In Alt-Hohenschönhausen wird neu gebaut – allerdings nicht spektakulär

Square war ein Luftschloss

14.03.2017, Sabine Flatau

Fotos: Sabine Flatau (1, 3), Birgitt Eltzel (2,4 ), Moritzgruppe GmbH (5). Zum Vergrößern bitte auf das Startbild klicken!

Alt-Hohenschönhausen. Eingeschlagene Fensterscheiben, Graffiti und jede Menge Schäden – die Ruine des früheren Kongresshotels an der Ecke Konrad-Wolf-Straße und Weißenseeer Weg gestaltet den Eingang nach Alt-Hohenschönhausen nicht gerade einladend. Doch nun gibt es Hoffnung, dass der Schandfleck wegkommt. Das einst geplante Stadtquartier mit dem Namen „The Square3“ mit seinen bis zu 118 Meter hohen Wolkenkratzern und Wohnungen für rund 5.000 Menschen ist allerdings Geschichte. Nun soll dort ein Mix aus Gewerbe, Hotel und Wohnungen entstehen, Hochhäuser sollen sich an den Bauten der Umgebung orientieren. Doch zunächst werden auf einem benachbarten Grundstück Wohnungen, eine Kita und ein Spielplatz gebaut.

„Wir möchten so schnell wie möglich anfangen“

Auf der Freifläche an der Konrad-Wolf-Straße wachsen Gräser, Sträucher und Bäume. Im Norden und Osten liegen Hallen und Plätze des Sportforums. Im Süden fahren Autos und Straßenbahnen. Es ist keine ruhige Gegend. Der Lärm wird noch zunehmen, wenn Bagger und Kräne anrollen. Denn die fast 20.000 Quadratmeter große Freifläche wird bebaut. Ein Quartier mit 391 Wohnungen ist geplant. Eigentümer des Areals ist die Immonen Property VII GmbH & Co.KG. Ein städtebaulicher Vertrag des Bezirksamtes mit dem Unternehmen ist ausgearbeitet. Grundlage ist der Bebauungsplan 11-9c. In den kommenden Monaten wolle man den Bauantrag einreichen, sagt Ariel Levin, Geschäftsführer der Immonen Property. „Wir möchten so schnell wie möglich anfangen.“

Ergänzungsbau für Grundschule

Im Vertrag sind wichtige Eckpunkte des Vorhabens festgeschrieben. Mindestens 25 Prozent der Wohnungen sollen Sozialwohnungen werden. Mit knapp 800 neuen Bewohnern rechnet das Bezirksamt. Die Familien, die im neuen Quartier leben werden, benötigen voraussichtlich 36 Kinderbetreuungsplätze. Deshalb wird der Investor eine Kita bauen, dazu Spielflächen und Außenanlagen. Die Kita soll fertig sein, sobald die ersten 100 Wohnungen bezugsfertig sind. Sie soll an einen geeigneten Träger zur üblichen Miete für soziale Einrichtungen übergeben werden. Gebraucht werden auch 43 Grundschulplätze. Sie sollen in einem modularen Ergänzungsbau an der Sandinostraße, auf dem Gelände der Grundschule am Wilhelmsberg entstehen und von der Immonen Property finanziert werden. Die Kosten sind mit 1,7 Millionen Euro veranschlagt. Außerdem wird ein öffentlicher Spielplatz benötigt, von mindestens 1.200 Quadratmeter Größe. Auch er soll angelegt sein, wenn die ersten 100 Wohnungen bezugsfertig sind. Die Spielplatzfläche wird an das Land Berlin übergehen.

Begrünte Dächer

Die Immonen Property wird außerdem verpflichtet, die Dächer der neuen Wohnhäuser zu begrünen. Auch für Lärmschutz in den neuen Wohnungen soll das Unternehmen sorgen, etwa durch geschlossene Laubengänge und verglaste Loggien oder Wintergärten. Denn Training und Wettkämpfe im Sportforum werden für einen hohen Geräuschpegel sorgen. Und auf der Konrad-Wolf-Straße rollt tagsüber alle fünf Minuten ein Straßenbahnzug vorbei, in der Nacht alle elf Minuten. Wegen der Neubauten wird es zu einer Reflexion der Verkehrsgeräusche kommen, sodass sich dadurch die Lärmbelastung der Bewohner in den schon existierenden Wohnhäusern an der Konrad-Wolf-Straße erhöht. Doch diese älteren Wohnhäuser werden durch die Neubauten von den Geräuschen des Sportforums abgeschirmt. Die positive Wirkung überwiege, meint das Bezirksamt.

Trotz internationaler Preise nicht erfolgreich

Dem Unternehmen Immonen Property gehört auch die Fläche am Weißenseer Weg 51/52. Sie ist etwa 31.000 Quadratmeter groß. Dort stehen immer noch zwei marode Gebäude, das alte Kongresszentrum und das Sporthotel. Eigentlich sollten längst drei lichtdurchflutete Hochhäuser errichtet sein, mit 118, 66 und 48 Metern Höhe, als Symbol eines Siegerpodestes. Das spektakuläre Projekt „The Square 3“ sorgte 2013 für Schlagzeilen. Der Entwurf war für einen Preis auf der Immobilienmesse in Cannes nominiert. 2015 bekam er den European Property Award. Realisiert wurde er jedoch nicht. Die Moritzgruppe hatte das 450 Millionen Euro teure Projekt entwickelt. Zwischen dem Eigentümer und dem Projektentwickler Dirk Moritz, der viel Zeit und Geld für das Vorhaben aufgewandt hatte, gibt es inzwischen Streit. Moritz will sich dazu nicht weiter äußern. Geschäftsführer Ariel Levin von Immonen Property dagegen sagt: „Es war unrealistisch und passte nicht in die Umgebung.“

Noch in der „Findungsphase“

Nun gebe es realistische Pläne. „Wir haben eine neue Version, die auch imposant und schick ist und Berlin bewegen wird.“ Am Weißenseer Weg Ecke Konrad-Wolf-Straße sei ein Mix aus Gewerbe, Hotel und Wohnungen geplant. Hochhäuser sollen errichtet werden, die sich an den Bauten der Umgebung orientieren. Doch es sei zu früh, Details bekannt zu geben und Bilder zu zeigen, sagt Ariel Levin. „Wir sind noch in der Findungsphase.“ Im kommenden Jahr werde hoffentlich auch für diese Fläche ein städtebaulicher Vertrag mit dem Bezirksamt abgeschlossen. Immonen Property arbeitet mit den Architekten des Büros Lava zusammen.
Im Jahr 2011 hatte das Unternehmen die Flächen Weißenseer Weg 51-52, Konrad-Wolf-Straße 45-46 und das östlich angrenzende Grundstück an der Konrad-Wolf-Straße erworben. Das mittlere Grundstück, Konrad-Wolf-Straße 45-46, habe man kurz nach dem Erwerb weiterverkauft, sagt Immonen-Geschäftsführer Levin. Dort stehen zwei Gebäude von 1979, die die Gesellschaft GPU verwaltet. Sie sind 2012-2013 saniert worden. Zwei Kitas und Demenz-Wohngemeinschaften nutzen die Räume, außerdem ist eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet. (mit gäd., el.)

 

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