkmalliste geführt wird, nahmen Mitglieder des Förderkreises „Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde“, Politiker, darunter die in Lichtenberg direkt gewählte Bundestagsabgeordnete Dr. Gesine Lötzsch (Linke), und interessierte Bürger teil.

Wind und Wetter setzten dem Denkmal zu

Dem Metalltor am Haupteingang zur Gedenkstätte der Sozialisten, wo sich alljährlich im Januar zum traditionellen Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht Zehntausende Menschen drängen, hatten Wind und Wetter stark zugesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Förderkreis, dem Bezirksamt und dem Landesdenkmalamt wurden Bundesmittel aus dem Denkmalschutzsonderprogramm eingeworben, eine Kofinanzierung gesichert. Für die Arbeiten an der 1951 vom Metallgestalter Fritz Kühn (1910-1967) geschaffenen Toranlage wurden rund 230.000 Euro eingesetzt, erläuterte der zuständige Bezirksstadtrat für Straßen und Grünflächen, Wilfried Nünthel (CDU). 70.000 Euro kamen aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm VI des Bundes sowie weitere je 80.000 Euro vom Landesdenkmalamt und dem Bezirk. Ursprünglich waren rund 145.000 Euro veranschlagt worden. Doch die Arbeiten erwiesen sich komplizierter als gedacht, so dass das Landesdenkmalamt und der Bezirk ihren Finanzierungsanteil verdoppelten.

Gelungenes Kunstwerk der Nachkriegsmoderne

„Die Metalltore des Eingangsbereichs des Städtischen Zentralfriedhofs Friedrichsfelde zählen zu den besonders gelungenen Kunstwerken einer der Nachkriegsmoderne verpflichteten Metallgestaltung. Seit ihrer Umgestaltung Anfang der 1960er Jahre ist die Toranlage nicht denkmalpflegerisch bearbeitet worden. Dies hatte eine fortgeschrittene Korrosion zur Folge, wodurch nunmehr die Substanz und Funktionsfähigkeit in erheblichen Maße gefährdet war“, sagte Wilfried Nünthel. „Erst während der Instandsetzungsmaßnahmen konnte der tatsächliche Zustand des Objektes ermittelt und bewertet werden. In der Folge mussten wir den Mitteleinsatz und Zeitplan entsprechend anpassen. Im Ergebnis kann die Toranlage als prägendes Erscheinungsbild des Zentralfriedhofes Friedrichsfelde wieder in Betrieb genommen werden.“

Für 50 Jahre gesichert

Im Rahmen der Arbeiten wurde laut Nünthel die Einfriedung ohne Veränderungen am Bestand saniert sowie die gemauerten Pfeiler ertüchtigt. Dazu mussten Elemente der Toranlage demontiert und überarbeitet werden. Alle Beschläge wurden auf ihre Funktionsfähigkeit hin überprüft und die betreffenden Elemente sandbestrahlt, neu verzinkt und angestrichen. Teilweise mussten auch Teile denkmalgerecht ersetzt werden. Anschließend wurde die Toranlage wieder montiert und die Mauerwerkspfeiler überarbeitet sowie neu verfugt. Durch diese Maßnahmen wird die Toranlage für mindestens 50 Jahre gesichert, sagte der Stadtrat. Prof. Dr. Jürgen Hofmann, Vorstandsmitglied des Förderkreises und Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Lichtenberg, dankte allen Beteiligten für die Wiederherstellung der Anlage.

Beiname „Friedhof der Sozialisten“

Der Zentralfriedhof Friedrichsfelde war 1881 eröffnet und schrittweise ausgebaut worden. Er war der erste Parkfriedhof in Berlin und einer der ersten in Deutschland. Erstmals für Berlin waren dort auch Armenbegräbnisse möglich, weil die Stadt die Kosten dafür übernahm. Der Zentralfriedhof stand Menschen aller Konfessionen und Bekenntnise sowie allen sozialen Schichten offen. Deutschlandweit bekannt wurde er im Jahr 1900, als der Mitbegründer der SPD, Wilhelm Liebknecht, in Friedrichsfelde beerdigt wurde. Der Trauerzug führte von Charlottenburg nach Friedrichsfelde, etwa 150.000 Menschen sollen ihm gefolgt sein. Weil später weitere Sozialdemokraten und Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung dort bestattet wurden, erhielt der Friedhof den Beinamen „Friedhof der Sozialisten“. Im Jahr 1919 wurden in Friedrichsfelde neben anderen Opfern des Spartakusaufstandes die ermordeten KPD-Führer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zur letzten Ruhe gebettet. Ein in den 1920er-Jahren durch Mies-van-der-Rohe geschaffenes Revolutionsdenkmal wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. 1982 wurde auf seinem ursprünglichen Standort eine Erinnerungstafel errichtet. Die Gedenkstätte der Sozialisten bekam ihre heutige Form – ein Rondell, umgeben von einer Klinkermauer, in der Mitte eine etwa vier Meter hohe Stele mit der Inschrift „Die Toten mahnen uns“ – nach einem Magistratsbeschluss von 1949. Am 14. Januar 1951 wurde die Gedenkstätte eröffnet. Die zur Zeit der DDR jährlich abgehaltene Liebknecht-Luxemburg-Demonstration wird seit 1990 von einem Bündnis verschiedener linksgerichteter Gruppen, Initiativen und Parteien fortgesetzt. Sie findet an jedem zweiten Sonntag im Januar statt.

 

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