Baubeginn für die Sanierung nun im Herbst 2016 geplant

Kulturhaus noch im Dornröschenschlaf

31.05.2016, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1-5), Birgitt Eltzel (6-7). Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Lichtenberg. Eigentlich sollte im Mai 2016 Baubeginn sein für die Sanierung des seit 2002 leerstehenden und zusehends verfallenden, ehemaligen Kulturhauses des VEB Elektrokohle Lichtenberg (EKL) an der Herzbergstraße 128-139. Der Eigentümer, seit 2003 die Dong-Xuan GmbH, hatte sich selbst diese Frist gesetzt, nachdem im Mai 2015 die Baugenehmigung durch den Bezirk erteilt worden war. Ein Brand hatte den Baustart 2015 verhindert, die Pläne mussten neu angepasst werden.

Ein Stück Himmel
Der Mai ist gekommen, der Mai ist gegangen, aber getan hat sich bisher nichts am Kulturhaus. Stattdessen ist durch ein geöffnetes Fenster des Obergeschosses im Innenbereich ein Stück Himmel sichtbar, wo eigentlich keiner zu sehen sein sollte. Das Dach scheint den Naturmächten zumindest partiell nachzugeben. LiMa+ fragte bei der Dong-Xuan GmbH nach. Prokurist Steffen Cwienk bestätigte, dass es Verzögerungen gibt. „Wir mussten den Brandschaden zunächst mit der Versicherung abklären“, sagte er. Nun seien aber die Leistungsbeschreibungen für die Sanierung des Gebäudes erstellt, man befinde sich im Abstimmungsprozess mit einem Generalunternehmen und der Baubeginn solle allerspätestens im September/Oktober 2016 erfolgen. „Wir haben als Bauzeit etwa ein Jahr veranschlagt“, so der Prokurist. Vier bis fünf Millionen Euro soll die Wiederherstellung des Hauses kosten (Für den Laien schwer vorstellbar, dass diese Summe ausreicht).

Kein Denkmalschutz
Wie eine Anfrage des Abgeordneten Wolfgang Brauer (Linke) bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung kürzlich ergab, steht das ehemalige Kulturhaus nicht unter Denkmalschutz. Das Gebäude sei zwar 1995 „gemeinsam mit weiteren Werksbauten der ehemaligen Siemens-Plania-Werke in die Denkmalliste aufgenommen“ worden, musste aber bereits zwei Jahre später – wegen inzwischen durchgeführter Umbaumaßnahmen im Inneren – wieder gestrichen werden, heißt es in der Antwort der Senatsverwaltung. „Es liegt eine Baugenehmigung (2015) für eine Nutzungsänderung vor“, so das Antwortschreiben, das LiMa+ vorliegt. Geplant seien demnach „Gästezimmer, Restaurant, Veranstaltungsräume und Gewerbeeinheiten“. Die Untere Denkmalschutzbehörde sei „im Rahmen des Umgebungsschutzes an der Fassadenkonzeption beteiligt.“

Auch Fabian Peter, Referent beim Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, bestätigt, dass die Fassade „im Wesentlichen so erhalten“ bleiben soll. „Das Gebäude hat eine Größe von ca. 25.000m³ umbautem Raum bei ca. 4000m² Bruttogeschossnutzfläche“, war zu erfahren. Grundrissänderungen für Konferenz- und Ausstellungsräume, für Gastronomie, Büros und Gästezimmer seien geplant. Der große Saal solle mit maximal 500 Sitzplätzen als Multifunktionssaal rekonstruiert werden.

„Einstürzende Neubauten“
Den Grundstein für das zweistöckige Gebäude hatte der damalige DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl am 27. März 1950 gelegt. Nach der Fertigstellung war in der oberen Etage u.a. eine Berufsschule untergebracht. Im großen Saal fanden Versammlungen, Konferenzen, aber auch Tanzveranstaltungen und Jugendweihen statt. Nach dem Fall der Mauer trat hier am 21. Dezember 1989 die West-Berliner Experimental-Band „Einstürzende Neubauten“ auf. Es war ihr erstes Konzert im Ostteil Berlins, das der Schriftsteller Heiner Müller mitinitiiert hatte. Auch der französische Kulturminister Jack Lang war damals zu Gast.

Das Geschäft im Dong Xuan floriert
2003 hatte die Dong Xuan GmbH das 164.000 Quadratmeter große Areal an der Herzbergstraße 128-139 und mit ihm auch das geschichtsträchtige Kulturhaus erworben. Über 30 Millionen Euro hatte Marktgründer Nguyen van Hien in die Hand genommen, um auf dem Grundstück das mittlerweile weit über Berlin hinaus bekannte Dong Xuan Center zu errichten. In dem Handels- und Dienstleistungszentrum floriert das Geschäft. Nicht nur viele Lichtenbergerinnen und Lichtenberger haben entdeckt, dass man hier gleich in mehreren Restaurants gut essen kann und vielerlei Waren wie Lebensmittel, exotische Gewürze, Elektronik, Textilien, Lederwaren aus Fernost in so großer Auswahl angeboten werden wie nirgends anders in Berlin. Großhändler „pilgern“ aus ganz Deutschland und aus den Nachbarländern hierher, um sich für ihre Einzelhandelsgeschäfte mit Waren einzudecken. Auch zahlreiche Dienstleister wie Reisebüros, Unternehmensberater, Werbeagenturen, Fahrschulen, sogar Steuerberater und Rechtsanwälte und ein vietnamesischer Autohändler haben sich auf dem Gelände niedergelassen.

Keine Umwidmung zum Mischgebiet
Der Traum des Eigentümers vom Bau einer asiatischen Wohnanlage in der Nähe, ist wohl erst einmal in weite Ferne gerückt. Denn weder der Senat noch der Bezirk zeigt sich gewillt, die dazu erforderliche Umwidmung des Industrie- und Gewerbegebietes Herzbergstraße als Mischgebiet für Gewerbe und Wohnen zu befürworten. Neue Wohnungen zu errichten, sei deshalb unzulässig, sagte Lichtenbergs Stadtrat für Stadtentwicklung, Wilfried Nünthel (CDU). Einzelne, noch bewohnte Häuser zwischen den Gewerbegebäuden an der Herzbergstraße, hätten Bestandsschutz, so der Stadtrat. Das hindert den Investor jedoch nicht daran, keine hundert Meter vom Kulturhaus entfernt, das einstige Labor des EKL derzeit zu einem Gästehaus mit 166 Betten umzubauen. Die rekonstruierte Fassade ist hinter dem Baugerüst schon zu erahnen.

Das ehemalige Kulturhaus schlummert indes hinter Absperrungen einen sich selbst verzehrenden Dörnröschenschlaf. Am Haupteingang werben noch alte Plakate für Konzerte auf dem Alexanderplatz, die längst vorbei sind. Vielleicht gibt es ja an gleicher Stelle bald neue Aushänge – dann für die Wiedereröffnung des neuen, alten Kulturhauses.

Mehr Informationen zum Dong Xuan Center hier.

 

 

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