Kleine Gärten in der großen Stadt (2): KGA „Am Kienberg“

Im Zeichen der IGA

18.05.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel Zum Vergrößern und für die Bildtexte bitte das Startbild anklicken!

Junge Leute wollen gesundes Gemüse selber ziehen und ihren Kindern Platz zum Spielen im Grünen bieten. Manche machen das in Gemeinschafts- und Allmendegärten. Andere treten Kleingartenvereinen bei, die noch vor einigen Jahren als Ausbund der Spießigkeit galten. Denn das Gärtnern auf eigener Scholle ist längst wieder in Mode, fast alle Kleingartenvereine haben inzwischen lange Wartelisten für Parzellen.
In einer Serie stellen wir bis zum Herbst interessante Anlagen vor und geben auch einige Tipps zum Garten und zum Gärtnern.
Heute: Die Kleingartenanlage „Am Kienberg“

Marzahn. Am Himmel kann man die Seilbahn sehen, deren Kabinen hoch zum Gipfel des Kienbergs schweben und auf der anderen Seite wieder hinunter. Die Kleingartenanlage (KGA) des Vereins „Am Kienberg“ steht ganz im Zeichen der Internationalen Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017. Nicht nur, weil sie genau an das Ausstellungsgelände grenzt. „Wir haben uns von Anfang an für die IGA und mit der IGA engagiert“, sagt Burkhard Träder. Der 62-jährige frühere Chemieingenieur bei den Berliner Wasserbetrieben, jetzt in der sogenannten passiven Phase der Altersteilzeit, ist der ehrenamtliche Vorsitzende des Kleingartenvereins. Er sagt, dass die Garten-Schau Aufmerksamkeit für Marzahn-Hellersdorf bringt und einen Imagegewinn. „Vielleicht bekommen ja auch wir etwas von dieser Aufmerksamkeit ab.“

Goldmedaille im Bundeswettbewerb

Dabei ist die Anlage mit 260 Parzellen durchaus nicht unbekannt. Anwohner und Spaziergänger streifen gern durch das Kleingartengelände mit wunderbar begrünten Wegen, auf deren Rändern Obstbäume und Blumen wachsen – außerhalb der Gartenzäune. Die 1983 gegründete Anlage war seinerzeit die 10.000. Kleingartenkolonie der DDR. Ein Jahr später erhielt sie den Namen „35. Jahrestag der DDR“. Nach der Wende löste sich der damalige Verein auf. Es entstanden drei neue, die 2010 zum Kleingartenverein „Am Kienberg“ e.V. fusionierten. Geblieben sind aus DDR-Zeiten 22 Parzellen von Kleintierzüchtern, die Bestandsschutz haben. Da krähen Hähne, gurren Tauben und tschilpen Wellensittiche – sehr zur Freude der Kinder, die dort besonders gern gucken. Bundesweit bekannt wurde die Kleingartenanlage im Jahr 2002, als sie die Goldmedaille im Wettbewerb „Kleingärten im Städtebau“ errang. Erst kürzlich kam Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) zu Besuch und brachte einen Baum für den Festplatz als Geschenk mit. Auch am Sonnabend, 20. Mai, wird viel Prominenz erwartet. Denn auf dem Wilhelm-Naulin-Platz wird ab 14 Uhr die bereits am Vormittag auf dem IGA-Gelände gestartete Auftaktveranstaltung zum bundesweiten „Tag des Gartens“ als „Laubenpieper-Tour“ fortgesetzt.

Gut vorbereitet auf Gäste

Trefflich vorbereitet auf Gäste, die anlässlich der IGA vorbeischauen, ist man in der Kleingartenanlage schon lange. Bereits im Herbst 2014 wurden neue Obstbäume und -sträucher, alte oder seltene Sorten, an den Wegrändern gesetzt. Seit einigen Wochen stehen Schilder daneben, die nicht nur den Namen der Gewächse nennen, sondern auch Informationen zum Anbau und zur Verarbeitung der Früchte geben. Ganz neu ist auch der „IGA-Startergarten“. Er entstand nach dem Entwurf von Alexander Roscher und Eva Lange, der im 21. Förderwettbewerb der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V. (DGGL) den 1. Preis erhielt. Die leerstehende Parzelle mit einigen alten Obstbäumen wurde nach den Ideen der jungen Berliner Landschaftsarchitekten durch die IGA gestaltet. Sie ist mit rund 650 Quadratmetern größer als andere Kleingärten und soll vorrangig jungen Familien Lust aufs gemeinschaftliche Gärtnern machen. Vorgesehen ist, sie künftig an mehrere Parteien/Familien zu verpachten. Von diesen kann dann auch das etwa 70 Quadratmeter große Funktionsgebäude zu günstigen Konditionen gemietet werden, das während der IGA noch für Veranstaltungen genutzt wird. Übrigens: Weil das Häuschen mindestens drei Familien zur Verfügung stehen soll, darf es auch größer sein als die im Bundeskleingartengesetz für Lauben vorgeschriebenen höchstens 24 Quadratmeter.

Gemeinsame Bewirtschaftung, geringe Kosten

„Die Übernahme einer bestehenden Parzelle ist zunächst ziemlich teuer, wenn man, wie üblich, das Gartenhaus kaufen muss“, sagt Gerd Schoppa, Bezirksvorsitzender der Gartenfreunde in Marzahn und Vorstandsmitglied im Berliner Verband. Der ökologisch angelegte IGA-Startergarten mit Hochbeeten und Streuobstwiese, Beerensträuchern und Regenwassernutzung trägt auch deshalb Modellcharakter – gemeinsame Bewirtschaftung, geringe Kosten. Burkhard Träder sagt, dass sich die künftigen Pächter allerdings auch der Kleintierhaltung verschreiben müssen, denn der Garten entstand auf dem der Kleintierzucht vorbehaltenen Anlagenteil. Damit erschließt sich auch der dem Betrachter zunächst auffallende ungewöhnlich große Rasenanteil der Parzelle. Denn die Hälfte des jetzt noch fast gleich hohen Grüns wird bald eine Blumenwiese sein. Dort kann Futter für Kaninchen geerntet werden, die bald ihren Stall beziehen werden. „Und natürlich wird man auch frische Wildkräuter auf der Wiese pflücken können“, ergänzt Irina Busch, die Gartenfachberaterin des Vereins.

Geöffnet für Neugierige

Wie man diese zu leckeren Salaten verarbeitet oder wie man Kräuterbeete anlegt, kann man bei verschiedenen Gartenfreunden „Am Kienberg“ erfahren. Und natürlich auch sonst noch nützliche Tipps von diesen bekommen. Insgesamt 70 Vereinsmitglieder werden während der Sommersaison ihre Gärten für Neugierige öffnen. Die ersten Schilder mit der Aufschrift „Herzlich willkommen“ hängen bereits seit einigen Tagen.

 

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