Gedankenbrösel zum Sonntag

Kaffee und gute Musik

12.11.2017, Mike Abramovici

Foto: Volkmar Eltzel



A
ch, was ist das für ein schönes Gefühl: Man wird frühmorgens wach, schlurft schlaftrunken durch die Wohnung, ertastet den Kaffeeautomaten. Schon fließt das köstliche schwarze Getränk durch den Filter, lieblicher Duft verbreitet sich in der Küche, das erste „Ah“ ist da. Und nachdem der erste Schluck die Kehle durchronnen hat, wird das Radio angestellt. Musik erreicht das Ohr und ein Moderator plappert irgendwas vor sich hin. Die neuesten Wetternachrichten werden gereicht, es wird berichtet was war und was sein wird. Das ist schon fast der Beginn eines perfekten Morgens, am Wochenende noch bereichert durch frische Brötchen und gekochte Eier.

So schön könnte es sein. Leider aber ist es oft schlimm. Aus dem Radio erklingt eine Musik wie sie grausiger nicht sein könnte. Ich möchte vorweg bemerken, ich spreche hier nur für mich, aber vielleicht gibt es einige Mitmenschen, die das auch so sehen. Ich meine diese Menge an produzierter Massenware, die uns oftmals das Hirn verblödet. Dabei finde ich gute Musik wirklich wichtig. Und natürlich hat jeder Mensch einen anderen Geschmack. Aber es gibt viel gequirlte K… aus dem Äther, die uns entgegensprudelt.

Dass wir das so empfinden, kann natürlich daran liegen, dass wir heute viel einfacheren Zugang zur Musik haben. Früher war man mehr auf der Suche und freute sich auf eine neue Platte (mach ich heute immer noch!), man jagte förmlich guter Musik hinterher, man tauschte sich untereinander aus, verlieh Platten, Kassetten oder CDs, und es war gut.

Sind die Privatsender daran schuld? Es fing irgendwie damit an, dass einer dieser hochqualifizierten Bildungssender den „großen Bruder“ ins Fernsehen brachte. Von da an plärrten irgendwelche dumpfbackigen Kandidaten CDs voll. Auf einmal waren „Künstler“ wie Zlatko auf Platz Eins der Hitliste. So geht es immer weiter, in fast jeder Spielshow sind irgendwelche abgehalfterten Kandidaten zu sehen. Somit entsteht – so ist meine Vermutung – dieser ganze Massenmüll. Gut gemachte Musik hat es viel schwerer als früher. Künstlerinnen und Künstler, die sich viel Mühe geben, die jahrelang studiert und ihr Handwerk noch richtig gelernt haben, werden von diesem Kram übertönt. Die „Stars“ aus den Reality Shows sind zwar schon nach ein paar Monaten nicht mehr präsent und versinken in Bedeutungslosigkeiten. Doch ihnen folgen neue nach, wieder und wieder.

Lasst Euch trotzdem nicht Euren guten Musikgeschmack rauben und versucht hin und wieder, die Gehörgänge vom Massenmüll, der durch den Äther gespült wird, zu reinigen. Wenn der Tag mit einem Kaffee und wirklich guter Musik begonnen hat (man kann einen Radiosender, der solche bringt, ganz bewusst wählen!), dann wird auch ein Lächeln auf den Lippen zu sehen sein!

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden