KOSTBARKEITEN „ereignis horizont“ im alten Rathaus Marzahn

Kunst verschönert die Behörde

20.04.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel Zum Vergrößern und für die Bildtexte bitte auf das Startbild klicken!

Marzahn. Bereits zum siebten Mal bietet das alte Rathaus Marzahn die Kulisse für eine sehenswerte Kunstausstellung aus der Serie KOSTBARKEITEN. Noch bis zum 3. Mai werden dort Bilder des Berliner Malers und Grafikers Michael Hegewald gezeigt, komplettiert durch Werke des Hallenser Walter Opitz sowie anderer ostdeutscher Künstler. Die Ausstellung wurde vom Kreis „Kunstfreunde FÜR Marzahn-Hellersdorf“ um den Mahlsdorfer Geschäftsmann Michael Wiedemann initiiert, Gastgeber ist die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Marzahn-Hellersdorf unter dem Vorsitz von Kathrin Bernikas und Klaus-Jürgen Dahler. Bis Ende 2018 sind schon weitere Expositionen im denkmalgeschützten Gebäude geplant.

Eine Reise ans Meer

Es sind stimmungsvolle Bilder, die den Besucher gleich im Foyer des Rathauses empfangen: Michael Hegewald (61) nimmt den Betrachter mit an eine Reise ans Meer, das er besonders liebt. Doch kein Gewusel an Stränden erwartet den Betrachter, sondern ein Spiel von zarten Farben und Tönen, die Ruhe und Gelassenheit vermitteln. Es sind Landschaften, die der Maler erlebt, aber nicht vor Ort verewigt hat. Es ist eine Welt seines Gedächtnisses, voller Helligkeit und Schatten, mit geometrischen Formen und Strukturen, die zum Verweilen einlädt. Christoph Tannert, der Geschäftsführer des Kunsthauses Bethanien, hatte in seiner Laudatio zur Eröffnung der Schau gesagt: „Alles in allem ist die Ausstellung die Beschreibung einer Reise, die der Künstler vielleicht gern einmal machen würde, Gesehenes und Empfundenes, animiert durch die Kunst in der Möglichkeitsform.“

Werkschau auf drei Etagen

Insgesamt 35 Gemälde und 28  Zeichnungen, die in den Jahren 1991 bis 2017 entstanden, zeigt Hegewald auf drei Etagen des Rathauses Marzahn – eine Werkschau des Künstlers, der in Prenzlauer Berg lebt und auch als Lehrer und Dozent wirkt. Dafür gewonnen, in Marzahn auszustellen, hat ihn Michael Wiedemann, Initiator des Kreises „Kunstfreunde für Marzahn-Hellersdorf“. Der 60-jährige Mahlsdorfer hatte  vor mehr als einem Jahr Hegewalds Bilder erstmals in Paris und danach sowohl in einer Ausstellung im Helios-Klinikum Buch und in der „Galerie Berlin“, Auguststraße,  gesehen und ihn angerufen. „Erst war ich ein wenig skeptisch, ob das Rathaus der geeignete Raum für die Ausstellung ist, aber beim Hängen habe ich gesehen: Die Bilder schaffen den Raum“, sagt Hegewald. Ergänzt wird seine Exposition auf den Etagen vier und fünf durch Leihgaben von Sammlern ostdeutscher Kunst.

2013 wurde die Reihe gestartet

2013 hatte Wiedemann, unterstützt von BVV-Vorsteherin Kathrin Bernikas als Schirmherrin, mit den Ausstellungen im Rathaus Marzahn unter dem Motto „KOSTBARKEITEN“ begonnen. Die erste, so erzählt er, habe Schätze der bezirkseigenen Kunstsammlung aus der Mark-Twain-Bibliothek gezeigt. „Anfangs hatte der Bezirk Marzahn nämlich regelmäßig Kunstwerke angekauft“, berichtet Wiedemann. „Das hörte dann allerdings 1991 auf.“

Mehr Besucher als in herkömmlichen Galerien

Wiedemann sagt, dass das großzügig gestaltete Rathaus beste Möglichkeiten für die Präsentation von Kunst biete. Da es ein öffentliches Gebäude ist, ist der Eintritt kostenfrei, etwa 800 bis 1.000 Menschen kämen täglich für Behördengänge. „Wenn nur zehn Prozent von diesen die Ausstellung bewusst wahrnehmen, sind das zwischen 400 und 500 Menschen pro Woche – mehr als in herkömmlichen Galerien.“ Aber auch ganz gezielt kämen Gruppen, beispielsweise ausländische Delegationen, die den Bezirk besuchen. Mitarbeiter von Firmen wie die Berliner Wasserbetriebe seien ebenfalls schon dort gewesen.

Als nächstes kommen Künstler aus Israel

Bis 2018 sind im Rathaus Marzahn Kunstausstellungen geplant, zwei pro Jahr. Die nächste beginnt im September. Unter dem Arbeitstitel „Schalom Berlin“ werden dann israelische Künstler, die in Berlin leben, Werke zeigen. Mit Künstlern aus Marzahn-Hellersdorf ist 2018 eine große Werkschau geplant, um den heimischen Künstlern eine weitere würdige Präsentation ihrer Werke zu bieten. Die Ausstellungstätigkeit wird danach zunächst abgeschlossen. Denn voraussichtlich 2019 soll die dringend notwendige Sanierung des 1988 eingeweihten Hauses beginnen, der Bezirk verhandelt darüber gerade mit der Berliner Immobilien Management GmbH.

Noch keine Alternative für Zeit während der Sanierung

„Wir wollen danach dort natürlich weiterhin Kunst zeigen“, sagt Wiedemann. Er ist optimistisch, dass es dafür wie bisher Unterstützung durch die BVV und das Bezirksamt gibt. „Allerdings haben wir bisher noch keine Alternative für die Zeit während der Sanierungsarbeiten gefunden“, bedauert der Kunstfreund.

 

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