Wenn der Pinkpunktsöckler durch das Krankenhaus spukt...

Keine Angst mehr vor dem Krankenhaus

26.05.2017, Regina Friedrich

Fotos: Regina Friedrich. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Marzahn. Ein Krankenhausaufenthalt verursacht oft Aufregung oder gar Angst. Besonders für Kinder ist es schwer. Wilma Wolf hat nun ein Buch geschrieben und illustriert, das Kindern die Angst nehmen soll. Sein Titel: „Der Pinkpunktsöckler im ukb“. Dafür hat die Autorin mit dem BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) in Marzahn zusammengearbeitet.

Kalle ist von der Leiter gefallen

Ein Krankenhauskrimi für Kinder ist es geworden, spannend und gleichzeitig informativ. Übrigens durchaus auch für erwachsene Krankenhausskeptiker geeignet, wie die Autorin betont, denn neben der Detektivgeschichte erfahren die Leser auch etwas über die Abläufe in einem Krankenhaus. Nebenbei bemerkt, nicht in irgendeinem Krankenhaus, sondern dem mit Deutschlands größter Rettungsstelle. Dort wird auch der kleine Kalle eingeliefert. Er hat mit zwei Freunden ein Detektivbüro in einem Baumhaus und beim Versuch, es zu streichen, ist er von der Leiter gefallen. Mit dem Rettungswagen geht es in die Klinik. Dort muss er in einer Kabine warten. Unter dem Vorhang lugen haarige Füße hervor. Komisch, wem gehören die bloß? Dann wird er in eine riesige Maschine geschoben, die in ihn reingucken und Fotos machen kann. Sein Bein wird eingegipst und endlich liegt er in seinem Zimmer. Aber da geht der Spuk erst richtig los, denn jetzt kommt der „Pinkpunktsöckler“ ins Spiel.

Gut aufgehoben im ukb

Die liebevoll gezeichneten Bilder im Buch „Der Pinkpunktsöckler im ukb“ werden ergänzt durch Fotos aus dem realen Krankenhaus. So können die kleinen Leser sehen, dass sie in demselben Raum behandelt wurden wie Kalle und auch ihr Zimmer aussieht wie das im Buch. Das ukb hat keine eigene Kinderstation. Von den rund 61.000 Notfällen im Jahr, die in der Rettungsstelle versorgt werden, sind bis zu 8.000 kleine Patienten.

Vor gut zwei Jahren war auch Wilma Wolf so ein Notfall. „Bei aller Aufregung war es doch auch eine positive Erfahrung, weil ich mich gut aufgehoben gefühlt habe“, erinnert sie sich. „Einige Zimmer weiter lag ein kleiner Junge, der wurde nach einem schlimmen Sturz schon das zweite Mal operiert. Die Eltern, die Ärzte und das Pflegepersonal kümmerten sich ganz rührend um den Kleinen, das hat mich sehr beeindruckt.“ Und so kam ihr die Idee für das Buch. Es sollte einerseits spannend sein und die Kinder etwas ablenken vom Krankenhausalltag, andererseits aber auch die Angst nehmen vor Behandlungen oder Operationen. So wie bei Kalle. Nach anfänglicher Scheu hat er sich mit dem Pinkpunktsöckler, einem Krankenhauskobold, sogar angefreundet.

Der Klinikchef persönlich lektorierte

Mit ihrer Idee stieß Wilma Wolf auf offene Ohren im ukb. Sie bekam eine Führung durch die Klinik, es wurden Fotos gemacht von den Behandlungsräumen, die sie in ihren Collagen verarbeitete. Der Klinikchef und Ärztliche Direktor des ukb, Prof. Dr. med. Axel Ekkernkamp, las das Buch schon mal vorab, damit auch die medizinischen Details stimmten. „Wir haben den Pinkpunktsöckler auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt und das Feedback von Kindern, Ärzten und Eltern war wunderbar“, erzählt Holm Keller, Chef des holmVerlags, in dem das Buch unter dem Titel „Der Pinkpunktsöckler im Krankenhaus“ erschien. „Die sehr gute Nachfrage hat gezeigt, dass es offensichtlich ein wichtiges Thema ist.“ Das Buch wird im ukb und bundesweit in allen neun Akutkrankenhäusern der BG Kliniken – Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung gGmbH an Eltern kostenlos abgegeben.

Schwierige Themen leicht verständlich

Die 1992 im brandenburgischen Werder geborene Wilma Wolf produziert „im richtigen Leben“ Dokumentarfilme. Schon als Kind hat sie gerne gemalt, später sich in der Schule auch dazu Geschichten ausgedacht. „Aber als ich 16 oder 17 Jahre war, habe ich es völlig an den Nagel gehängt, ich wollte was Handfestes lernen“, sagt die heutige Illustratorin und Buchautorin. Doch vor gut einem Jahr begann sie wieder mit dem Zeichnen und Schreiben. Schwanger mit ihrer Tochter war sie neu inspiriert und konnte zu Hause arbeiten. „Ich finde es unheimlich toll, beides zusammen machen zu können, sich Geschichten auszudenken und dazu Bilder zu malen. Ich fange immer so an, dass ich mir Figuren überlege, da steht die Geschichte noch gar nicht richtig. Aber dann entwickle ich sie und bringe parallel dazu die Bilder, die ich im Kopf habe, gleich zu Papier.“ Es komme schon mal vor, dass sie für ein Bild den Text noch mal ändert.

Schwierige Themen leicht verständlich und kindgerecht zu erklären liegt ihr. Das Buch „Der Drachenprinz“ – ebenfalls von Wilma Wolf – richtet sich an kleine Kinder und ihre Eltern, die nach Deutschland flüchten mussten. In Alltagssituationen wird beschrieben, wie dieses unbekannte Land funktioniert, zum Beispiel, dass man das Wasser aus dem Hahn auch trinken kann. Die Hörbuchversion nutzten viele sogar zum Deutsch lernen. Ihr neuestes Projekt und derzeitiges Lieblingsbuch heißt „Milenowitsch und der Diamant der Wahrheit“ und erklärt Kindern ab acht Jahren die Welt der Neuen Medien.

 

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