Strategische Kulturentwicklungsplanung als offener Prozess

Kultur gemeinsam gestalten

22.03.2018, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1,2,5), Marcel Gäding (3), Emmanuele Contini (4,6). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Es gibt neue Hoffnung für das 90 Jahre alte Stadtbad Lichtenberg, im Volksmund Hubertusbad, das seit 1991 geschlossen ist. Das erklärte Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke) während eines Pressegesprächs am Montag, 19. März, im Rathaus. Der Bezirk verfolge seit Jahren das Ziel einer Zwischennutzung, zum Beispiel für Kultur. „Wir wollen das Haus der Öffentlichkeit schnellstens wieder zugänglich machen“, sagte der Bürgermeister. Er könne sich vorstellen, dass zuerst der Eingangsbereich mit dem Foyer für Veranstaltungen genutzt wird, anschließend könnte sukzessive das ganze Haus zurückerobert werden. Es gebe schon ziemlich konkrete Ideen und man sei regelmäßig mit der Eigentümerin, der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), dazu im Gespräch. Das nächste Treffen finde im kommenden April statt.

Stiftung für Theater Karlshorst

Auch bezüglich des seit 2000 geschlossenen Saals mit Bühnenturm im Theater Karlshorst gibt es Bewegung. Die Eigentümerin Howoge, die Teile des Gebäudes und die Fassade schon 2009 saniert hatte, steht – nach Aussagen des Bürgermeisters – kurz vor der Gründung einer Stiftung, um den Theatersaal mit seinen 600 Plätzen wieder instand zu setzen und ihm – primär mit der Entwicklung eines Leistungskonzeptes – neues Leben einzuhauchen. „In der Lichtenberger Kulturlandschaft steckt gegenwärtig so eine Dynamik, dass ich mir um die Verwirklichung dieser Pläne keine Sorgen mache“, sagte Michael Grunst. Eine Förderung durch den Bezirk schloss er indes aus.

Bestandsanalyse

Das seien nur zwei Vorhaben, die verdeutlichen, in welcher Riesenentwicklung sich Lichtenberg im kulturellen Bereich gerade befinde. Um diesen Prozess zu gestalten und zu steuern, will die neue Leiterin des Amtes für Weiterbildung und Kultur, Daniela Bell, bis zum Dezember Handlungsfelder, strategische Ziele und erste Maßnahmen für eine Kulturentwicklungsplanung erstellen und in die Bezirksverordnetenversammlung einbringen. Unterstützung erhält sie dabei durch Stefanie Raab vom Neuköllner Planungsbüro für kooperative Stadtentwicklung coopolis. Wie die Amtsleiterin informierte, fand der Auftakt bereits im vergangenen Dezember mit sogenannten Glühweingesprächen statt, an denen sowohl hauptberuflich Kulturschaffende teilnahmen als auch Mitglieder von Kulturvereinen und Projekten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von kulturellen Einrichtungen im Bezirk. Sie wollte wissen, „was den Akteuren unter den Nägeln brennt“ und welche Ideen sie für das kulturelle Angebot und die Teilhabe daran entwickeln wollen. Was jetzt folgt, ist zunächst eine detaillierte Bestandsanalyse: Was hat sich in den letzten Jahren entwickelt und welche Potenziale gibt es?

Komplexer Ansatz

Neu daran sei insbesondere der komplexe, ressortübergreifende Ansatz in einem erweiterten Netzwerk, so Daniela Bell. Es würden nicht nur kommunale Kulturstandorte erfasst, sondern auch Orte der freien Kreativwirtschaft sowie von sozialen- und Bildungseinrichtungen. Einbezogen werden sollen all jene Personen, die Prozesse der Integration und Inklusion vorantreiben – bis hin zur Stadtentwicklung. Die Planungshoheit verbleibt dabei im Amt für Weiterbildung und Kultur. Bell und Raab wollen eine möglichst breite Beteiligung und große Transparenz. „Alle Vorhaben, Analysen und Ergebnisse werden auf der eigens eingerichteten Webseite www.kep-lichtenberg.de veröffentlicht“, erklärt Stefanie Raab.

„Unser Anspruch ist, gute Bedingungen für mehr kulturelle Einrichtungen im Bezirk zu schaffen“, fasste Bürgermeister Michael Grunst zusammen. Deshalb interessiert uns, wo in Lichtenberg gerade spannende Entwicklungen stattfinden und wo es noch potenzielle Flächen für Kulturstandorte gibt.“

Mit dem Bezirkskulturfonds würden 2018 zwölf künstlerische Vorhaben in Lichtenberg mit insgesamt 80.000 Euro gefördert. Für Alt- und Neu-Hohenschönhausen stünden weitere 40.000 Euro bereit. Mittlerweile hätten sich rund 20 Künstler mit ihren Projekten gemeldet, die sie dort verwirklichen wollen, so der Bürgermeister.

 

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