Kraftwerks-Neubau startet im April

07.03.2017, Volkmar Eltzel

Entwurf: h4a Gessert + Randecker Generalplaner GmbH. Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergr. Klick auf Hauptbild.

Marzahn. In weniger als einem Monat beginnen die Bauarbeiten zur Errichtung des neuen Heizkraftwerkes Marzahn an der Rhinstraße 70/Allee der Kosmonauten. Geplant ist eine moderne Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK-) Anlage, die mit erdgasbefeuerten Gas- und-Dampfturbinen die Brennstoffenergie zu etwa 90 Prozent ausnutzt. Wie der Bauherr, der Energiekonzern Vattenfall informierte, soll die Technik außerdem mit dem zunehmenden Anteil an erneuerbaren Energien aus Sonne und Wind harmonieren. Nach seiner Fertigstellung im Jahr 2020 werde das Werk über eine Kapazität von rund 230 Megawatt Fernwärme und rund 260 Megawatt Strom verfügen.

Standort mit Geschichte

Das alte Kraftwerk am selben Ort war nach der Fertigstellung der ersten Baustufe 1972 in Betrieb gegangen, lieferte Fernwärme und Strom für die entstehenden Neubaugebiete – ab 1974 dann auch als Müllverbrennungsanlage. Seit 1978 gab es einen Fernwärmeverbundbetrieb mit dem Heizkraftwerk Klingenberg. Es folgten weitere Ausbaustufen bis 1989. Nach der Wende genügte das Kraftwerk den Umwelt- und Effizienzansprüchen nicht mehr. Die Müllverbrennungsanlage wurde bis 1995 wieder demontiert. 2010 ging der Fernwärmeerzeuger komplett vom Netz und wurde samt der Kühltürme und des nördlichen Schornsteins bis Mitte 2012 fast vollständig rückgebaut. Nur sechs große Heißwassererzeuger auf der Südseite des sechs Hektar großen Areals und der 140 Meter hohe, weithin sichtbare Schornstein blieben stehen.

Wechselnde Partner

Mehrfach wurden die Pläne zum Bau des neuen Kraftwerkes überarbeitet. Mehrfach wechselte man die externen Planer, Gutachter und Experten. Eine Folge war, dass die Angaben des Konzerns zur Investitionshöhe zwischen 500 Millionen Euro im Jahr 2013 und 300 Millionen im Jahr 2011 schwankten. Jetzt beziffert das schwedische Unternehmen die Baukosten auf 325 Millionen Euro. Auch der Fertigstellungstermin wurde mehrfach in die Zukunft verschoben: von 2016 (Aussage von 2011), über 2018 (Aussage von 2013), bis zu den gegenwärtigen Planungen, die eine Inbetriebnahme 2020 vorsehen.

Verschiedene Entwürfe

Hatte Vattenfall für das neue Turbinenhaus im Januar 2015 noch eine Höhe von 55 Metern und für den dazugehörigen Schornstein 75 Meter angegeben, so sieht die aktuelle Planung eine Turbinenhaushöhe von nur 39 Metern (an Stellen mit Aufbauten 44 Meter) und einem Kamin mit 67 Metern Höhe vor. Nach Auskunft des Pressesprechers Bernd Willmer gab es Anfang März 2017 noch keine endgültige Klarheit darüber, welche Farbe nun die Fassade des großen Kraftwerksgebäudes haben soll. Dabei hatte man 2011 eigens einen Gestaltungswettbewerb für die Bauten und die Freiraumplanung veranstaltet, aus dem das Stuttgarter Architektenbüro h4a als Gewinner hervorging. Die Sieger-Entwürfe sahen u.a. vor, den Dampfturbinen-Kubus in zwei Fassadenebenen aufzuteilen: Oben farbige Trapezplättchen aus Metall, die vom Wind bewegt, Umgebung und Himmel widerspiegeln, unten hellgraue Bleche. Dazwischen eine bei Dunkelheit leuchtende Fuge, die den Eindruck vermitteln soll, als schwebe der obere Gebäudeteil. Mehrere Baumreihen waren als Umrahmung des Hauses vorgesehen. Wie der Pressesprecher sagte, wolle sich das Unternehmen weitgehend an den damaligen Vorschlägen orientieren. Im neuen Projektentwurf sind jedoch keine Bäume mehr zu sehen.

Für Klingenberg heißt es: Braunkohle adé

Im Dezember 2015 erhielt Siemens den Zuschlag als Generalunternehmer. Der Kraftwerksneubau in Marzahn geht einher mit der Ablösung der Braunkohleanlage in Klingenberg. Da die Modernisierung der gasbefeuerten KWK-Anlage dort vorzeitig abgeschlossen wurde, ist die zu Ende gehende Heizperiode die letzte, in der am Standort Rummelsburg – und in Berliner Kraftwerken überhaupt – Braunkohle verfeuert wird. Eine wichtige Voraussetzung für die Erfüllung der Klimaschutzvereinbarung zwischen dem Land Berlin und Vattenfall. Diese sieht eine Halbierung der Emissionen der Berliner Erzeugungsanlagen bis 2020 – im Vergleich zu 1990 vor.

Der Neubau der KWK-Anlage in Marzahn sichert im Verbund mit Klingenberg die Versorgung von über 300.000 Haushalten in den Berliner Ostbezirken, insbesondere in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf, mit Fernwärme und Strom. Berlin ist somit dem strategischen Ziel einer klimaneutralen Stadt bis 2050 wieder ein Stück näher.

 

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