Es wird schwieriger, alle Anfragen auf Kita-Plätze zu befriedigen

Mehr Kitas, aber kaum Personal

07.04.2018, Marcel Gäding

Teilen sich ihre Kita mit Bienen - die Kinder der Kita Wunderwelt in der Peter-Huchel-Straße (hier zu sehen mit dem Abgeordneten Sven Kohlmeier und Jugendstadtrat Gordon Lemm (v.r.n.l.). Fotos: Volkmar Eltzel/ Marcel Gäding

Marzahn-Hellersdorf. Der Bedarf an Kitaplätzen in Marzahn-Hellersdorf steigt rasant – doch die Nachfrage kann mangels Erziehern nicht bedient werden. „Wir könnten 500 Plätze zusätzlich belegen, wenn es ausreichend pädagogische Fachkräfte geben würde“, sagt Jugendstadtrat Gordon Lemm (SPD). Er regt daher an, dass sich auch Quereinsteiger auf die freien Stellen bewerben dürfen. DIE LINKE und die CDU halten von dieser Idee jedoch gar nichts.

200 Kinder auf der Warteliste in Marzahn-Hellersdorf

Im Vergleich zu anderen Bezirken steht Marzahn-Hellersdorf noch gut da: Derzeit fehlen „nur“ 200 dringend benötigte Kitaplätze, die berlinweite Zahl liegt bei nahezu 3.000. „Die Mitarbeiter des Jugendamtes versuchen, für jeden Fall eine individuelle Lösung zu finden“, sagt Jugendstadtrat Gordon Lemm. Doch es wird immer schwieriger, alle Anfragen auch zeitnah zu befriedigen. Der Gesetzgeber sichert Eltern im Land Berlin einen Kitaplatz zu. Das Problem: Vor allem in der Innenstadt gibt es Wartelisten. Erst kürzlich klagten Eltern ihr im Sozialgesetzbuch verbrieftes Recht auf einen Kitaplatz ein – und gewannen vor dem Oberverwaltungsgericht. Lemm geht davon aus, dass auch auf Marzahn-Hellersdorf juristische Auseinandersetzungen zukommen. Erste Anzeichen gibt es bereits. Mehrmals schon suchten betroffene Eltern das Jugendamt in Begleitung einer Rechtsanwältin oder eines Rechtsanwalts auf.

500 freie Plätze, aber keine Erzieher!

Dabei könnte sich der Bezirk viel Ärger ersparen. Theoretisch gibt es 500 freie Plätze. Weil es aber an Erziehern mangelt, können diese nicht besetzt werden. Parallel dazu arbeitet die Verwaltung weiter daran, dass Kitanetz in Marzahn-Hellersdorf auszubauen. Bis zum Jahr 2020 soll die Zahl der Kindertagesstätten von derzeit 112 auf 139 erweitert werden. Etliche freie Träger wollen fast 2.000 neue Plätze schaffen – gut 700 mehr als in den Prognosen des Kitaentwicklungsplans als Bedarf ausgewiesen ist. Allein im Stadtteil Mahlsdorf stehen fünf Neubauten und ein Ausbau an. Dort ist der Mangel an Kitaplätzen besonders groß. Derzeit weist die Jugendverwaltung ein Defizit von 515 Plätzen aus.

Innerhalb der vergangenen sieben Jahre wird sich die Zahl der Kindertagesstätten in Marzahn-Hellersdorf bis 2020 fast verdoppelt haben. Allerdings kommen sowohl die kommunalen als auch die freien Träger nicht hinterher, ausreichend Personal für die notwendigen neuen Stellen zu finden. Zu groß ist die Verlockung, einen Job im nur wenige Kilometer entfernten Brandenburg anzunehmen. Dort erhalten Erzieher im Schnitt rund 400 Euro mehr im Monat.

Stadtrat fordert Bonus für Mehrarbeit und bessere Bezahlung

Mittelfristig muss daher nach Ansicht von Jugendstadtrat Gordon Lemm die Bezahlung von Kitaerziehern im Land Berlin erhöht werden. Auch fordert er vom Senat, für die Aufsicht von Kindern oder die Entlastung von Erziehern nichtpädagogisches Personal einzustellen, den Betreuungsschlüssel zu erhöhen und Prämien für jene Erzieher auszuloben, die auf freiwilliger Basis mehr Kinder als vorgeschrieben betreuen. Gleichzeitig sollen Träger von Wohnungsbauvorhaben einen finanziellen Beitrag für den Bau neuer Kitas leisten. Allerdings löst dies die aktuellen Probleme nur wenig. „Das Land Berlin muss sich vor allem in der Personalfrage Gedanken machen“, sagt Lemm.

Sowohl die Linksfraktion als auch die CDU in der Bezirksverordnetenversammlung finden im Zusammenhang mit der Kitaentwicklung auf Bezirksebene zunächst lobende Worte. „Dennoch ist die derzeitige Situation unbefriedigend“, sagt Alexander Herrmann, der CDU-Fraktionsvorsitzende. Der Bezirk soll dem Land Berlin aber weiter auf die Füße treten. „Der Erzieherberuf muss unbedingt attraktiver gemacht werden.“ Von Quereinsteigern hält Herrmann aber genauso wenig wie Linksfraktions-Chef Bjoern Tielebein. „Ich halte das für kritisch, denn der Erzieherberuf erfordert eine hohe Qualifikation.“ Herrmann gibt zu bedenken, dass sich die Situation um fehlende Kitaplätze noch verschärfen wird angesichts zahlreicher neuer Wohnungsbauvorhaben in Marzahn-Hellersdorf. Daher sollte der Bezirk schnell handeln, wenn es Anfragen freier Träger nach Flächen für den Bau neuer Kitas gebe. Sein Kollege Tielebein fordert die Jugendverwaltung auf, sich nicht vor Konzepten wie Betriebskitas in Gewerbegebieten oder Kitas mit längeren Öffnungszeiten zu sperren. „In jedem Fall muss man die Träger bei der Errichtung neuer Kitas unterstützen.“

Weiterführende Links zu Kitas in Marzahn-Hellersdorf:

• Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie bietet Eltern an, im Internet nach freien Kitaplätzen zu suchen. Die Kita-Börse finden Sie hier.

• Die einmal jährlich aktualisierten Kitaentwicklungspläne können auf der Seite des Jugendamtes Marzahn-Hellersdorf unter „Veröffentlichungen“ abgerufen werden.

 

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