Nachtrag zum Beitrag: Skater besetzen Halle vom Montag, 23. Oktober

Keine (schnelle) Lösung für Skater

24.10.2017, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergroßern Hauptbild anklicken.

Marzahn-Hellersdorf. Die Jugendlichen vom Verein We.Roll.Berlin e.V., die am Freitag, 20. Oktober, die ehemalige Fabrikhalle an der Premnitzer Straße 12 besetzt hatten, um für Skater eine überdachte Sportmöglichkeit zu erzwingen (LiMa+ berichtete), haben am Montagabend die Halle im Einvernehmen mit dem Bezirksamt verlassen. Der Deal: Es wird vom Bezirk keine Anzeige wegen Einbruchs und Hausfriedensbruchs gestellt. Es gibt (zumindest an diesem Abend) keine Räumung durch die Polizei. Am Dienstag um 9 Uhr durften die Skater wieder in den zuvor besetzten Raum im Erdgeschoss des Gebäudes. Das war ein erstes Ergebnis der am Montagabend eilig einberufenen Bezirksamtssitzung. Die Bezirksstadträtin für Weiterbildung, Kultur, Soziales und Facility Management, Juliane Witt (Linke), lud die jungen Leute am Dienstag, 24. Oktober, um 12 Uhr zum Besichtigungstermin einer ehemaligen Sporthalle an der Allee der Kosmonauten 143 ein. Das Ziel war eine Prüfung, inwieweit diese seit 18 Jahren leerstehende Schulsporthalle als mittelfristige Lösung für die Skater im kommenden Winter genutzt werden kann.

Einstige Schulsporthalle ist ruinös

Das Ergebnis der Besichtigung, an der auch Vertreter der Bauaufsicht und des Facility Managements teilnahmen, ist ernüchternd: Die einstige Schulsporthalle ist nach mehreren Einbrüchen, Abwasserschäden und zwei gelegten Bränden nicht mehr nutzbar. Im Gegenteil, die Besucher wurden aufgefordert, sofort wieder hinaus zu gehen. Bereits eine erste Inaugenscheinnahme hatte ergeben, dass an der schweren Betondecke an mehreren Stellen der Bewehrungsstahl freiliegt. Ein Anzeichen dafür, dass die Tragfähigkeit beeinträchtigt sein könnte.

„Das Objekt steht eigentlich zum Abriss, sobald sich für das Grundstück ein anderer Nutzungsbedarf ergibt“, sagte Frank Vettel, Leiter des Facility Managements. Eine weitere, Duldung der Skater in der Premnitzer Straße 12 schloss Vettel aus. Es habe bereits Lärmbeschwerden von Mietern gegeben, die in dem Gebäude für Gewerbebüros Miete zahlten. Die Besetzer müssten spätestens bis 15 Uhr das Gebäude verlassen. „Wir brauchen aber sofort eine andere Raum-Lösung“, sagte der Streetworker und Sozialarbeiter Uwe Heide. „Was soll ich meinen Leuten sagen?“ Die Frage blieb offen. Eine von Gunar Degenkolb, Fachgruppenleiter Baudurchführung/Hochbau, ins Gespräch gebrachte ehemalige Sporthalle am Parsteiner Ring, stellte sich ebenfalls als nicht nutzbar heraus, weil es dort auch Brandschäden gebe.

Bemühungen gehen weiter

Auf Drängen der Stadträtin sicherte der Facility-Manager Frank Vettel für Mittwoch, 25. Oktober, ein Treffen mit seinem Berufskollegen von der Bauaufsicht zu, wo beraten werden soll, welche Lösungsmöglichkeiten es gebe. Der Leiter bot außerdem an, die Jugendlichen bei der Erstellung eines Bauantrages sowie bei der Auflistung von Erfordernissen des Brandschutzes zu unterstützen. „Aber selbst dann ist eine längere Nutzung der Premnitzer Straße 12 fraglich“, sagte Frank Vettel, da sich die ehemalige Fabrikhalle in einem Gewerbegebiet befinde und eigentlich dem produzierenden Gewerbe vorbehalten sei.

Zwischenstand: Es gibt keine einfachen, geschweige denn schnellen Lösungen für die Skater. Politik und Verwaltung sind weiter gefordert, um mittel- und langfristig geeignete Räumlichkeiten – sicherlich gegen Mietzahlung – bereitzustellen. Sie hatten den Freizeitsportlern seit Jahren Hoffnungen gemacht und sie dann immer wieder vertröstet. Ziemlich deutlich wird in Zeiten knapper werdender Flächen in Berlin aber auch: Das Leben ist kein Ponyhof, wo jeder einfach Fakten schaffen kann, in der Hoffnung, seine Interessen würden dann zuvorderst berücksichtigt. Und – sicherlich kann man in der kalten Jahreszeit auch auf andere Sportarten ausweichen.

 

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