Kaulsdorfer sorgen sich um Flusspferd „Knautschke“

07.02.2014, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann, Sven Kohlmeier

Kaulsdorf. Das Areal des ehemaligen Wernerbades soll bebaut werden. Längst vorbei sind die Zeiten, als sich die Mahlsdorfer und Kaulsdorfer auf der Wiese sonnten oder im Schwimmbecken ihre Runden drehten. Viele schwärmen noch nach Jahren von ihrem Wernerbad und der Gaststätte am Wernerbad, die noch in den 90er Jahren als Versammlungsort diente.

Weder das Bad noch die historische Kneipe lassen sich wieder mit Leben füllen. Vor zehn Jahren war noch einmal Hoffnung aufgekeimt, als zwei Hellersdorfer das Bad übernehmen wollten. Viele Einwohner kamen noch zur Party 100 Jahre Wernerbad. Doch die Jubiläumsparty sollte auch zur Abschiedsparty werden – wie sich heute zeigt. Wie vieles in dieser Stadt scheiterte auch dieses Projekt am lieben Geld.

Nun soll das Gelände bebaut werden. Im vergangenen Jahr wurde ein Bebauungsplan aufgestellt und oft in der Bezirksverordnetenversammlung diskutiert. „Entschieden ist noch nichts“, erklärte der zuständige Wirtschaftsstadtrat Christian Gräff (CDU). Nur eines ist schon deutlich gemacht worden, es sollen seniorengerechte Wohnungen entstehen. „Das Gebiet ist noch nicht verkauft worden“, bestätigte Gräff. Es gehört nach wie vor dem Liegenschaftsfonds. „Es gibt zwar Interessenten“, erklärte Gräff, doch bevor die Entscheidung nicht gefallen sei, wolle er verständlicher Weise keine näheren Angaben machen. Für ihn als Wirtschaftsstadtrat sei nur wichtig, dass alle Interessenten erklärt haben, die Anwohner über Vorhaben rechtzeitig zu informieren, und dass sowohl die Sportanlage als auch der Wernersee für die Öffentlichkeit als Erholungsfläche erhalten bleiben.

SPD-Abgeordneter Sven Kohlmeier aus Kaulsdorf hat eine Initiative gestartet, um das Maskottchen vom „Wernerbad“ zu retten. „Viele Kaulsdorfer sorgen sich um das Nilpferd „Knautschke’“, betonte Kohlmeier in einer Presseerklärung. Es sei nach wie vor nicht geklärt, was mit „Knautschke“ passiert, wenn das ehemalige Freibad bebaut wird. Wie viele Kaulsdorfer kennt auch der Abgeordnete Kohlmeier „Knautschke“ noch aus seinen Kindertagen im Freibad.

Für Stadtrat Gräff ist diese Frage bisher kein Problem gewesen. „Als Abgeordneter kann doch Kohlmeier die Berliner Bäderbetriebe direkt fragen, was mit der Plastik werden soll“, sagte er. Gräff weiß, dass die Figur sanierungsbedürftig ist. Sanierung und Transport kosten Geld und das hat der Bezirk natürlich nicht. Jedenfalls will sich der Wahlkreisabgeordnete Sven Kohlmeier dafür einsetzen, dass „Knautschke“ auch weiterhin in Kaulsdorf bleibt. „Ich kann mir einen Umzug von ‚Knautschke’ in den Garten der Villa Pelikan sehr gut vorstellen“, meinte Kohlmeier. „So bleibt ‚Knautschke’ auch weiterhin Kaulsdorfer und die Erinnerung an seine Zeiten im Wernerbad bleiben erhalten.“

Kohlmeier hat erste Kontakte mit der Villa Pelikan, dem Bezirksamt und den Bäderbetrieben aufgenommen, um für seine Idee zu werben. „Kann die Finanzierung des Umzuges nicht aus Bezirksmitteln erfolgen, bin ich mir sicher, dass viele Kaulsdorfer und Unternehmer den Umzug über Spenden finanzieren. Das möchte ich gerne koordinieren“, so der Abgeordnete. Vorschläge nimmt er unter: sven.kohlmeier@spd.parlament-berlin.de entgegen.

 

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Leserkommentare

  1. Nicht nur Nilpferd - auch Pinguine sind noch da
  2. Das Nilpferd und eine Pinguingruppe – das übrigens leichter zu transportieren wäre – stammen von dem Bilderhauer Erwin Kobbert (1909-1969). Von 1954 bis 1958 dienten ihm Teile des Schlosses Biesdorf als Atelier. Er nutzte gemeinsam mit seinem Kollegen Fritz Becker (geb. 1922) den Saal und zwei Räume an der Südseite. In dieser Zeit entstanden dort zahlreiche, im Bezirk Marzahn-Hellersdorf bekannte, Arbeiten. Dazu gehört auch eine Pelikangruppe, die der Kinder- und Jugendfreizeitstätte in der Hellersdorfer Str. 27 den Namen Villa Pelikan einbrachte. Kobbert und Becker fertigten im Saal des Schlosses ein Tonmodell und einen Gipsguss an. Den Gipsguss brachten Sie zum Wohnort von Kobbert, der zwischenzeitlich in eine Doppelhaushälfte im Mahlsdorfer Fredchenweg umgezogen war. Dort entstanden im Garten die einzelnen Teile des Nilpferdes. Becker nutzte dazu eine Punktiermaschine. Die Montage erfolgte vor Ort im Wernerbad. Außerdem entstand dort die kleine Pinguingruppe als Trinkbrunnen.

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