Nur noch 14 Hektar Gewerbefläche

Kaum noch Platz für Großbetriebe

11.12.2017, Marcel Gäding

"Marzahn-Hellersdorf - hier wächst Zukunft" lautet der Titel der neuen Standortbroschüre des Bezirks. Im Innenteil findet sich eine lesenswerte Dokumentation zur Fachtagung "40 Jahre Wohnungsbau Marzahn". Fotos: Marcel Gäding

Marzahn-Hellersdorf. Seit sieben Jahren rührt der Bezirk die Werbetrommel für den Wirtschaftsstandort – und das mit derart großem Erfolg, dass nun der Platz in den Gewerbegebieten knapp wird. Gerade einmal rund 14 Hektar Fläche stehen derzeit noch zur Verfügung, wie Wirtschaftsstadtrat Johannes Martin (CDU) sagt: „Wir erhalten viele Anfragen aus dem Innenstadtbereich.“ Vor allem für großflächige Ansiedlungen sei die Situation angespannt.

65 Millionen Euro für den Wirtschaftsstandort Marzahn-Hellersdorf

Seit 2010 flossen in den Ausbau des Wirtschaftsstandortes, aber auch in Standortmarketingprojekte um die 65 Millionen Euro, berichtet Kathrin Rüdiger, die Leiterin der Wirtschaftsförderung in Marzahn-Hellersdorf. Zu den 18 Projekten gehören unter anderem der CleanTech Business Park Berlin-Marzahn, in den allein rund 40 Millionen Euro flossen. Ein Vorzeigeprojekt ist zudem des CleanTech InnovationCenter – dort finden junge Unternehmen zu günstigen Konditionen Platz. Darüber hinaus floss Geld in Marketingaktivitäten, um potenzielle Investoren anzulocken. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Innerhalb der vergangenen sieben Jahre entstanden 2.500 neue Arbeitsplätze. Außerdem konnte die Zahl der produzierenden Unternehmen von 152 auf 157 erhöht werden. In dem Zeitraum wechselten 200.000 Quadratmeter Gewerbefläche den Besitzer. Dazu gehörten unter anderem Unternehmen, die auf dem Weltmarkt aktiv sind. Allerdings sind Industrieunternehmen im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen deutlich in der Minderheit. Den Großteil der 20.297 Betriebe (Stand Ende 2016) machen Einzelunternehmen, Handel und Handwerker aus.

Das Umland steht schon in den Startlöchern

Obwohl die Kapazitätsgrenze fast erreicht ist, setzt der Bezirk seine Standortwerbung fort. „Marzahn-Hellersdorf – hier wächst Zukunft“ lautet der Titel der soeben im aperçu-Verlag erschienenen neuen Wirtschaftsbroschüre. In der mittlerweile achten Auflage werben nicht nur namhafte Unternehmen aus Marzahn-Hellersdorf. Passenderweise inseriert auch der Landkreis Märkisch-Oderland, in dem er Reklame für Standortalternativen im Berliner Umland macht. „In erster Linie geht es darum, die Leistungsfähigkeit des Standortes abzubilden“, sagt Wirtschaftsstadtrat Johannes Martin. Mit einer Auflage von 25.000 Exemplaren will man zudem gezielt auf die Menschen im Bezirk zugehen, darunter junge Leute, die auf der Suche nach einer Ausbildung sind. Denn: „Neben der Verkehrsinfrastruktur wird die Gewinnung von Fachkräften eine der Herausforderungen der kommenden Jahre sein“, erklärt Martin. Ihm sei es daher wichtig, die lokalen Unternehmen bekannt zu machen. Klaus Teichmann, der Geschäftsstellenleiter des Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreises MHWK, kritisiert jedoch das schlechte Bildungsniveau der Schulabgänger im Bezirk. Das gehe aus der aktuellen Unternehmerbefragung des MHWK hervor.

Nicht nur Fläche für große Unternehmen werden zunehmend knapp. Auch das kleinteilige Gewerbe muss unter Umständen Verdrängung befürchten. Deren Standorte wie das Gut Hellersdorf sind für Wohnbauprojekte im Gespräch. Erst vergangene Woche hatte der Wirtschaftsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung daher beschlossen, sogenanntes kleinteiliges Gewerbe planungsrechtlich zu sichern.

Im CleanTech Business Park geht es langsam voran

Wenig Entlastung dürfte der CleanTech Business Park Berlin Marzahn an der Bitterfelder Straße bringen, dessen Flächen weiterhin ohne Nutzer sind. Wie berichtet, können sich dort nur Unternehmen ansiedeln, die auf erneuerbaren Energien und saubere Produktionsmethoden setzen. Platz dafür ist vorhanden – immerhin 90 Hektar. Das Problem: Der Bezirk kann die Flächen nur in enger Abstimmung mit den Senatsverwaltungen für Wirtschaft sowie Finanzen veräußern. Und das dauert. Dennoch ist Wirtschaftsstadtrat Johannes Martin zuversichtlich, noch in diesem Jahr den ersten Käufer präsentieren zu können.

 

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