Bisher zwei Bewerber für einen Stadtrats-Posten der SPD

Komoß zieht sich zurück

21.09.2016, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Bürgermeister Stefan Komoß bestätigte gegenüber LiMa+, dass er für das neue Bezirksamt nicht zur Verfügung steht. Denn als Bezirkschefin wird aller Voraussicht nach Dagmar Pohle von der Linken ins Rathaus am Alice-Salomon-Platz einziehen. „Ich werde nicht als Stadtrat kandidieren“, sagte der SPD-Politiker. Nach dem enttäuschenden Abschneiden der Sozialdemokraten im Bezirk, die bei der BVV-Wahl nur noch 18,3 Prozent der Stimmen bekamen (ein Minus von 8,1 Prozent) und drittstärkste Kraft nach der Linken (26,0 Prozent) und der AfD (23,2 Prozent) wurden, steht der SPD lediglich ein Stadtratsposten zu. Bisher hatte sie zwei. Eine Zählgemeinschaft aus SPD, CDU und Grünen, durch die Komoß 2011 ins Bürgermeisteramt kam, hat jetzt keine Mehrheit mehr: Die drei Parteien kommen zusammen nur auf 24 der insgesamt 55 Sitze in der BVV. Mit dem Antritt des neuen Bezirksamtes nach der Konstituierung der Bezirksverordnetenversammlung – bis dahin führt das alte noch die Amtsgeschäfte – wird Komoß sein BVV-Mandat zurückgeben. Er sagt, er habe das Wahlamt immer als Amt auf Zeit betrachtet.

Weiter Vorsitzender des SPD-Kreisvorstandes
Er will danach in die freie Wirtschaft gehen. Schon vor seiner Tätigkeit erst als Stadtrat und dann als Bürgermeister hatte der Politikwissenschaftler 16 Jahre lang in einem Bildungsunternehmen gearbeitet, seine eigene Firma dann mit dem Amtsantritt als Bezirkschef verkauft. „Mit dem Ruhestandsgehalt nach zehn Jahren als Bezirksamtsmitglied und dem Erlös aus dem Verkauf von damals falle ich finanziell nicht in ein schwarzes Loch.“ Er könne es sich deshalb leisten, nun etwas ganz anderes zu probieren, was ihm ebenfalls Spaß mache: „Ich werde im Bereich Projektentwicklung und Projektmanagement selbstständig arbeiten.“ Politisch will sich Komoß, der mit seiner Familie in Kaulsdorf lebt und im Jahr 2013 eine schwere Tumorerkrankung hatte, im Bezirk allerdings weiter engagieren. Der 52-Jährige bleibt Vorsitzender des SPD-Kreisvorstandes.

Besorgt über Entwicklungen im Bezirk
Während ihm die eigene Zukunft keine Bange macht, zeigte er sich besorgt über die Entwicklungen in Marzahn-Hellersdorf. „Nicht nur wir haben schließlich verloren, auch die Linke musste Stimmen in beträchtlicher Zahl abgeben“, sagte er. Das Abschneiden der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) in Marzahn-Hellersdorf bezeichnete er als „dramatisch für alle Demokraten“. Wie berichtet, wird diese künftig nicht nur einen Stadtrat in Marzahn-Hellersdorf stellen. Dieser wird gleichzeitig stellvertretender Bezirksbürgermeister. „Das macht das kollektive Arbeiten im Bezirksamt nicht leichter“, sagte er. Die Mitarbeiter in den Ämtern hegten große Befürchtungen gegenüber einem künftigen AfD-Stadtrat, so Komoß.

Zwei Bewerber für Stadtrats-Posten
Wer für die SPD als Stadtratskandidat antritt, steht indes noch nicht fest. Der jetzige Fraktionsvorsitzende Gordon Lemm, Referent beim derzeitigen Pankower Bürgermeister, sowie der bisherige Bürgerdienste-Stadtrat Stephan Richter wollen sich zur Kandidatenkür stellen, die Nominierung wird Mitte/Ende Oktober stattfinden. Wie das ausgeht, ist schwer vorherzusagen. Lemm (39) gilt manchen seiner Genossen als arrogant, Richter (51) war nicht unter den Kandidaten, mit denen die bezirkliche SPD in den Wahlkampf gezogen ist. Das war bereits 2011 so – und trotzdem wurde er dann Stadtrat, weil er die Parteibasis für sich mobilisieren konnte. Dass Enrico Stölzel, Koordinator in der Jugendberufsagentur Marzahn-Hellersdorf, ebenfalls den Posten anstrebt, wies Komoß als „bloßes Gerücht“ zurück. Er teilte mit, dass der SPD-Kreisvorstand beschlossen hat, noch in dieser Woche Sondierungsgespräche mit den anderen demokratischen Parteien über eine Zusammenarbeit zu beginnen. In der Sondierungsgruppe ist außer ihm und Lemm auch Liane Ollech, die seit 2006 im Abgeordnetenhaus saß und am 18. September ihren Parlamentssitz verloren hat.

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